Der islamische Methusalem
Die demographische Entwicklung in der islamischen Welt hat nicht nur eine, sondern zwei Seiten. Über die eine ist viel geschrieben worden: “Europa”, so sagt der britische Islamwissenschaftler Bernard Lewis (und mit ihm viele andere), “wird am Ende des Jahrhunderts islamisch sein”. Die Geburtenrate der Einwanderer aus islamischen Ländern wird die autochthone Bevölkerung Europas demnach in absehbarer Zeit zu einer Minderheit in ihren eigenen Ländern machen. Auf die andere Seite der Demographie macht ein Artikel in der “Asia Times” aufmerksam. Nicht nur, dass in der islamischen Welt ebenso wie in Europa die Geburtenrate rückläufig ist - sie bringt dort auch tiefgreifendere Probleme hevor, als in den entwickelten Industrienationen:
It is hard enough for rich nations to care for a growing elderly population, but impossible for poor nations to do so. Iran, along with most of the Muslim world, faces a population bust that will raise the proportion of dependent elderly in the population to 28% in 2050, from just 7% today. If America faces discomfort, and Europe faces crisis, Muslim countries face breakdown.
Der Autor sieht hierin eine wesentliche Ursache für den Aufstieg des islamischen Radikalismus:
Negotiating the demographic decline of the 21st century will be treacherous for countries that have proven their capacity to innovate and grow. For the Islamic world, it will be impossible. That is the root cause of Islamic radicalism, and there is nothing that the West can do to change it.
Augenscheinlich gibt es einen Zusammenhang zwischen einer sinkenden Analphabetenrate und dem Rückgang der Geburtenziffer. Da die zunehmende Alphabetisierung allerdings nicht mit einer wirtschaftlichen Entwicklung einhergeht, so argumentiert der Autor, kann die mit ihr einhergehende Vergreisung gesellschaftlich nicht aufgefangen werden. Radikale Stimmungen sind das Ergebnis.
Es wird noch zu klären sein, inwieweit das Datenmaterial andere Auffassungen bestätigt oder ergänzt, nach denen der islamische Radikalismus vor allem als Problem der Geschlechtersegregation zu sehen ist. Klar ist, dass ein Zusammenhang zwischen Alphabetisierung und Geburtenrate die These, wie Lewis sie formuliert, in Frage stellt (Widerspruch gibt es auch hier).
Ich muss gestehen, mir noch keine abschliessende Meinung über diese Gedankenführung gemacht zu haben. Lesenswert ist der Artikel jedoch allemal. Eine Fortsetzung wird sich dem “Islamic response” widmen.
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