Eine irakische Stimme zum 11. September

Monday, September 12, 2005
Von Michael Kreutz

Der 11. September und der Irak. In der Ausgabe vom 11. September schreibt Aziz el-Hadj auf der irakischen Website “Sot al-Iraq” zum Jahrestag der Attentate auf das World Trade Center, welche Lehren sich aus dem 11. September für den Irak ziehen lassen [Holprigkeiten der Übersetzung sind allein mir anzulasten -MK]:

Ich glaube nicht, dass es seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Lagers ein bedeutenderes Ereignis gab als die Zerstörungen vom 11. September 2001. …

Dieses bedrohliche und nachwirkende Ereignis enthüllte die grosse Gefahr, die die Menschheit – und nicht nur die USA allein – bedroht, nämlich die Gefahr des islamischen Terrorismus, dessen blutbehaftete Krake Verbrechen an allen möglichen Orten verübte: Von Mekka bis New York und Washington, über Bali, Afrika, Indonesien, Tunesien und Casablance, danach in Madrid, London, Scharm al-Scheich, und die Liste liesse sich fortsetzen. …
Was die westliche Linke gerne vergisst, und weshalb die Islamisten in allen Schattierungen sich auf ihre Vergesslichkeit verlassen, ist, dass Armut relativ und in allen afrikanischen Staaten stark vorhanden ist, während es in der arabischen Welt sehr reiche Staaten gibt. Warum bringen dann die armen afrikanischen Staaten keinen Terror hervor, vor allem keinen international operierenden? Stimmt es denn, dass Armut, mangelnde Bildung und Analphabetismus das Entstehen terroristischer Akte überhaupt erklären können? Richtig ist, dass diese Defekte ein gewisses Milieu schaffen, die die Führer der islamistischen Netzwerke auszunutzen wissen, um die Armen und Hoffnungslosen anzuwerben, wo wir doch wissen, dass die Führer des islamischen Terrorismus und die aktiven Kader in ihrer Mehrheit von hoher Bildung sind und es unter ihnen viele Ärzte und Ingenieure gibt, so wie die meisten von ihnen ihr Auskommen haben, und ein Bin Laden sogar Milliardär ist und im Luxus lebt!

…Der islamische Terrorismus ist daher vor allem anderen das Produkt einer extremistischen religiösen Ideologie, die … sich transformiert in ein gewalttätiges, blutiges Projekt des Aktionismus, um die Welt islamisch werden zu lassen. All die politischen islamischen Denkschulen, trotz ihrer Verschiedenheit in taktischer Vorgehensweise, sind konform in ihrer Anschauung, nach der die Welt in eine des Unglaubens und eine des Islam zu teilen sei. …
Die Differenzen der Strömungen des politischen Islam und ihrer Parteien sind rein taktisch. … Die Islamisten bedienen sich der Teilnahme an Wahlen und rufen zur Täuschung Parolen von Freiheit und Volkssouveränität, um ihre Ziele in einem islamischen Staatssystem auf einmal oder allmählich zu verwirklichen. Das ist genau das, was sich heute im Irak seitens der schiitischen Parteien und Organisationen abspielt. Die Fundamentalisten wiederum, die mit den agierenden Baathisten koalieren, um das gestürzte System zurückzubringen, bedienen sich allein der Gewalt, des Tötens und des Sprengens, um den Kurs Richtung Demokratie zu zerstören und Rechnungen mit den USA zu begleichen, von denen Syrien und der Iran profitieren, die zugleich beteiligt sind. Solange ihre Ziele dieselben sind, werden die Unterschiede ihrer Denkschulen nur zeitweilig und marginal sein, wie wir es im Bündnis Muqtada al-Sadrs mit den Zarqawis, Baathisten und Terroristen gesehen haben. … Wie auch bekannt ist, dass Zarqawi und andere Führungselemente der Qaida aus dem Iran eingesickert sind und dass ebendort im Iran Dutzende Qaida-Leute sind, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass der sunnitische Fundamentalismus die Schia für häretisch erklärt.

… Die fanatische Lehre des religiösen Fundamentalismus prodziert die Obession der Gewalt im Namen des »Dschihad um des Islam willen« und bringt das Phänomen des Terrorismus hervor. Während der irische Terrorismus sich mit dem islamischen insoweit deckt, als er Zivilisten als allererstes zu Opfern macht und beiden das religiöse Element zu eigen ist, so zeigen sich die Unterschiede darin, dass ersterer die Briten zum Zwecke der »Befreiung Irlands« ins Visier nimmt, während der islamische Terrorismus international ist: Seine Netzwerke baut er in verschiedenen Ländern auf und er richtet sich gegen die Kultur und den menschlichen Fortschritt, gegen Wissenschaft, aufklärerisches Denken und die Glaubens- und Meinungsfreiheit.

Aus dem 11. September lassen sich daher für uns im Irak die folgenden Lehren ziehen:

1. Die Gefahren der Rigidität, des Fanatismus, sowie des religiösen und weltanschaulichen Extremismus zu begreifen.

2. Zu begreifen, dass sämtliche Schulen des politischen Islam, dieselben politischen Projekte zum Umsturz und Errichtung eines Machtmonopols bedeuten, und dass sie im Einklang mit den jeweiligen Begebenheiten die Freiheiten, die sich ihnen bieten, ausnutzen – angefangen von Wahlen bis zum Gebrauch von blutiger Gewalt.
3. Die fanatische, dogmatische Religionslehre ist die zentrale Quelle für den Extremismus, der wiederum den Terrorismus hervorbringt.

4. Die terroristischen Netzwerke betreiben eine Gehirnwäsche und füllen die Gedanken mit dem Wahnsinn vom Traum eines »Dschihad zur Erlangung des Paradieses«, während sie damit blinden Hass entfachen, der sich gegen religiöse Freiheit und andere Religionsgemeinschaften richtet, sowie gegen die Errungenschaften der modernen Kultur.

5. Es ist unmöglich, ohne gesunde Aufklärung die Konfrontation mit dem Terrorismus zum Erfolg zu bringen, und ohne den Rechtsstaat gegen die Terroristen, Extremisten und Fundamentalisten anzubringen. Denn das Recht ist der Garant der Freiheit und es gibt keine Freiheit ohne die Herrschaft des Rechts. Anderenfalls wird jegliche Freiheit nur solange von den Menschen genossen werden, bis die mit den Baathisten kooperierenden verbrecherischen Netzwerke sich ihrer bemächtigen und ihre Städte besetzt werden, so wie gestern in Falludscha, in Tel Afar und in Haditha geschehen, und ebenso die Freiheit der Bewohner von Basra, die unter der Vorherrschaft von bewaffneten Milizen und islamischen Organisatione stehen …. Die Herrschaft des Rechts, der Gerechtigkeit und der Entschlossenheit schützt die Freiheit wahrhaftig, denn Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit sind aneinandergebunden.

Amerika hat mit dem 11. September einen sehr hohen Preis bezahlt als Folge des Nichtergreifens notwendiger Präventivmassnahmen zur Bekämpfung des Terrors. Und es waren Menschenrechtsorganisationen ebendort, die jeglicher Ausweitung der Kompetenzen von Polizei und Regierung und der Einleitung von Abschreckungsmassnahmen Widerstand geleistet haben. Obwohl der Kongress ein Sonderkomitee berief, um die terroristischen Angriffe auf die amerikanischen Botschaften in Afrika 1998 zu untersuchen, gelang es der Opposition, die Kompetenzen der Regierung zu beschneiden. Und so bezahlte auch Grossbritannien einen hohen Preis in Form der Attentate von London dadurch, dass es den religiösen Extremismus und seine Propagandisten ignorierte …. Dasselbe geschah in Frankreich, wo die Festnahmen noch andauern und Elementen terroristischer Netzwerke der Prozess gemacht wird ….
Der 11. September hat bewiesen, dass der islamische Terrorismus eine Gefahr für alle ist und dass seine Bekämpfung international erfolgen muss. Der Irak wurde zum vordersten Schauplatz des Terrorismus in all seinen Spielarten. Und dennoch fordern die Vereinten Nationen den Irak auf, die Todesstrafe abzuschaffen, die bislang nur an drei Verbrechern vollstreckt worden ist, anstatt ordentlichen Druck auf Unterstützerstaaten des Terrors, wie Iran und Syrien, auszuüben, um den Import von Terrorismus … in den Irak zu stoppen. Vielmehr ist es die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, alles zu unternehmen, was möglich ist, um die Sicherheit der Iraker aufrechtzuerhalten, angefangen bei den arabischen Ländern und sämtlichen Regionalmächten. Denn die Sicherheit des Irak wird der ganzen Welt nützen.

Die Ereignisse des 11. September müssen uns immer wieder an die Dringlichkeit erinnern, den politischen Islam von der Macht fernzuhalten und an die Notwendigkeit, eine starke Phalanx der Demokratie und des Liberalismus zu bilden. …

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3 Responses to “Eine irakische Stimme zum 11. September”

  1. [...] eit, eine starke Phalanx der Demokratie und des Liberalismus zu bilden. (…) Dieser Text erschien vor einem Jahr auf diesem Blog. [...]

    #7847
  2. Martin Metz

    So wie der Kommunismus bei der ausgenützten Arbeiterklasse als Salbei angepriesen wurde, während das Christentum zuschauete wie verlogen der Kapitalusmus arbeitete und noch immer arbeitet, so wird auch der totalitäre Islamismus als Quelle des Heils angepriesen gegenüber einer total dekadenten, sich wie eine Hure benehmenden westlichen Welt. Natürlich ist weder der Kommunismus noch der totalitäre islamische Fundamentalismus die Lösung des Uebels sondern eine ernstzunehmende Antwort. Die Lösung des Problems wäre wenn sich der Westen auf seine christlichen Grundwerte zurückbesinnen und sie anwenden würde.

    #8619

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