Der Irrweg des Dialogs
Dass der Dialog mit dem Islam nur in eine Sackgasse führt, wird von mir schon seit langem kritisiert. Denn mit denjenigen Muslimen, die die westlichen Werte teilen, braucht man keinen Dialog zu führen. Und mit den Extremisten kann man ihn nicht führen. Ausgerechnet in der linken Jungle World (gefunden bei Wadinet) findet sich nun ein Kommentar, der diesen Irrweg des Dialogs wunderbar aufs Korn nimmt:
Bereits in seiner Rede vor dem Kongress am 20. September 2001 bezeichnete Bush al-Qaida als »eine Randbewegung, die die friedlichen Lehren des Islam pervertiert«. Dieser Sprachregelung haben sich die europäischen und fast alle islamischen Regierungen, aber auch große Teile der Linken angeschlossen. Die Schlussfolgerung ist fast immer, dass der Dialog mit »dem Islam« verstärkt geführt werden müsse, um den Terror zu bekämpfen. Bush und seine Kritiker glauben gleichermaßen, dass in islamischen Ländern lebende Menschen vor allem als Muslime angesprochen werden wollen.
Nicht eine Reform des Islam auf theologischer Grundlage, sondern eine Säkularisierung der Gesellschaft, die die Religion weitestgehend auf das Private beschränkt und sie nicht für sakrosankt erklärt, wird dem Islamismus das Wasser abgraben.
Träger eines Demokratisierungsprozesses kann die muslimische Geistlichkeit ebenso wenig sein wie die irgendeiner anderen Religion. Eine Politik, die Menschen dazu anhält, auf eine Fatwa zu hören, statt sie zu ermutigen, sich selbst eine Meinung zu bilden, stärkt autoritäre Strukturen. (…)
Die Ansprechpartner für den Dialog mit »dem Islam« müssten eigentlich jene sein, die ein elementares Interesse daran haben, den islamistischen Terror zu beenden: die Frauen im afghanischen Herat, die ihre Burka als Tarnung benutzen, wenn sie sich mit ihren Liebhabern im Park treffen, die von ba’athistischen Killern bedrohten Gewerkschafter im Irak und die saudischen Jugendlichen, die die Hauswände Jeddahs mit Hip-Hop-Parolen verzieren. (…)
Und hier wird endlich einmal genau das gesagt, was ich immer zu lesen hoffte:
In einem Kampf, der nicht zuletzt eine Auseinandersetzung um Werte und Lebenweisen ist, sollte es für Liberale eigentlich nahe liegen, jene »westliche Dekadenz« der freien Partnerwahl und der Popkultur zu fördern, die die Islamisten so fürchten: Kondome für Kabul, Gitarren für Gaza, Bier für Bagdad.
Die Aneignnung von Werten und Lebensweisen, nicht eine Neuinterpretation des Koran - das ist es, worauf es ankommt.
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[...] -tonowhere“ schenken. Bassam Tibi im Tagesspiegel, 27.08.2006. — Siehe auch: • Der Irrweg des Dialogs, 5. Aug. 2005, • Katzbuckeleien, 30. [...]