Dritte Welt und Gesundheit
Wealthier is healthier. Warum auch in Afrika mehr Marktwirtschaft zu besserer Gesundheitsversorgung führt, erklärt Richard Feachem in einem Interview mit der “Welt”. Feachem ist Direktor des “Global Fund” zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, der 2002 von Kofi Annan und den G-8-Staaten ins Leben gerufen wurde:
DIE WELT: Der Global Fund hat sich der Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose verschrieben. Muß man ein Optimist sein, um sich dieser Aufgabe zu stellen?
Richard Feachem: Natürlich, aber es ist nicht allein Optimismus. Es sind auch die Erfolge, die unser Bestreben stärken. Zum Beispiel hat sich gerade in der Aids-Therapie sehr viel getan: Vor zehn Jahren hätte man sich kaum vorstellen können, daß heute zwei Pillen pro Tag genügen, wo Patienten zuvor 30 schlucken mußten. Überdies sanken die Kosten in Entwicklungsländern von jährlich 10 000 Dollar pro Patient auf 150 Dollar. Neben dem dramatischen Zuwachs an HIV-Infizierten gibt es also auch enorme Fortschritte. (…)
Die Entwicklung ist noch sehr teuer, aber im Moment verschiebt sich der Pharma- und Biotech-Bereich von Nordamerika und Europa nach Asien, wie es zuvor ähnlich in der IT-Branche geschehen ist. Die Globalisierung bringt Bewegung in den Markt, erhöht die Konkurrenz und senkt so hoffentlich auch die Kosten für neue Wirkstoffe. (…)
Auch in den reichen Industrienationen wächst die Zahl der HIV-Infizierten, und es gibt keine Heilung – Aids-Patienten sind ein Leben lang auf die Therapie angewiesen. Auf diese Weise motiviert der zu erwartende Profit die Pharmaunternehmen, neue und bessere Medikamente zu suchen. Entwicklungsländer können davon profitieren, weil sie die Wirkstoffe zu günstigen Preisen erhalten.
DIE WELT: Auf Malaria läßt sich dieses Modell nicht übertragen . . .
Feachem: Ja, abgesehen von ein paar Soldaten oder Touristen, bekommen Reiche keine Malaria, es ist eine Seuche der Armen. Jährlich sterben in Entwicklungsländern eine Millionen Menschen daran, 90 Prozent der Toten sind Kinder unter fünf Jahren. Um sie zu retten, kann der Global Fund, der weltweit größte Käufer von Antimalariamitteln, einen Markt schaffen und das Interesse der Industrie schüren. Für mich ist das “global cooperate citizenship” zu dem ich Pharmakonzerne aufrufe.
Roger Bate vom American Enterprise Institute macht deutlich, inwiefern die Misere in Afrika ihre Ursache auch in westlicher Entwicklungshilfe hat:
It is well established that “wealthier is healthier,” and hence priorities for African nations must be on economic growth. Fortunately, there is a new breed of African business leaders, politicians and opinion formers. Just prior to the recent G8 summit, businessmen met in London for the Business Action for Africa summit. Pascal Dozie, chief executive of Nigeria’s Diamond Bank said “[t]he key to eradicate poverty is wealth creation, and you can only create wealth through the private sector through investment and job creation . . . . But to thrive, Africa’s private sector needs help to grow.”
–––In South Africa, Zambia, Uganda, Kenya and Mozambique there are domestic health experts who, emboldened by health allies in the west, are prepared to stand up to the overseas donors and health authorities and demand health interventions that work. For much of the past 20 years they had to follow donor demands, which were often based on inappropriate western green (anti-insecticide) or anti-corporate (not using brand names drugs) ideologies rather than the most effective policies.

