Noch mehr Geld für Afrika! (5)
Entwicklungshilfe macht arm. Die Richtigkeit dieser These wurde auf diesem Blog schon mehrfach dokumentiert.
In der aktuellen Ausgabe des Magazins »Focus« (38/05, S. 206-209, nur Druckausgabe) findet sich ein Interview mit dem südafrikanischen Soziologen und Unternehmensberater Moeletsi Mbeki, in dem dieser für ein grundlegendes Umdenken in der Entwicklungshilfe plädiert. Mbeki ist der Bruder des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki und kennt aus seiner Tätigkeit als Geschäftsmann und während seiner Zeit im Exil mehrere Länder Afrikas aus eigener Anschauung. Mbeki lässt keinen Zweifel daran, dass die Unterentwicklung Afrikas von den eigenen Eliten verschuldet ist:
Dass sich Afrika nicht selbst ernähren kann, hat hausgemachte Gründe. Die Eliten plündern ihre eigenen Völker und Länder aus. (…) Mit staatlichen Aufkaufgesellschaften, hohen Importzöllen und Steuern werden die Bauern arm gehalten.
Über die Kakaoproduktion in einem bestimmten, nicht namentlich genannten Land:
Der Weltmarktpreis für Kakao liegt beim Doppelten dessen, was das staatliche Vermarktungsunternehmen den Bauern als festgelegten Abnehmerpreis bezahlt. Die Konsequenz ist, dass dem Farmer am Ende kein Überschuss bleibt. (…) So entsteht eine nach unten führende Spirale: Wenn nichts in den Boden investiert wird, wird er ausgelaugt, die Erträge sinken. Die Wälder werden abgeholzt, die Wüsten dringen vor. (…) Die Pflüge, die die Äthiopischen Bauern verwenden, wurden schon 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung benutzt.
Über den Beschluss der G8-Länder, die Entwicklungshilfe zu verdoppeln:
Solange die Herrschenden von den Geberländern mit Geld versorgt werden, können sie weitermachen wie bisher. Das heisst, sie sind nicht auf Steuereinnahmen aus dem eigenen Land angewiesen. Und damit ist ihnen die wirtschaftliche Entwicklung (…) gleichgültig. (…) Gebergeld ist Gratisgeld, deshalb ist die Effizienz sehr gering.
Und was Afrika wirklich hilft:
Entwicklungshilfe [muss] ein politisches Ziel verfolgen, wenn sie wirklich erfolgreich sein will: nämlich die Stärkung der Fähigkeit der Bevölkerung, sich zu organisieren und eine politische Rolle bei der Entwicklung des Landes zu spielen. (…) Der Grund für die Unterentwicklung Afrikas ist die politische Struktur. Ich habe den Eindruck, die Geberländer wollen (…) ihr Gewissen beruhigen. Sie geben Geld und sagen: Wir tragen zur Entwicklung bei, unser Gewissen ist rein.
Mbeki will die Entwiicklungshilfe nicht abschaffen, aber an politische Konditionen gebunden sehen. Die herrschende Elite, so sagt er voraus, wird ein solches Vorgehen als “Neokolonialismus” brandmarken. Allerdings: Die Bevölkerung ist daran interessiert, dass man sie in ihrem Wunsch nach einem Aufbau demokratischer Strukturen hilft. Für sie wäre es kein Neokolonalismus. Die demokratischen Reformen, die seit den 90er Jahren in einer Reihe von afrikanischen Ländern durchgeführt wurden, so Mbeki, gehe an den verelendeten Massen vorbei und sei nur kosmetischer Natur.
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