Neonazis und Frown Power

Monday, October 16, 2006
By Michael Kreutz

Gegenüber neonazistischen Parolen und Gewalttätigkeiten zeigt sich Deutschland wieder einmal hilflos:

Uwe-Karsten Heye, Mitbegründer des Vereins “Gesicht zeigen”, spricht sich für Aufklärungsarbeit aus, die bereits im Kindergarten anzusetzen sei. Der Direktor des Berliner Anne-Frank-Zentrums wünscht sich eine echte Diskussion über Gewalt und Vorurteile. Und Roman Ronneberg vom Verein “Miteinander” in Sachsen-Anhalt empfiehlt eine langfristige Arbeit mit Bürgermeistern, Schulen und anderen engagierten Menschen vor Ort.

Das ist alles gut gemeint, aber gut gemeint hilft oft nicht. Denn Aufklärungsarbeit gibt es durchaus, und Gefängnisstrafen scheinen Nachahmer neonazistischer Gewalttaten nicht abzuschrecken.

Was ich in den Debatten über Massnahmen gegen Neonazismus regelmässig vvermisse, ist diese: Die öffentliche ÄCHTUNG. Neonazis müssen von der Gesellschaft GEÄCHTET werden. Sie müssen wissen, dass Gewalt nicht nur zu einer Haftstrafe führt (was in diesen Kreisen wohl eher als Auszeichnung gesehen wird), sondern sie sich mit Hassparolen oder Übergriffen auf Menschen anderer Hautfarbe AUSSERHALB DER GESELLSCHAFT stellen.

S. Levitt und S. Dubner beschreiben in ihrem Buch “Freakonomics“, wie ein Mann namens Stetson Kennedy vor 60 Jahren mit seiner Idee der Frown Power (Kraft der Missbilligung) den Einfluss des Ku-Klux-Klans zunichte machte. Das ist der richtige Weg.

Statt Betroffenheit zur Schau zu stellen oder gleich die Schuld bei der Gesellschaft zu suchen, müssen nicht nur Politiker und die üblichen public intellectuals, sondern die Mehrheitsgesellschaft als solche deutlich machen, dass sie einem Neonazi mit dem, was er tut, und dem, was er denkt, den Platz in ihrer Mitte verweigert, und ihn wissen lassen, dass ein Nazi jemand ist, der von ihr GEÄCHTET wird.

Denn wer will schon Abschaum sein.

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