Vierzehn Jahre kritischer Dialog
14 Jahre kritischer Dialog*, das ist das Ergebnis: Der iranische Menschenrechtsaktivist Omid Abbass-Gholinezhad wurde von der Geheimpolizei verschleppt und ins Teheraner Evin-Gefängnis gesperrt. Seiner Frau wird das Besuchsrecht verweigert. In Aserbaidschan setzen die Behörden des Mullahstaates alles daran, dass es nicht noch einmal zu Unruhen kommt; vorsorglich wurden jetzt ein paar junge Freiheitsaktivisten festgenommen, darunter die 16-jährige Sina Madadi-Osalou, weil sie Flugblätter verteilt hatten. Auch ihnen wird Kontakt zu ihren Familien verwehrt. Dabei bleibt es nicht bei Festnahmen: Vor einigen Tagen wurden sechs Menschen im ostiranischen Zahedan zum Teil öffentlich gehenkt; in derselben Provinz Sistan-Baluchistan gab es Exekutionen in den Städten Iranshahr, Nazar-Ali Karimi und in Zabol, Gholam Kooh-kan; vier Todesurteile wurden in der ostiranischen Stadt Mashad (Provinz Khorasan) ausgesprochen. Ebenfalls in Khorasan wurde ein besonders drakonisches Urteil vollstreckt: Eine Augapfelamputation.

Ein kurdischer Menschenrechtsaktivist, der sich für die Rechte der Frauen eingesetzt hatte, wurde ausgepeitscht; am Mittwoch wurde ein 20-jähriger für ein Vergehen hingerichtet, das er als Kind verübt haben soll. Weniger hart trifft es diejenigen, die vom Regime dazu verurteilt werden, Gräber auszuheben. Eine solche Strafe wird ausgesprochen, wenn jemand es gewagt hat, das Fasten im Ramadan nicht zu befolgen. Mit diesen Gräbern wird das Regime auch etwas anzufangen wissen.
Willkommen in der Islamischen Republik Iran!
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* Der Terminus »Kritischer Dialog« wurde erstmals Ende 1992 zur Bezeichnung der Politik der EU gegenüber dem Iran verwandt. (Quelle)
Siehe auch:
• Die Mullahs, der Fussball und die Frauen, 2. Juni 2006,
• Help Nazanin, 2. September 2006,
• Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, 7. September 2006,
• Kulturrevolution im Iran, 19. September 2006.
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Comments
10 Responses to “Vierzehn Jahre kritischer Dialog”
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@MK
Wie glaubwürdig sind die Filmaufnahmen/Fotos?
Es verwundert jedenfalls etwas, dass sich die Image bewussten Mullahs ausgerechnet beim Exekutieren der bestialischsten Körperstrafe über die Schulter schauen lassen.
Vielleicht ein Fake, vielleicht eine heimlich gemachte Aufnahme. Wer weiss. Allerdings scheinen solche Aufnahmen gerade auch von Islamisten verwendet zu werden, mit denen diese eine Brutalisierung ihrer Anhänger erzielen wollen.
Wie vertrauenswuerdig ist die Quelle?
Auf deren Homepage wird ja auch zu Regime change aufgerufen. Das ist doch gemeint mit dem “Real Democracy” Banner?
Ich kenne weder IranPressNews noch die Leute hinter dem Banner.
Das aergerliche an Iran oder ueberhaupt dem Nahen Osten ist, dass Laien wie mir schwer faellt zu beurteilen, was glaubwuerdig ist und was nicht.
Die Augapfelsache koennte echt sein oder aber von Gegnern des Regimes erfunden sein. Entweder Gegnern, die Demokratisierung wollen, oder von kurdischen Gruppen oder von irgendwelchen Arabern, die ihren Anhängern iranische Justizmassnahmen empfehlen wollen oder was weiss ich….
Kannst Du für IranPressNews verbuergen?
IranPressNews bezieht sich auf “The regime-run newspaper GHODS”. Ihr koennt doch persisch… Gibt es die Seite im Netz oder hat Eure Uni ein Abo…
Der “Kritische Dialog” ist ein Desaster. Naja, er war ja nie wirklich ernst gemeint. Aber ein Vierteljahrhundert US Sanktionen haben auch nichts gebracht. Wenn all Sanktionen verhängt hätten, wäre es vielleicht anders. Oder wenn alle Kritischen Dialog geführt hätten.
In der aktuellen Die Zeit (nicht online) war ein interessanter ARtikel “Iran/Westen: Wer erfolgreich verhandeln will, muss seinem Gegenüber Respekt erweisen” Von Tim Guldimann. Nein, kein appeasement. Autor sagt auch nicht dass allein Respekt die Loesung ist. In den aktuellen Nuklearverhanldingen ist aber wohl das Problem, dass die USA noch mit dem Gedanken Regime Change spielen, der Komprisssuche in Nuklearfragen erschwert etc.
Der hier ist online von Kermani: http://www.zeit.de/2006/40/Muslime-in-Deutschland Was haltet Ihr davon?
Noch was zu Augapfel: Saudi Arabien hat Handabhacken und Steinigungen und dergleichen verboten, oder? Seit wann eigentlich verboten?
Der erste Link zu iranpressnews funktioniert nicht.
Mein ja nur
@ Atlantiker
Die Adresse von Ghods lautet http://www.qudsdaily.com; als ich den Blogbeitrag verfasste, habe ich mich bemüht, die Originalmeldung zu finden, was mir aber nicht gelang. Das muss aber nichts zu bedeuten haben, denn die internen Suchfunktionen von SPON oder faz.net sind auch nicht besser. (Die scheinen alle denselben Programmierer zu haben
) Die Seite iranpressnews ist mir erstmals durch exiliranische Sender zu Ohren gekommen, von denen diese Quelle als gut unterrichtet eingestuft wird. Steiningung übrigens wird in Saudi-Arabien nicht mehr angewandt, im Iran schon.
Den weinerlichen Artikel von Kermani habe ich gelesen; Stephanie Sellier hatte auf diesem Blog schon auf ihn aufmerksam gemacht. Kermani baut einen Popanz auf, wenn er behauptet, die Muslime in ihrer Gesamtheit würden für den Terror verantwortlich gemacht. Nicht ernstzunehmen sowas.
@ OlliB
Danke für den Hinweis. Hab´s behoben.
“Iran/Westen: Wer erfolgreich verhandeln will, muss seinem Gegenüber Respekt erweisen” Von Tim Guldimann. Nein, kein appeasement.
Nein, aber Klugscheißerei, die sich unter dem Label “Ich-war-schweizer-Botschafter-Teheran-und-weiß-Bescheid” natürlich gut verkaufen lässt.
In den aktuellen Nuklearverhanldingen ist aber wohl das Problem, dass die USA noch mit dem Gedanken Regime Change spielen, der Komprisssuche in Nuklearfragen erschwert etc.
Die - wenn man so will: respektlosen - USA sitzen nicht mit am Tisch.
Und ein regime change steht vor allem anbetracht der hohen Auslastung der amerikanischen Streitkräfte, des Druckmittels Südirak und es hohen Ölpreises selbst unter Washingtoner Falken realiter nicht zur Debatte; was auch der Wächterrat weiß und momentan vor Kraft kaum laufen kann.
@ M Kreutz Viele Exil-Iraner haben eine Agenda…
Danke fuer den Link zu Stephanie Selliers blog.
“Steiningung übrigens wird in Saudi-Arabien nicht mehr angewandt”
Seit wann eigentlich ?
@ N Neumann
Ja, Klugscheisser, aber wer ist das nicht in Der Zeit?
In nächster Zeit kein Regime Change, aber die Perser denken langfristig. Und einige in den USA träumen noch immer von regime change.
@ Atlantiker
Exil-Iraner besitzen eine Neigung zur Anti-Mullah-Agenda. Solchen Quellen traue ich mehr als den Medien der Iranischen Repbulik. Komisch, was?
Genauso komisch wie die Träumereien von einem regime change. Aber da bin ich Pessimist. Die nächsten 100 Jahre wird das nichts. Es kommt zu wenig Unterstützung aus dem Ausland.
Und dank K. Amirpur, B. Nirumand und Sh. Ebadi wissen wir auch, dass das System eigentlich gar nicht übel ist und irgendwie nur die falschen Leute an der Macht sind.
+++Nachtrag+++
Eine klare Position bezieht der Schriftsteller Abbas Maroufi.
Ja, Klugscheisser, aber wer ist das nicht in Der Zeit
Gero von Randow, der deutsche Journalist mit den wohl fundiertesten Kenntnissen über das iranische Atomprogramm, ist z.B. auch dann kein Klugscheißer, wenn man nicht mit jeder Passage des im Folgenden skizzierten Buches konform geht:
Gero von Randow deutet die Zukunft nicht als Bewunderer Amerikas, aber auch nicht als Antiamerikaner, er prophezeit als Sachverständiger, der die Berichte der von ihm so genannten „Atom-Detektive“ aus Wien auswertet. Randow, einer der bekanntesten deutschen Wissenschaftsjournalisten, ist Chef der Online-Redaktion der „Zeit“. In seinem Buch gibt er eine Art wissenschaftliche Einschätzung des nuklearen Bedrohungschakters Irans. Seine These lautet: Die Lage im Iran ist soweit berechenbar, daß ein sofortiger Militärschlag nicht nur nicht geboten sei, sondern die Unberechenbarkeit, die man für diese Region zu Recht fürchtet, erst heraufbeschwören würde. Er stützt diese These nicht mit einer Ideologie des appeasement, sondern mit harten atomwissenschaftlichen Fakten. Alle Szenarien, die dem Iran eine unmittelbare [Im Sinne von: "Die iranische Bombe ist schon Ende des Jahres fertig"] Bedrohung zuschreiben, erscheinen in dieser Schau als Kriegspropaganda, wie man sie zuletzt mit der Behauptung irakischer Massenvernichtungswaffen kennengelernt hatte.
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB.....ntent.html
Bei von Randows Kollegen und Co-Autor Ulrich Ladurner handelt es sich hingegen - und ich sage dies nicht gerade als Freund der Regierung Bush - um einen antiamerikanischen Klugscheißer. Dennoch kann ich das Buch jedem, der sich für das Thema interessiert, empfehlen.
Wohlgemerkt, von Randow sagt nicht etwa nach Gutmenschen-Manier: “Halb so wild, bis die genügend waffenfähiges Material zusammen und eine Bombe miniaturisiert haben, dauert es noch eine halbe Ewigkeit, bis dahin wird’s der Weltgeist schon richten.”
@ Atlantiker
Exil-Iraner besitzen eine Neigung zur Anti-Mullah-Agenda. Solchen Quellen traue ich mehr als den Medien der Iranischen Repbulik. Komisch, was?
Ich auch; allerdings sollte dies eingedenk der Tatsache, dass die ersten Informationen über das iranische Atomprogramm eben von iranischen Oppositionellen lanciert wurden, kein Grund dafür sein, jeder exil-iranischen bzw. oppositionell-iranischen Quelle immer alles abzunehmen. Konkret: Nicht, dass ich den Mullahs kein Augapfelamputieren zutrauen würde, zweifelhafte Bilder bleiben zweifelhafte Bilder.
So sind abgesehen davon, einmal von der konsequenziellen Ebene bzw. der Ebene politischer Entscheidungen aus betrachtet, die Bushies von manchen Exil-Irakern im Vorfeld des Krieges gegen Saddam sicher nicht gut beraten worden.
[...] ische Politiker und Intellektuelle wurde bislang nichts bekannt. — Siehe auch: • Vierzehn Jahre kritischer Dialog, 29. September 2006.
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