Ein Referendum über das Regime? (4)

Monday, June 20, 2005
Von Michael Kreutz

Nun soll die Wahlbeteiligung im Iran also bei etwa 70% liegen. So berichtet es Ahmad Taheri in der FAZ.

Ein wahre Wahlkampfposse lieferte der Favorit Hashemi Rafsanjani:

Für Furore sorgte ein Werbefilm von Rafsandschani, in dem der Mullah mit dem spärlichen Bart um die Gunst der Jugend buhlt: Er sitzt mit einem Dutzend Jugendlichen um einen ovalen Tisch. Die Frauen sind handverlesene Schönheiten, die jungen Männer sind glattrasiert und tragen schulterlange Haare. Der sonst schlechtgelaunte Politiker ist zum Scherzen aufgelegt. “Welche Schuhgröße tragen Sie, Herr Rafsandschani?” fragt eine bildschöne Studentin. “Eigentlich 43.” Denn diese Größe sei bequemer. “Aber ich würde gerne 42 tragen, denn kleinere Schuhe sehen viel hübscher aus.” Die Jugend, sagt der 71 Jahre alte Sohn eines Pistazienbauers aus der südostiranischen Stadt Rafsandschan, sei die Zukunft des Landes und könne nur in Freiheit gedeihen.

Die ganze Zeit zeigt die Kamera eine junge Frau, die schweigt und ernst dreinschaut. “Sie haben gar nichts gesagt”, fragt Rafsandschani. “Was soll ich sagen, ich gehe nicht zur Wahl. Die Islamische Republik hat uns seit Jahren betrogen und belogen. Sie hat uns unserer besten Jahre beraubt”, sagt die junge Frau mit zorniger Stimme. Rafsandschani senkt den Kopf und wischt mit dem Handrücken Tränen von seinen Wangen ab. Jeder weiß, daß die Tränen des künftigen Präsidenten Krokodilstränen sind und die Szene inszeniert ist. Und doch bewundern viele Iraner die Unverfrorenheit eines Politikers, der um der Macht willen vor keinem billigen Trick zurückschreckt. “Eines Tages wird er solche Tränen bei Frau Rice vergießen, bis die amerikanische Außenministerin die in den USA eingefrorenen iranischen Milliarden freigibt”, sagt ein Spötter.

Derweil sorgt die vermeintliche Wahl des Hardliners Ahmadinejad für erheblichen Unmut in der Bevölkerung, denn sein Sieg scheint manipuliert, wie der Spiegel berichtet:

Der Erfolg Ahmadinedschads ist bemerkenswert. In allen Umfragen lag der Erzkonservative stets weit hinten im Feld der Kandidaten. Während Konkurrenten wie Karubi mit profanen Offerten wie einem Festgehalt von 60 Dollar für jeden Iraner Stimmen einsackten, fiel Ahmadinedschad nicht auf. Außer bei einem Anteil an radikalen Wählern in bestimmten Stadtteilen Teherans oder auf dem Land wurden ihm kaum Chancen eingeräumt. Allein diese Tatsache lässt Gerüchte und Mutmaßungen über eventuelle Manipulationen leicht gedeihen.

Man muss es vielleicht so sehen: Die Chancen für eine orangene Revolution im Iran verbessern sich.

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