Die Achse der Clowns
Mit einem aggressiven Antisemitismus, gekleidet in die Parolen eines sozialrevolutionären Populismus, lässt sich auch heute noch ein Staat machen. Auf diesen Nenner jedenfalls kann man die politische Rhetorik von einer solch clownesken Figur wie Venezuelas Hugo Chávez bringen, der sich beklagt, dass die “Nachkommen der Christusmörder” (also die Juden) heute die Welt kontrollieren. Zusammen mit dem bolivanischen Präsidenten Evo Morales, der Bush einen Terroristen nannte, schickt Chavez sich an, den Juden und dem Kapital in einer bolivarianischen Revolution die Stirn zu bieten.
Kommt uns das nicht bekannt vor, dieser Sozialismus der dummen Kerls? Mich jedenfalls erinnert das doch sehr an die Parolen des iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejad, der sich ebenfalls dauernd an die Unterschicht anbiedert (im Wahlkampf trat er als Müllmann auf), dem Kapitalismus den Kampf ansagt und seinen sozialrevolutionären Kreuzzug vor allem gegen die Juden angesagt hat. Passen die drei nicht prima zusammen: Ahmadi-Nejad, Chavez, Morales und vielleicht noch Castro?
Kaum gedacht, schon hat einen die Realität überholt. Auf der Website des iranischen Präsidenten kann man es nachlesen [1]: Ahmadi-Nejad holt sich Unterstützung von Castro im Atomstreit mit dem Westen (”…bestätigt, dass es das Recht jedes Landes ist, von der Atomenergie friedlichen Gebrauch zu machen”), bedankt sich für Chavez’ Angebot zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energieversorgung (”Teheran ist bereit, an der Seite von Caracas und La Paz eigene Erfahrungen und Fähigkeiten auf den verschiedenen Gebieten zugunsten des venezolanischen und bolivianischen Volkes zuteil werden zu lassen”) und sucht den Schulterschluss mit dem bolivianischen Präsidenten Morales. Dieser, so heisst es auf der Seite, hoffe, dass man sich “baldmöglichst treffen werde, um verschiedene Themen, darunter die Verbrechen imperialistischer Länder an der indigenen Bevölkerung Amerikas und besonders Boliviens, zu erörtern.”[2]
Hier findet offensichtlich zusammen, was zusammengehört.
[1] Extremistische Webseiten werden von mir nicht verlinkt: www.president.ir/ahmadinejad/cronicnews/1384/10/14/index-f.htm#b1
www.president.ir/eng/ahmadinejad/cronicnews/1384/10/14/index-e.htm#b2
[2] Das Zitat findet sich nicht in der englischen Übersetzung.


http://www.liberation.fr/page.php?Article=349907
«Dans ses mots convergent deux arguments centraux de l’antisémitisme, a réagi la délégation du centre Simon Wiesenthal pour l’Amérique latine, en Argentine, celle qui accuse les juifs d’avoir tué Jésus, et celle qui les associe avec les richesses.» «Il est particulièrement paradoxal, poursuit ce communiqué, que le président d’un pays qui dans quelques jours va être hôte d’un des rassemblements de la pensée progressiste, le Forum social mondial, utilise une rhétorique réactionnaire et moyenâgeuse.»
Was daran paradox sein soll, muss mir mal einer erklären…
[...] ORF) +++Nachtrag 2 von MK+++ Über Chavez’ Verbindung zum Iran gibt es auf diesem Blog einen Bericht.
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I [...]
[...] rch Chávez 1999 eingesetzt hat. So schön kann Sozialismus sein. — Siehe auch: • Die Achse der Clowns, 07. Januar 2006, • Öl ist die Antw [...]