Mythos Reformbewegung

Monday, August 15, 2005
By Michael Kreutz

Wer sich mit den Befindlichkeiten der iranischen Gesellschaft befasst, wird schnell gewahr, was die grosse Mehrheit von der Reformbewegung (für die v.a. die Namen Khatami und Moeen stehen) hält: Rein gar nichts. Denn eine Reform auf dogmatischer Grundlage kann es nicht geben. Wer im Iran das nicht glauben wollte und seinerzeit für Khatami gestimmt hatte, wurde bald eines Besseren belehrt. Die Indifferenz der Menschen gegenüber den jüngsten Wahlen hat deutlich gemacht, wie gross die Resignation ist und wie gering die Hoffnung, Freiheiten innerhalb des Systems erwirken zu können.

Eine, die das bis auf den heutigen Tag nicht wahrhaben will, ist die als Nahostexpertin gehandelte Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur, die als deutsches Sprachrohr der mittlerweile völlig bedeutungslosen iranischen Reformbewegung sich alle Mühe gibt, in den deutschen Medien den Glauben an eine Reformierbarkeit des Regimes aufrechtzuerhalten. Zum Amtsantritt des neuen Präsidenten Ahmadi-Nejad schreibt sie in der Frankfurter Rundschau:

Ist dies das Ende der iranischen Reformbewegung, fragen sich in diesen Tagen Iraner und ausländische Beobachter.

Fragt sich Frau Amirpur. Der inhaftierte Dissident Akbar Gandji, den sie als Kronzeugen für die Unbeugsamkeit der Reformbewegung anführt, hat in Wahrheit schon längst mit dem Regime gebrochen (weswegen er schliesslich inhaftiert wurde). So schreibt er z.B. in einem Brief an den Reformtheologen Abdolkarim Sorusch:

All the freedom loving and justice seeking Iranian democrats should move hand in hand and form the movement of liberation of our country from the coil of sultanism.

Das klingt eher nach Umsturz als nach Reform. Und das weiss auch Frau Amirpur, wenn sie sagt:

Die Politik der Konservativen, die eine Reform der Islamischen Republik scheitern ließen, hat dazu geführt, dass sich die Menschen in Scharen von diesem System abwenden

es aber wohl nicht so meint. Denn den Glauben an eine Reform kann ihr das nicht nehmen. Schliesslich glaubt sie auch, dass die Wahl Ahmadi-Nejads authentischer Ausdruck des Wählerwillens sei.

In seinem “Republikanischen Manifest” bezeichnet der von ihr zitierte Gandji dagegen das Regime als das was es ist: Ein totalitäres. Und er ruft die Menschen dazu auf, sich dagegen zu stellen:

If the struggle against totalitarianism in order to establish an open society and a democratic system is just, then even if all the people of a country happen to be in favor of a tyrannical system or indifferent to its existence, a freedom-loving democrat still has the right (nay, the duty) to stand against such a system, alone and by himself.

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2 Responses to “Mythos Reformbewegung”

  1. [...] dpunktes ist der Text brillant. Unbedingt in voller Länge lesen! Dass in Deutschland der Glaube an eine Reformbewegung ungebrochen ist, ist zum Teil [...]

    #331
  2. [...] . Diese gefährliche Illusion, der gerade Intellektuell erlegen sind, wird auf diesem Blog unermüdlich kritisiert. Denn wozu hat das Bemühen um &# [...]

    #7145

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