Deutschland, deine Wähler

Sunday, September 18, 2005
Von Michael Kreutz

Deutschland hat gewählt. Und wie erwartet, daran lassen die Hochrechnungen keinen Zweifel, kann keine der grossen Parteien gegen die andere regieren.

Das erstaunliche: Jede der grossen Parteien reklamiert den Sieg für sich. Angela Merkel und die CDU/CSU sprechen von einem klaren Wählerauftrag, den die Wähler ihnen erteilt haben sollen; Kanzler Schröder und SPD-Chef Müntefering verbuchen dagegen den Sieg für sich. Die Gegensätzlichkeit der Reaktionen entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Alles konzentriert sich darauf, wer mit wem welche Koalition bilden kann. Für Schwarz-Gelb reicht es nicht, für Rot-Grün ebensowenig. Rot-Grün könnte eine Mehrheit mit der Linkspartei bilden, Schröder hat dem jedoch bereits eine Absage erteilt. Auch eine Ampelkoalition aus Rot-Grün + FDP wäre rechnerisch denkbar, jedoch nicht praktisch: Der Parteitagsbeschluss der FDP steht dem entgegen.

Wie sieht es mit einer Grossen Koalition aus? Sie scheint das naheliegendste, aber Schröder hat nach den ersten Hochrechnungen schon klargemacht, dass er Kanzler bleiben will. Solange aber die SPD weniger Stimmen eingefahren hat als CDU/CSU, bleibt dieser Weg verschlosssen.

Die Wähler haben der Politik ein Patt beschert. Keine Koalition wird diesem Willen gerecht werden können.

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