Reformfähigkeit der Islamwissenschaften?
Ich schätze die Artikel und Kommentare von Christian Geyer in der FAZ sehr, aber in seiner Einschätzung der deutschen islamwissenschaftler liegt er dieses Mal ziemlich daneben:
Unter den deutschen Islamwissenschaftlern gibt es aber nur sehr wenige, die nicht bloß philologische Fragestellungen verfolgen, sondern historisch-soziologisch arbeiten.
(…) Tatsächlich entpuppt sich die Frage nach der Reformfähigkeit des Islam mehr und mehr auch als eine Frage nach der Reformfähigkeit der Islamwissenschaften. Hier steht eine ganze Zunft vor gewaltigen Umwälzungen ihrer Methodenlehre. Gegenwärtig ist diese Wissenschaft ihrer Zeit hinterher und leider nicht voraus.
In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Die Islamwissenschaft versozialwissenschaftlicht sich zunehmend, Sprachkenntnisse werden weniger wichtig. Früher war die Islamwisssenschaft einmal (im wesentlichen) ein Teilbereich der Arabistik, insofern als sie sich mit den arabischsprachigen Quellen des Islam befasste; heute wird Islamwissenschaft vor allem Wissenschaft vom Islam als historisches und soziologisches Phänomen betrieben und zwar eben u.a. auf dem Gebiet der Arabischen Welt.
Dieser Wandel hat sich nicht nur an deutschen Universitäten vollzogen; der amerikanisch-israelische Nahostwissenschaftler Martin Kramer hat über diese Entwicklung in den USA ein Buch geschrieben (Ivory Towers on Sands), indem er die Rückkehr zur Philologie empfiehlt. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die ältere Generation der eher philologisch ausgerichteten Islamwissenschaftler/Orientalisten zwar allgemein den Respekt vor anderen Kulturen pflegte, aber eben ohne dabei islamophil zu sein, wie das bei heutigen, eher sozialwissenschaftlich geprägten Vertretern der Zunft leider häufig der Fall ist.
Damit ich nicht missverstanden werde: Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn sozialwissenschaftliche Methodologie Einzug in die Islamwissenschaften hält. Kritik ist aber angebracht, wenn dies auf Kosten des philologischen Instrumentariums geschieht. Diese Entwicklung hat übrigens einen Grund: Die Jünger des Drittweltismus finden die nötigen Ideologeme zur Bestätigung ihrer Weltsicht nun einmal eher in der Soziologie als in der Philologie.
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Viel zu gnädig, lieber Michael, ich habe selten so einen Sch**ß gelesen.
Das fängtdamit an, dass er gegen die Philologie wettert, und dann zur historisch-kritischen Auseinandersetzung mit dem Koran aufruft. Wie soll das denn gehen?!
Ein Mangel an historischer Forschung kann kaum konstatiert werden, die ist aber ebenfalls auf die philologische Erschließung der Quellen angweisen.
Und natürlich können Islamwissenschaftler benennen wo die Probleme für eine der Moderne angemessene Koranauslegung liegen. Aber eine solche hervorzubringen ist Aufgabe der Muslime selbst.
In der Tat, ich hatte auch den Eindruck, hier verwechselt jemand Islamwissenschaft mit islamischer Theologie.
[...] diskutieren zulässt. Das aber kann nicht von ausserhalb kommen. — Siehe auch: • Reformfähigkeit der Islamwissenschaften? [...]
[...] Siehe auch: • Reformfähigkeit der Islamwissenschaften?, 25. Oktober 2006, • Reformfähigkeit der Islamwissenschaften? (II), 22. Nove,ber 2006. [...]