Die Flagge der rot-grünen Hoffnung
Müssen sich die Iraner für ihren Präsidenten Ahmadi-Nejad schämen? Eine exiliranische Stimme bringt endlich das zum Ausdruck, was zu hören wir uns so lange gewünscht haben. Die Filmwissenschaftlerin Nasrin Amirsedghi meint:
Ich auf gar keinen Fall! Stattdessen schäme ich mich für Europäer, die erst nach seiner öffentlichen Ankündigung dessen, was im Iran bereits seit 1975 laut gedacht wird, eine überfällige Debatte über die Feindseligkeit des iranischen Regimes beginnen. Dabei haben sie weggeschaut, während seit 25 Jahren ein Volk und dessen Kultur als Geisel genommen wird und täglich die Menschenrechte in brutalster Art und Weise im Namen des islamischen Gesetzes verachtet werden. Wo habt ihr euch in all diesen Jahren versteckt?
(…) Wenn jemand sich hier schämen muss, dann sind es Ajatollah Joschka Fischer und seine Kumpane (Iran- und Islamexperten wie u.a. Bahman Nirumand, Navid Kermani oder Katajun Amirpur), die seit geraumer Zeit mit der Flagge der “rotgrünen Hoffnung” groteskerweise das Gesäß der Mullahs im Iran mit Honig schmieren… (…) Sie sollen endlich kapieren, daß Khatami oder Ahmadinedschad gewählt werden, weil die demokratischen Kräfte nicht gewählt werden dürfen. Das müssen die Rambos in der politischen Arena Deutschlands und Europas endlich begreifen.
Besser und schöner kann man es nicht sagen! Zwar sind ihre Ausführungen über die Herkunft des Begriffes “Iran” ein wenig haarsträubend, aber wir wollen nicht beckmesserisch sein: In der Klarheit seines Standpunktes ist der Text brillant. Unbedingt in voller Länge lesen!
Dass in Deutschland der Glaube an eine Reformbewegung ungebrochen ist, ist zum Teil das Werk unserer Nahostexperten. Dank gebührt Frau Amirsedghi, dagegen ihre Stimme erhoben zu haben!
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Mein Interview mit Bahman Nirumand genau zu diesem Thema ist gerade heute erschienen auf Der Mainstream http://bettinaroehl.blogs.com/.....index.html
Liebe Herr Michael Kreutz,
Bevor ich Sie auf ein Heilmittel (s. u.) gegen Ihr „etwaiges!“ Haarsträuben hinweise, möchte ich mich ganz herzlich für Ihr Lob bedanken!
Weil wir hier mit einem schwierigen, wissenschaftlich etymologischen Begriff zu tun haben, ist es zur Heilung empfehlenswert, das nach zu lesen!
„Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v.Chr.
Jahanshah Derakhshani (Hg.)
1998 International Publications of Iranian Studies
ISBN Germany 3-933196-38-8, EUR 39,00 „
Liebe Frau Amirsedghi, danke für Ihren Hinweis. Tatsächlich findet sich der Begriff »Iran« schon bei den Achämeniden, später bei den Sassaniden als »Ērānšahr«, die damit direkt an die Achämeniden anknüpfen. Ferdowsi gebraucht in seinem Schahname allein 1070 Mal das Wort »Īrān« oder »īrānī«. (In der aktuellen Ausgabe der Kayhan (London) gibt es dazu einen Artikel von Sadraddin Elahi). Bei Nezami heisst es: »hame ʿālam tan ast, we Īrān del/ nīst gūyandeh zīn qiyās ḫaǧel.«
Mit dem Untergang der Sassaniden verschwand der Begriff »Iran«, bei den islamischen Geographen und Historiographen – Araber sowohl als auch Perser – geriet der Begriff ausser Gebrauch, bis ihn die mongolischen Īl-Ḫāne (ab dem 13.Jhd.) wieder einführten. Der Begriff hat eine wechselvolle Geschichte, aber er ist kein »willkürliches Umbenennungskonstrukt« der jüngeren Zeit.
-MK
Lieber Herr Kreutz
Ich bin mir Gewiss, daß es sich hier um ein großes Mißverständnis handelt. Es liegt an meiner kurzen Einleitung, die nur als Übergangspassage zum eigentlichen Gegenstand des Textes gedacht war und weshalb sie nicht vertieft wurde.
Hierbei ginge es mir nicht um die – selbstverständlichen – Nennungsanzahl des Wortes „Iran“ im „Shanname“ oder ähnliches, sondern um eine Anmerkung zum vorherigen Name nämlich „Persien“(1.), und die rass(istische) Intensionen (ohne historischen Bewußtsein!) der beiden Herren Reza Shah und Hitler beim Umbenennungsname des Landes 1935 und weshalb ich das als ein willkürliches politisches Konstrukt gemeint hatte.
Gerade im Sinne des „Ferdowsi“(2.) beharre ich auf „Perserin“ zu sein. Wie Sie es wissen sollen, wollte „Ferdowsi“ mit seinem Meisterwerk „Shahname“ (975-1010 mit fast 35 Jahren Schreibzeit) das kulturelle Erbe Persiens zu bewahren und die nationale persische Identität neu zu beleben.
Wie ich das schon mal angesprochen habe, kann man ein historisches Thema nicht in drei Zeilen abhandeln. Da wir hier mit einem Wirrwarr der (Iranischen) historischen Auslegung zu tun haben. Deshalb würde ich Sie gerne zu einem Mini-Historikerstreit mit einigen anderen relevanteren Kennern z.B. „Prof. Aramesh Dustdar“ (statt Mr. Sadraddin Elahi!) einladen.
Bis die Gelegenheit sich ergibt, stelle ich Ihnen als Anregung folgende Fragen:
1. Von welchem Iran sprach Ferdowsi damals in seinem Meisterwerk?
2. Von welchem Iran spreche ich heute?
3. Wie groß war der Iran damals?
4. Wie groß ist der Iran heute?
5. Worunter hat Ferdowsi damals gelitten?
6. Worunter leiden wir heute?
Mit besten Wünschen im Neuen Jahr
Ihre,
nasrin amirsedghi
PS.: Könnten Sie mir den berüchtigten Artikel von Mr. Sadreddin Elahi schicken. Den habe ich nämlich nicht gefunden!
(1.)Das alte Persien war Durchgangsland für viele Völker und wurde zu Beginn geschichtlicher Zeit von indoeuropäischen Stämmen in Besitz genommen, die als Meder und unter den Achaimeniden zur Formierung einer eigenständigen iranischen Identität beitrugen: Inschriften des Darios nennen um 500 v. Chr. den Namen „arya“ im Sinne einer Nation. Der Name Iran leitet sich später von sasanischen Wort „eran.šahr“ (= Reich der arya / Arier) (um 230 n. Chr.) ab. Die Ursprünge der Perser lassen sich erstmals auf die Zeit zwischen 1500 und 1000 v.Chr. datieren. Damals gab es eine Reihe herumziehender indoeuropäischer Stämme, die sich selbst als „Arier“ bezeichneten. Aus Richtung Nordosten kommend drangen sie über den Kaukasus in das iranische Hochplateau vor. Dort übernahmen sie die Herrschaft und nannten das Land Iran, was übersetzt „Land der Arier“ bedeutet. Zwei der wichtigsten Stämme dieser Volksgruppe waren die Perser und die Meder. Sie wurden erstmals im 9. Jahrhundert vor Christus von den benachbarten Assyrern erwähnt. Während die Meder in ihrer neuen Heimat blieben, zogen die Perser weiter in Richtung Nordosten in das Gebiet des Königreiches Elam. Dieses Gebiet war nach einer Auseinandersetzung Elams mit den Syrern sozusagen „herrenlos“ und wurde von ihnen in Besitz genommen. Dies geschah zu Beginn des siebenten vorchristlichen Jahrhunderts. Die erste persische Herrscherdynastie wurde von Achämenes gegründet und nach ihm die Achämeniden genannt. So existierten in der Zeit von 640 – 600 eigentlich zwei persische Reiche: das des Volkes der Perser und das der Müder.
(2.)Geb. zwischen 932 und 941, im Städtchen Bazh in der Nähe von Taberan, dem Hauptteil der alten Stadt Tus (heute Iran), das mit zum historischen Khorasan gehörte. Khorasan umfaßte die heutige iranische Provinz Khorasan und Teile von Afghanistan, Tajikistan, Turkmenistan und Uzbekistan.)
[...] er von vielen iranischen “Oppositionellen” nicht mehr sagen kann, deren Agenda Reform statt Regimewechsel lautet.
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