Noch mehr Geld für Afrika! (2)

Sunday, July 3, 2005
Von Michael Kreutz

In der “Welt am Sonntag” von heute gibt es einen schönen Artikel, der das Augenmerk auf den unheilvollen Protektionismus der entwickelten Länder und ihren Anteil an der Misere der armen Länder lenkt:

Denn wo eigene Arbeitsplätze anfangen, hört das Mitleid mit der Dritten Welt schnell auf. Und so subventionieren allein die USA ihre nur 2000 Baumwollfarmer mit drei bis vier Milliarden Euro im Jahr, um die Konkurrenz von außen zu bekämpfen. Die bauen daher viel zu viel an und drücken mit dem Überschuß die Weltmarktpreise. Obwohl die amerikanischen Produktionskosten eigentlich um 50 Prozent über denen in Staaten wie Burkina Faso, Mali, oder Benin liegen, können sie billiger anbieten als die Afrikaner und sind so die größten Baumwollexporteure der Welt. Allein das kostet die Entwicklungsländer jährlich 250 Millionen Dollar an Exporterlösen.

Auch die EU und Japan sind da nicht viel besser:

Wer allen Ernstes Reis nach Japan liefern wollte, müßte Zölle in Höhe von 1291 Prozent des Importpreises zahlen, auf Weizen lasten 547 Prozent. Kanada verdirbt mit seinen Staatshandelsgesellschaften die Weizenpreise am Weltmarkt, das Zuckerregime der Europäischen Union (EU) hätte es so auch problemlos in der Sowjetunion geben können. Von jedem Euro, den ein europäischer Bauer verdient, kommen 34 Cent aus Subventionen. In Japan, der Schweiz und Korea sind es 70, in den USA 18 Cent. Nach Berechnungen der Welthandelsorganisation (WTO) würde das Bruttosozialprodukt der Entwicklungsländer bei vollständiger Liberalisierung des Agrarhandels um bis zu 240 Milliarden Dollar steigen.

Diese wirtschaftliche Absurdität betrifft allerdings nicht nur den Import in die entwickelten Länder, sondern geht noch darüber hinaus:

Was die EU zuviel produziert, wirft sie übrigens zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt, allein 2004 rund sechs Millionen Tonnen. Auch dafür gibt es wieder Zuschüsse, weil der Europa-Zucker sonst gar nicht verkäuflich wäre. Dank des Überangebots sinkt dann auch noch der Weltmarktpreis, was die armen Agrarländer nochmals schädigt.

Die Ironie der Geschichte: Dieser Antiliberalismus wird von den Gegnern der Globalisierung ausgerechnet dem Kapitalismus (Chirac: “Ultralibéralisme”) aufs Konto gebucht.

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One Response to “Noch mehr Geld für Afrika! (2)”

  1. [...] lungshilfe arm macht, wurde auf diesem Blog schon mehrfach illustriert (nämlich hier, hier, hier, hier und vor allem hier). Hunger ist dabe [...]

    #1455

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