Sinn-Vakuum
“Nicht daß er wiedergewählt wurde, sondern warum Karl Kardinal Lehmann nach 18 Jahren Amtszeit erneut zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gekürt wurde, frappiert. Weniger mit der Verteidigung des liberalen deutschen Katholizismus, den er selbst wie kein zweiter verkörpert, hat der Mainzer Bischof gepunktet, sondern als Verfechter einer Glaubensoffensive, die in das Sinn-Vakuum hineinstoßen will, das die säkulare Gesellschaft aufgerissen hat.” schreibt Heimo Schwilk in der heutigen Welt am Sonntag.
Was ich nicht verstehe: Warum es Leuten wie Heimo Schwilk ein solches Bedürfnis ist, das vermeintliche Sinn-Vakuum der säkularen Gesellschaft gefüllt zu sehen. Sollte die Entscheidung, seinem Leben welchen “Sinn” auch immer zu geben, nicht Privatsache jedes Einzelnen sein? Warum müssen Menschen wie Schwilk ihre eigene Glückseligkeit unbedingt im Seelenheil ihrer Mitmenschen finden?
Wenn die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche sinken, dann ist dies kein “alarmierender Zustand”, sondern der respektablen Entscheidung mündiger Bürger geschuldet, sich aus Gründen, die sie nicht zu rechtfertigen brauchen, von der Kirche abzuwenden. Der hier von Schwilk zur Schau getragene Alarmismus ist nichts als leere Arroganz.
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