Klarstellung II
In meinem Beitrag “Ich verbeuge mich vor Muhammad…” habe ich Berichte türkischer Medien, der Siegener Theologe Thomas Naumann habe sich in diesem Sinne geäußert, für bare Münze genommen. Die Berichte beruhen auf einer verfälschenden Übersetzung einer Studentin von Prof. Naumann, der er im guten Glauben den Text zur Verfügung gestellt hat. Ich hätte dieser Sache nachgehen müssen. Die nun als PDF Datei vorliegende Rede enthält das betreffende Zitat nicht, ebensowenig andere Äußerungen die als Unterwerfungsgesten gedeutet werden können.
Ein Beispiel. Naumann referiert Hegel (S. 9 von 12) als Beispiel für das durch die Aufklärung veränderte Bild des Islam in Europa:
An anderer Stelle urteile er über die weltgeschichtliche Rolle des Islam, in dem er eine Verbindung zwischen dem Islam und der Französischen Revolution herstellt. Wie diese war der Islam ursprünglich “die reinigende Revolution des Orients”. Doch das Feuer des Fanatismus ist nun verbraucht und in lasterhafte Sinnnlichkeit umgeschlagen.
Tuğba Aktaş schreibt jedoch am Endes ihres Artikels vom 28.8.2006 in Yeni Asya:
Son olarak, Felsefeci Friedrich Wilhelm Hegel’in ifadesi ile, İslâm, çölü temizledi (reinigende revolution des orients). Hz. Muhammed insanlığa insanlığı öğretti, medeniyeti getirdi. İşte o Muhammed’in karşısında huzurunuzda saygı ile eğiliyorum.
Sie suggeriert damit, es handele sich um das Fazit der Rede:
Zu guter Letzt hat Muhammad, um mit Hegel zu sprechen, die Wüste gereinigt. Der erhebene Muhammad hat der Menschheit die Menschlichkeit gebracht. Deshalb verneige ich mich in Ihrer Gegenwart ehrfürchtig vor ihm.
Ich entschuldige mich daher bei Professor Naumann, da ich den türkischen Bericht als Aufhänger darüber hätte verwenden müssen, wie sehr islamistische Medien Äußerungen entstellen, nicht hingegen als Quelle für seine Auffassungen.
— Nachtrag —
Zumal mir selbst ähnliches passiert ist: Türkischkundige mögen das hier mit dem da (PDF S. 5) vergleichen.

>Die Berichte [beruhen] auf einer verfälschenden Übersetzung einer Studentin von Prof. Nauman[n]. (Riexinger)
>Versuchen Sie sich einen Moment vorzustellen, was es z.B. für eine muslimische Studentin an unserer Universität bedeutet, wenn ihr mit großer Selbstverständlichkeit in Siegen gesagt wird: deine Religion ist die Erfindung eines Lügners und im Kern gewalttätig, sie ist verantwortlich für den Terrorismus und auch sonst für alles, was sich an Demokratiedefiziten, Frauenunterdrückung und Unterentwicklungen heute mit Recht in einigen arabischen Ländern namhaft machen lässt. (Prof. Naumann)
Die fragliche Studentin fühlte sich vielleicht gedemütigt?
Ich hoffe für Sie, Herr Dr. Riexinger, das ihre erste Nachricht nicht in einschlägigen blogs durchgehechelt wurde, denn dann haben Sie das Vergnügen, in diesen blogs auch Ihre Klarstellung durchzusetzen. Die Möglichkeit des plumpen Verfälschens müssen Sie immer als Annahme berücksichtigen. Glauben Sie nie etwas, was Sie nicht selbst überprüft haben. In dem Fall hätte das bedeutet. Sie hätten das Original des Vortrages sehen müssen. Wie kann man so leichtsinnig sein.
By the way.
Finde ich ihn nicht oder warum besprechen Sie nicht den arab human development report. Da finden sich genügend berechtigte Kritikpunkte.
Eine Stellungnahme zu Bernard Lewis neuestem Vortrag wäre auch ganz nett
RealClearPolitics
Articles – Bring Them Freedom, Or They Destroy Us
http://www.realclearpolitics.c.....y_des.html
[...] tikel ist nicht länger vom Verfasser autorisiert. Lesen Sie dazu seine Stellungnahmen (I, II). Ihre Kommentare zum Thema schreiben Sie bitte in das Komme [...]
@ Libero: Ich kenne Dr. Riexinger schon länger, und zwar nicht auf persönlich-freundschaftlicher, sondern fast ausschließlich auf der “Arbeitsebene” – aufgrund der gemeinsamen Beschäftigung mit Islamismus und gleichen politischen Zielen wie dem entschiedenen Eintreten gegen Antisemitismus und Antiamerikanismus und für Liberalismus.
Daher kann ich Ihnen versichern, dass es sich bei dieser Angelegenheit um einen überraschenden, fatalen Ausreißer handelte: Martin Riexinger ist an sich das Muster eines nüchternen, fairen, sachlichen Wissenschaftlers (und ist mir darin, als Journalistin, ein Vorbild). Kurzum, integrer geht es eigentlich nicht, gerade vor dem Hintergrund vieler von politischen Islamisten korrumpierter Islamwissenschaftler in Deutschland.
Insofern sind Ihre Ratschläge (”Glauben Sie nie etwas, was Sie nicht selbst überprüft haben”) in der anklingenden Totalität und süffisanten Herablassung nicht angebracht.
Ein Standpunkt, den ich mit Martin Riexinger teile, ist das Bedauern über das vielfach empörende intellektuelle Versagen gerade der Evangelischen Kirche im “Dialog mit dem Islam”.
Mein Fazit zu der ganzen Angelegenheit würde lauten: Ich traue evangelischen Theologen mittlerweile offenbar die größten Tollheiten zu. Vielleicht ging es Riexinger ähnlich, was seinen Fehler hoffentlich ein bisschen verständlicher macht.
Es war ein Fehler von Martin Riexinger, sich zu entschuldigen. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen.
@ Michael Kreutz:
Ich hoffe, Du hast recht. Diese Entschuldigung hat mich auch zutiefst geschmerzt: In dem Vortrag von Prof. Naumann mache ich als Nicht-Islamwissenschaftlerin ja schon eklatante Fehler aus. Zum Beispiel:
>Das noch gegenwärtig virulente Vorurteil, keine Religion lehne derart grundsätzlich Andersgläubige ab wie der Islam und mache einen echten Dialog über Kulturgrenzen hinweg unmöglich, hat weder Anhalt am theologischen System des Islam, trotz mancher sehr harten Aussagen gegen Ungläubige im Koran, noch hat es Anhalt an der historischen Realität der islamischen Expansion und imperialen Machtentfaltung in den islamisch geprägten Weltreichen.
“Anhalt” – hübsch.
Jedenfalls werden in diesem Zitat zwei Zeitebenen vermischt, Vergangenheit und Gegenwart, denn das “gegenwärtig virulente Vorurteil” gegenüber dem Islam bezieht sich m. E. vorwiegend auf letztere.
Zumindest würde ein Blick auf die gegenwärtige von Naumann behauptete “islamische Toleranz” gegenüber Christen ausreichen, um einem die Haare zu Berge stehen zu lassen: Aktuell gibt es in diversen vorwiegend islamischen Ländern regelmäßig staatliche Verhaftungen, pogromartige Ausschreitungen und Attacken einzelner Fanatiker gegen Christen. Der Bonner Theologe Thomas Schirrmacher hat solche Fälle gesammelt: http://www.wams.de/data/2006/02/12/844539.html
Dabei schlägt er keine antimuslimischen Töne an:
>Hilfreiche Partner [bei der Anprangerung von Unrecht an Christen in vorwiegend islamischen Ländern] sind [...]zahlreiche Muslime: Geistliche und Polizisten, die damit Widerstand leisten gegen die blutigen Exzesse im Namen ihres Gottes.
Ferner gibt Naumann die “Toleranz” des Islam gegenüber Christen und Juden m. E. geschönt wieder, nach dem sattsam bekannten gutmenschelnden Motto “Oh, wie schön war Andalusien…”
Hier eine etwas andere Sicht auf “Andalusien”:
http://www.weltwoche.ch/artike.....egoryID=73
Und “Libero”, das war doch der, der zum “Dialog” mit erklärten Islamisten wie Qaradawi aufrief?
Fordere hiermit zum “gesamtgesellschaftlichen Dialog” mit der NPD auf! Vielleicht greifen die künftig weniger Wahlkampfstände von demokratischen Parteien in Berlin an, wenn man sich mit ihnen in öffentlichen Diskussionsrunden trifft – der Evangelische Kirchentag oder Annabella Kiesbauer böten hierzu ein ausgezeichnetes Forum. :-/
… Arabella Kiesbauer, sorry… (bevor ich mir noch einen dieser ekeligen, herablassenden väterlichen Tadel von Libero einfange
Die Kiesbauer talkte kürzlich munter unter anderem mit Ali Kizilkaya, dem Vorsitzenden des
Islamrats in Deutschland – eines Dachverbands, der der türkisch-islamistischen Organisation “Milli Görüs” gelinde gesagt “nahe steht”. Kizilkaya war vor seinem Amtsantritt Pressesprecher von “Milli Görüs”, und ich fürchte, Arabella hat diesen Umstand entweder ignoriert oder nicht gewusst und war Kizilkaya auch ansonsten kaum gewachsen.
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=874889
Prof. Naumann seinerseits war 1999 zu Gast beim Islamrat:
http://www.islamrat.de/veranstaltungen.html