Türkei gen Westen?
Die EU hat, wie bekannt, vor ein paar Tagen Beitrittsgespräche mit der Türkei aufgenommen. Frühestens 2014 könnte das Land dann Mitglied der EU sein. Meine persönliche Meinung zu einem EU-Beitritt der Türkei: Ich halte ihn grundsätzlich für wünschenswert und würde es der Türkei gönnen, wenn der bereits von Generationen von türkischen Intellektuellen vorgezeichnete Weg gen Westen eines Tages in den Eintritt der Türkei in die europäische Völkerfamilie münden würde.
Was ich jedoch nicht billige, ist die Haltung der türkischen Regierung, jegliche Vorbehalte gegen einen EU-Beitritt der Türkei als Verschwörung eines Christenclubs zu verdammen, während gleichzeitig z.B. 60% der Bevölkerung in der Türkei offen ihren Hass gegen die jüdische Minderheit kundtun. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 15. Feb. 2004, dass einer Umfrage zufolge 61,9% der türkischen Befragten keinen Juden als Nachbarn haben möchten (zum Vergleich: EU-Durchschnitt 8,3%; s. auch hier und hier). Die ständige Opferpose verträgt sich nicht mit solch einer Haltung gegenüber einer Minderheit im eigenen Lande. Ebenso unverträglich ist der Wunsch, zu Europa gehören zu wollen mit der Weigerung einer (wie ich vermute:) Mehrheit derselben Bevölkerung, Mischehen einzugehen, nach dem Motto: “Wir sind Europäer, aber wir werden es niemals dulden, wenn unsere Tochter einen Deutschen nach Hause bringt!” Und wenn, dann eben nur, wenn der Deutsche zum Islam übertritt. Eine solche Mentalität ist schlicht schizophren. Leider gibt es hierzu keine verlässlichen Zahlen. Das Essener Zentrum für Türkeistudien beispielsweise hat nur solche Umfragen im Angebot, die den Prozess der Integration vor allem als Aufgabe auf deutscher und europäischer Seite zu belegen scheinen.
Der Türkeikenner Günter Seufert zitiert in seinem Werk “Café Istanbul” (ein Extrakt seiner Habilitationsarbeit) eine Umfrage aus der Stadt Konya, nach der sich z.B. 64,4% der Befragten für ein Verbot des Minirockes aussprachen. Hierin zeigt sich das problematische Verhältnis zum Staat, und zwar sowohl unter Traditionalisten wie auch unter Säkularisten gleichermassen, neigen doch beide dazu, über staatliche Verbote der Bevölkerung eine von oben verordnete Sittlichkeit aufzuzwingen. “In den Forderungen nach Ge- und Verboten zeigt sich der Wunsch beider Lager nach Einheitlichkeit der Gesellschaft und die Überzeugung, dass diese nur über die Macht der zentralen Autirität zu regulieren sei”, schreibt Seufert (S. 54-55).
Pro und Contra: Ein demographisches und wirtschaftliches Problem sieht der prowestliche Schriftsteller und Zeitkritiker Leon de Winter, wenn die Türkei zum jetzigen Zeitpunkt beiträte; Michael Rubin vom American Enterprise Institute (AEI) wiederum befürwortet eine Aufnahme der Türkei in die EU trotz erheblicher Vorbehalte: “While Europe should not treat Turkey unfairly, neither should the AKP. It would be a historical tragedy if one party’s fumbles undercut the Turkish dream.”
Typisch für die Debatte ist, dass Befürworter wie Gegner eines Beitritts die Werteaffinität der türkischen Gesellschaft leider allzu selten ins Feld führen.
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[...] zustimmten, während es in den EU-Ländern gerade einmal 8,3% der Befragten waren (s. auch hier). Die Türkei mag ein Verbündeter Israels sein, ein Fre [...]
[...] darf es sich eben nicht zugleich von deren Bevölkerung abschotten. Nicht zum ersten Mal plädiere ich deswegen dafür, die Werte der türkischen Gese [...]
Verheugen und ich werden den Türkeibeitritt wie zwei
Sonnenkönige in Frankreich gegen die Resistance doch
etwas beschleunigen, so dass ein Vollbeitritt vor 2010
ins Haus steht. Nun zu einem weitgehend unbeachteten
Türkei-Thema:
Der Aufkauf der türkischen islamistischen TGRT Medien durch den Aussie-Presse-RasPutin R. Murdoch wird nicht nur im Kosovo und Bosnien oder
der Herzegowina sondern vor
allem der Regierung Erdogan
in der Türkei selber schwer im Magen liegen
und als neokonservatives Bollwerk der Evangelikalen gegen den islamischen Faschismus auftretende australische Politische Bildung oder U.S./U.K.-eingebettete politische Unterweisung den Muslimen noch viel zu schaffen machen?