Ein Referendum über das Regime? (2)

Thursday, June 16, 2005
Von Michael Kreutz

Die WELT von heute schildert in einem bemerkenswerten Artikel die Haltung eines Grossteils der jungen Generation im Iran gegenüber dem Regime und gegenüber Amerika:

Es ist schwierig, Länder zu finden, in denen die Jugend begeistert und ungehemmt für die USA des George W. Bush schwärmt. Ein solches Land gibt es. Es ist dasselbe, in dem jedem Freitag der Ruf “Tod Amerika” aus den Moscheen schallt: Iran.

Wer den Iran kennt, wird das nicht weiter überraschend finden. Aber in den deutschen Medien finden sich solche Erkenntnisse nur sehr selten.

Sehr viele scheinen der Meinung zu sein, daß ein von den USA aktiv unterstützter innerer Zusammenbruch des Systems eine gute Sache wäre.

Damit steht die iranische Bevölkerung, oder zumindest ein grosser Teil, im offenen Widerspruch zur herrschenden Meinung in Europa. Wie sehr sich die Bevölkerung schon lange vom kruden Wertesystem der Machthaber entfremdet hat, zeigt die Äusserung einer Studentin:

In der Sicherheit einer Teheraner Privatwohnung meint eine Studentin namens Farisa, daß nichts weniger als eine amerikanische Invasion nötig ist, um das Land zu retten. “Ich hoffe, sie greifen uns bald an”, sagt sie, und schüttelt unzufrieden den Kopf, als andere ihr erklären, daß das mächtige Amerika dafür nicht genug Soldaten hat. Ihr geht es darum, als Frau frei leben zu können: “Wenn ich nicht gleich heiraten will, sondern erst mal mehrere Männer ausprobieren, dann habe ich in diesem Land Pech gehabt”, sagt sie.

Weitere Berichte aus dem Paralleluniversum der iranischen Jugend gibt es hier und hier.

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