Glückliche Märtyrer

By Michael Kreutz · August 10, 2005

In der “Welt” von heute finde sich ein aufschlussreiches Interview mit einem islamistischen Radikalen namens Hassan Butt über Selbstmordattentate und sein Verhältnis zur westlichen Welt (1. Teil hier).

Über den Zusammenhang von Selbtmordattentaten und gesellschaftlicher Benachteiligung:

–Hat die Zunahme des Extremismus unter den britischen Moslems mit wirtschaftlicher Benachteiligung zu tun?

Butt:Ich denke, das ist ein Mythos, der von den sogenannten gemäßigten Moslems propagiert wird. Denken Sie an die 19 Flugzeugentführer des 11. September: Hatte ein einziger von ihnen keinen Hochschulabschluß? Mohammed Atta etwa war ein hochtalentierter Ingenieur (in Wirklichkeit war er Architekt und Städteplaner, Anm. des Verfassers). Diese Leute sind nicht sozial benachteiligt oder ungebildet, sie stellen die Spitze der Gesellschaft dar.

Warum Märtytertum nicht der Verzweiflung über die Zustände entspringt:

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Selbstmord und Märtyrertum. Der Selbstmord hat mit Unzufriedenheit zu tun, mit Depression. All das sind diese Menschen, auf die Sie anspielen, nicht. Sie verspüren einen Drang, bei Allah zu sein. Sie sind glücklich, wenn sie die Tat begehen.

–Welche psychologische Stärke oder Konstitution braucht man, um ein Märtyrer zu sein?

Butt: Man muß mit sich selbst im Frieden sein und diese spezielle Einsicht haben. Omar Sheikh (der Absolvent der London School of Economics, der den Journalisten Daniel Pearl ermordete, Anm. des Verfassers) ist einer der wenigen britischen Moslems, die diese Stufe erreicht haben. Ich denke, Mohammad Hanif und Omar Sharif (die zwei britischen Moslems, die 2003 als Selbstmordattentäter nach Israel reisten, Anm. des Verfassers) sind ebenfalls auf dieser Stufe angelangt. Haben Sie das Video gesehen, das die Hamas von den beiden veröffentlicht hat? Sie wirken so glücklich. Ich sitze hier deprimiert, frustriert und sehe sie, wie sie so glücklich sind und so im Frieden mit dem, was sie tun werden.

Über den Traum, die USA zu vernichten:

–Der Feind, gegen den Sie sich am Ende wenden würden, wären die USA, oder?

Butt: Ja. Vielleicht wird Amerika noch zu meinen Lebzeiten vernichtet. Aber vielleicht gibt es für mich eine vollkommen andere Aufgabe.

–Glauben Sie, daß es dort weitere Anschläge geben wird?

Butt: Auf jeden Fall. Wie es so schön heißt: Man muß dem Teufel den Kopf abschlagen. Amerika ist der Kopf, Großbritannien einer seiner Arme. Wenn man einen Arm abschlägt, hat das keinen großen Effekt, wenn man den Kopf abschlägt, schon.

Und welche Gesellschaftsordnung von Extremisten zu erwarten ist, die das Märtyrertum propagieren:

–Eine große Frage: Wie sieht ihre Vision einer globalen Ordnung aus? Wie würden Sie die Welt neu gestalten?

Butt: Die großen Umbrüche werde ich wohl nicht mehr erleben. Vor 1400 Jahren gab es einen kleinen Stadtstaat namens Medina, und innerhalb von zehn Jahren hatte der Islam sich unter dem Propheten nach Ägypten und bis nach Persien verbreitet. Ich kann keinen Grund sehen, warum das Banner des Islam nicht auch eines Tages über dem Rest der Welt, sogar über dem Weiße Haus und Nummer 10 Downing Street, wehen sollte.

Auf die Frage, ob viele Menschen dafür sterben müssen, antwortet er: “Das läßt sich nicht vermeiden.”

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