Ein Referendum über das Regime? (6)
Die FAZ berichtet über die Choreographie in Khameneis inszenierter Demokratie:
Schon nach dem ersten Wahlgang wollte Rafsandschani aufgeben. Zwei Tage nach der Wahl habe er dem religiösen Führer Chamenei angeboten, in der Stichwahl nicht gegen den radikalen Herausforderer Mahmud Ahmadineschad anzutreten, hieß es in der vergangenen Woche aus Rafsandschanis Umgebung. Seinen Wunsch begründete er damit, daß er der straffen Organisation Ahmadineschads nichts entgegenzusetzen habe. Unnachgiebig habe Chamenei aber Rafsandschani aufgefordert, sich der Stichwahl und der bitteren Niederlage zu stellen.
Als Wahlverlierer stösst er in dasselbe Horn wie der zuvor abgeschlagene Karrubi:
Rafsandschani sagte, das Regime habe alle legalen und illegalen Mittel eingesetzt, um einen Wahlausgang zugunsten Ahmadineschads herbeizuführen. Es habe keinen Wert, dagegen zu klagen, denn die Justiz habe schon gezeigt, daß sie nichts tun wolle oder könne.
Der Wolf frisst Kreide. Exiliranische Kreise sehen den offensichtlichen Wahlbetrug des Regimes dennoch positiv:
–––Führende Exil-Iraner in den Vereinigten Staaten erwarten ein islamistisches Strohfeuer. Der Sieg der Konservativen beschere dem Land kurzfristig „schwere Zeiten”, sagen Vertreter der bis zu 600.000 in den Vereinigten Staaten lebenden Perser. Der „moderate Taliban” Ahmadineschad werde aber die Opposition derart beflügeln und den Druck von Außen so erhöhen, dass seine Regierung letztlich der Islamischen Republik den Todesstoß versetzen werde, glauben sie.

