Schneller Abzug nicht erwünscht

Friday, December 9, 2005
By Michael Kreutz

In Basra, berichtet die FAZ, kritisieren die Menschen an den Koalitionstruppen, dass sie sich mehr um ihre eigene Sicherheit als um die der Stadt kümmern. Ausserdem, so lautet der Vorwurf, haben sie es zugelassen, dass die Stadt von Milizen kontrolliert wird. Wollen die Menschen also einen schnellen Rückzug der ausländischen Truppen? Offensichtlich ist gerade das aber nicht der Fall:

Einen schnellen Rückzug der Briten fordert dennoch kaum jemand. “95 Prozent der Leute in Basra wollen, daß die Koalitionstruppen bleiben, um beim Wiederaufbau des Landes zu helfen. Sie trauen sich nur nicht, das offen zu sagen, weil sie um ihr Leben fürchten”, sagt Hatem al Bachary, der in Basra zwei Zeitungen herausgibt und bei der Parlamentswahl in einer Woche für Ijad Allawis Partei kandidiert. Ein irakischer Journalist hätte sogar nichts dagegen, daß der Rückzug noch einige Jahrzehnte auf sich warten läßt. Selbst der “Oberste Rat für die Islamische Revolution im Irak” (Sciri), der Amerika früher als den “großen Satan” verdammt hat, sieht das ähnlich. Sciri hat in Basra bei den Kommunalwahlen die meisten Stimmen gewonnen und gehört der in Bagdad regierenden Schiiten-Allianz an. “Ein Abzug zum jetzigen Zeitpunkt wäre keine weise Entscheidung. Es ist wichtig, daß sie hier sind, denn wir brauchen ihre Unterstützung, auch wenn sie nicht auf ewig bleiben sollten”, sagt Furat Muhsin al Shira. Der Mann mit schwarzem Bart und schwarzem Turban führt Sciri in Basra an (…) (Ganz weg von hier/ Von Hans-Christian Rössler, FAZ, 8. Dez. 2005, S. 3)

Wie war das noch mit der Umfrage, nach der 82% der Iraker “strikt gegen die präsenz westlicher Streitkräfte” sein sollen? Wir erinnern uns: Die Umfrage war vom britischen Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben worden und wird bis heute unter Verschluss gehalten. Der Sunday Telegraph hat dann aus Teile daraus unautorisiert veröffentlicht (s. auch hier). Und nun das! Wenn sogar der von Teheran finanzierte, anti-westliche Sciri gegen einen baldigen Abzug der Koalitionstruppen ist, dann fragt man sich, wie die Ergebnisse der Umfrage zustande gekommen sein mögen.

Und dafür gibt es eine mögliche Erklärung: Denn durchgeführt wurde die Umfrage von einer irakischen Universität. Gerade die Universitäten aber, so derselbe Artikel, werden zunehmend zum Aufmarschort für militante Islamisten. Mittlerweile müssen Studenten bei manchen Veranstaltungen schon von der Polizei geschützt werden; acht Professoren sind innerhalb von nur zwei Monaten ermordet worden. Sollten hier islamistisch gesinnte Forscher die Umfrage in ihrem Sinne maipuliert haben?

Die Anwesenheit der Koalitionstruppen ist jedenfalls nicht nur notwendig, sie ist offenbar auch erwünscht. Man wird sehen, ob weitere Umfragen dieses Bild bestätigen.

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