Marshallplan
Shlomo Avineri, einer der herausragendsten Politikwissenschaftler Israels, fordert in einem Artikel, der jetzt auf Deutsch in der “Welt” erschienen ist, einen Marshallplan für Palästina, den die reichen Golfstaaten finanzieren sollen:
Man lasse Saudi-Arabien, Kuwait und die Emirate also ihre rhetorische und ideologische Solidarität mit den Palästinensern in bare Münze umwandeln: Was herauskommen könnte, ist ein großzügiger Marshallplan für Palästina – und genau so etwas wird gebraucht. (…) Parallel dazu müßten die Palästinenser ihre Haltung gegenüber der Flüchtlingsfrage überdenken. Ungeachtet eines endgültigen Abkommens sollten die palästinensischen Politiker die Flüchtlinge dazu ermutigen, das Elend und den Schmutz der Lager zu verlassen. Flüchtlinge – und ihre Nachkommen – sollten Anreize geboten werden, die Lager gegen günstige Wohnungen im Gaza-Streifen oder im Westjordanland zu tauschen.
Als Kopf der Autonomiebehörde hat Mahmud Abbas schon einige kleine Schritte in diese Richtung unternommen. So forderte er die syrische Regierung auf, das Arbeitsverbot für die im Nachbarland lebenden palästinensischen Flüchtlingen aufzuheben. Bisher ist es Palästinensern in Syrien allen offiziellen Solidaritätsbekundungen und Wehklagen über die Not dieses Volkes zum Trotz nicht gestattet, einen Job anzunehmen. Auf diesem Gebiet muß noch eine Menge getan werden. Doch damit eine derart mutige Politik zum Erfolg führen kann, ist viel Geld erforderlich.
Das Schicksal eines palästinensischen Staats liegt in den Händen der Palästinenser und ihrer arabischen Nachbarn.
Das Schicksal eines palästinensischen Staats lag schon immer – wenigstens zu einem Grossteil – in den Händen der Palästinenser und ihrer arabischen Nachbarn! Und schon immer pflegte die arabische Seite einen “Rejectionism” (Benny Morris), wenn es darum ging, eine Gelegenheit, das Schicksal der Palästinenser zu verbessern, auszuschlagen.
Die Tatsache, dass der libanesische Staat in ein Flüchtlingslager wie Ayn al-Hilweh auf seinem Boden nicht einmal die Einfuhr von Sand erlaubt, weil es als Baustoff genutzt dazu dienen könnte, die seit 1948 dort ansässigen Flüchtlinge und deren Nachkommen sesshaft zu machen, zeigt, dass es der der arabischen Seite bislang immer daran gelegen war, den Nahostkonflikt am kochen zu halten.
Was die Palästinenser brauchen, ist nicht etwa noch mehr Geld (das dann nur wieder in der Autonomiebehörde versickert), sondern ein Umdenken innerhalb der arabischen Welt, die Flüchtlingsfrage so zu lösen, wie sie z.B. zwischen Griechenland und der Türkei 1923 gelöst wurde: Durch Aufnahme, Integration und gegenseitige Anerkennung. Allen Spannungen zum Trotz hat es jedenfalls zwischen diesen beiden Ländern nie wieder Krieg gegeben und es gibt heute keine Flüchtlingsfrage mehr.
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Moin.
Der Artikel geht in die richtige Richtung, wird allerdings nicht verändern. Der Hauptanteil der derzeitigen Unterstützung der Palästinenser durch die arabischen Nachbarn geht direkt an Organisationen wie Hamas und Islamischer Djihad. Für die arabische Welt ist Palästina die Front im Djihad gegen die Juden und diese Front muss unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Denn nur solange die Palis unter ihrem selbst auferlegten Djihad gegen die Juden leiden, nur solange können die restlichen arabischen Regime Israel für alles die Schuld gegen und von ihren eigenen korrupten Machenschaften ablenken. Folglich wird’s auch keinen solchen Plan in naher Zukunft geben.