Pragmatische Krieger mit Herz

Appelle, mit Gruppen wie der Hisbollah Dialog zu führen, gibt es immer wieder. Allerdings gehen sie auch fast immer fehl in der Einschätzung grundsätzlicher Fakten. Dazu gehört die Behauptung eines Artikels in der “Zeit”, dass sich die Hisbollah “als pragmatisch handelnde Organisation erwiesen und in der jüngeren Vergangenheit maßgeblich zur stabilen Lage im Libanon beigetragen” habe.

Die Hisbollah, daran sei hier noch einmal erinnert, ist jedoch ein Staat im Staate, weswegen sie zuweilen pragmatisch mit anderen Kräften zusammenarbeiten mag (wie mit Michel Aoun), letzten Endes aber die libanesische Politik und den libanesischen Staat blockiert. Dass sie nicht wirklich bereit ist, sich in das parlamentarische Leben des Landes einzugliedern, hat ihr Abgeordneter Muhammad Raad mehrfach deutlich gemacht, indem er darauf hinwies, dass die Hisbollah ihre Waffen niemals und unter einen Umständen abgeben werde.

Nun glaubt der Redakteur des “Zeit”-Artikels allerdings nicht nur an eine stablisierende Rolle der Hisbollah, weswegen er auch die Täterschaft an der Ermordung von General Wissam al-Hassan bezweifelt – er weiss auch, was passiert, wenn der Westen die Terrortruppe mit Sanktionen belegt: Dann nämlich drohe ein Konflikt mit den Sunniten, aus dem die Hisbollah als Siegerin hervorgehen und schliesslich ihren Einfluss im Land weiter verstärken könnte. Und das hiesse: “Für die schwache Demokratie im Libanon wäre das eine verheerende Entwicklung.”

Fassen wir zusammen: Die Hisbollah ist pragmatisch und übt auf die Region eine stablisierende Wirkung aus. Würde sie allerdings stärker, wäre das “verheerend” für die Demokratie im Libanon. Verheerend wäre es allerdings auch, wenn die “Zeit” noch weitere Artikel dieser Art veröffentlichte. Nicht für die Demokratie, aber vielleicht für die verkaufte Auflage.