Innenansichten der Islamistenszene
Ein Interview mit dem Terrorismusexperten Petter Nesser, das Pierre Heumann für die Schweizer “Weltwoche” führte, macht deutlich, wie sehr Mohammed Bouyeri, der Mörder van Goghs, in das Schema eines gehirngewaschenen Attentäters passt. Zur Erinnerung: Bouyeri galt als integriert, besass einen hollandischen Schulabschluss und engagierte sich im örtlichen Bezirksamt. Als man nach dem Attentat seine Wohnung durchsuchte, fand man “Massen an islamistischem Material”.
Wie sieht denn das typische Profil der Terroristen aus?
Sie stammen entweder aus Familien, deren Väter oder Grossväter aus Nordafrika nach Europa gekommen waren, oder es sind legale, oft auch illegale Immigranten, die vor den Regimes in ihrer Heimat geflohen sind. (…) Nur wenige der europäischen Dschihadisten entsprechen dem Klischee, das man sich gemeinhin von islamischen Fundamentalisten macht.
Ein Bartträger in traditionellen islamischen Kleidern, der keinen Alkohol trinkt und keine Freundin hat…
…genau. Nach dem Terroranschlag können es Freunde und Familienangehörige deshalb oft nicht glauben, dass ihr Freund oder Sohn ein heiliger Krieger sei.
Die meisten werden in Europa rekrutiert?
Ja. Typischerweise handelt es sich bei den Kandidaten um junge entfremdete Immigranten aus Nordafrika oder dem Mittleren Osten, die in Europa «neugeborene» Muslime werden und von sich aus die Nähe zur radikalislamischen Lehre suchen. Sie gehen in radikale Moscheen oder schliessen sich radikalen Gruppen an, lernen sich in Gefängnissen kennen. Die Rekrutierung wird also nicht von oben gelenkt, sondern erfolgt nach dem Prinzip «ein Freund bringt einen Freund». In Einwandererklubs, Kaffeehäusern oder Moscheen zeigt man den «Bekehrten» Filme mit Grausamkeiten, die der Westen gegenüber Muslimen ausführt, man zeigt ihnen Videos mit Brandreden von prominenten Scheichs gegen den Westen. So findet sich der Terror-Kandidat schnell in einem isolierten Milieu, in dem sich eine Gruppendynamik entwickelt. Von ihrer bisherigen Umgebung sind sie losgelöst…
Vor allem aber bestätigt dies: Persönlich empfundene Verzweiflung über eine politische Situation ist zumindest kein hinreichendes Motiv für einen terroristischen Akt. Jetzt hat sich auch herausgestellt, dass wenigstens drei der vier Attentäter von London pakistanischer Herkunft waren. Und nicht etwa aus dem Irak oder Afghanistan stammen, wie mancher Kommentator es wohl gerne hätte.
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[...] eagiere und als solche verantwortlich zu machen sei. Freilich führen die Erkenntnisse der Terrorismusforschung zu einer anderen Schlussf [...]
[...] eagiere und als solche verantwortlich zu machen sei. Freilich führen die Erkenntnisse der Terrorismusforschung zu einer anderen Schlussf [...]