Die Welt fordert den Abzug der Amerikaner…

Tuesday, February 28, 2006
Von Michael Kreutz

…nur die Iraker sind sich nicht sicher, ob sie das wirklich wollen. Ironie der Demoskopie: Afghanistan gehört laut einer BBC-Umfrage zu den wenigen Ländern, in denen sich eine absolute Mehrheit der Bevölkerung für einen Verbleib der US-Truppen im Irak ausspricht (58%). Sie wird wissen, warum!

Die Umfrage ist ein köstliches Amüsierstück. Während friedensbewegte Menschenfreunde auf den Strassen der westlichen Welt den Abzug der Koalitionstruppen fordern (und damit die Iraker ihrem Schicksal überlassen wollen), zeigt sich die irakische Bevölkerung in dieser Frage immerhin gespalten: 49% sind für einen sofortigen Abzug der amerikanischen Truppen, und ebenso sind 49% dagegen. Dafür meint eine klare Mehrheit von 53% der Befragten, dass die alliierten Truppen bleiben sollen, sofern die irakische Regierung den Wunsch äussert. Hat man Töne!

Und das schönste kommt zum Schluss: “Iraqis are the most convinced that the removal of Saddam Hussein was right, with 74% agreeing with the move.” Eine schallende Ohrfeige für alle Befreiungsgegner.

Die ganze Umfrage (PDF, 2,4 MB) gibt’s hier. Wiewohl grundsätzlich Optimist, bin ich in einer Hinsicht auf jeden Fall pessimistisch: Auch diese Umfrage wird von unseren hehren linksintellektuellen Moralinstanzen vollständig ignoriert werden.

+++Anm.+++

Leser GoWest weist dankenswerterweise darauf hin, dass die Realität noch etwas krasser aussieht: Tatsächlich findet sich unter den befragten westlichen Ländern (sogar unter Einbeziehung Südamerikas und bei Einschluss der Antworten auf die Frage, ob die Koalitionstruppen im Land bleiben sollten, sofern die irakische Regierung darum bittet) eine Mehrheit, die sich für einen Verbleib der Truppen ausspricht!

Ein wahrer Schlag für unsere Friedensapostel: Noch nicht einmal im eigenen Land wissen sie eine Mehrheit hinter sich. Der ursprüngliche Satz “Während man sich in der satten westlichen Welt weitgehend einig darin ist…” wurde daher geändert in “Während friedensbewegte Menschenfreunde auf den Strassen den Abzug der Koalitionstruppen fordern…”

(MK, 11. April 2006)

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12 Responses to “Die Welt fordert den Abzug der Amerikaner…”

  1. [...] ? Da haben wir wohl nicht so genau in die eigene Statistik geschaut, lieber Doug. Denn wie Michael Kreutz sehr treffend schreibt, fallen zwei Staaten aus diese [...]

    #551
  2. [...] Sturz Saddams bei der irakischen Bevölkerung allerdings keineswegs zu Feindseligkeit geführt hat, sofern sie nicht schon vorher da war, will man in [...]

    #1023
  3. Woher haben Sie Weisheit, dass “man sich in der satten westlichen Welt weitgehend einig darin ist, dass die Iraker ihrem Schicksal überlassen werden sollen”? Fühlen Sie das? Oder können Sie sich auch dazu auf eine Umfrage berufen?

    #1025
  4. Der Umfrage zufolge gehen die Ansichten In der westlichen Welt auseinander, bzw. gibt es sogar eine Mehrheit von Befürwortern eines Verbleibs der Koalitionstruppen, sofern die irakische Regierung dies wünscht. Allerdings wurde offensichtlich nur ein kleiner Teil der europ. Länder gefragt. Allgemein drängt sich der Eindruck auf, dass die Stimmung in Europa eher für Abzug ist.

    Aber ein anderer Fehler ist mir auf jeden Fall unterlaufen: Die Behauptung “…zeigt sich die irakische Bevölkerung in dieser Frage immerhin gespalten: 49% sind für einen sofortigen Abzug der amerikanischen Truppen, und ebenso sind 49% dagegen” ist falsch. Vielmehr sind nur 45% dagegen.

    #1030
  5. Sie haben also eher gefühlt. Sie “fühlen” öfter. Eigentlich schade. Könnte ohne das ein interessantes Blog sein.

    #1032
  6. “In 20 countries, there is overall support for US-led forces to withdraw from Iraq in the next few months.” resümiert die BBC.

    #1033
  7. Die “20 countries” liegen aber keineswegs alle in der “satten westlichen Welt”, von der Sie sprachen. Jedenfalls gibt die von Ihnen angeführte Quelle (pdf-Datei) solche Lokalisierung nicht her. Die von Ihnen angeführte Quelle zeichnet, bezogen auf die von Ihnen so genannte “satte westliche Welt”, vielmehr ein anderes Bild, vollends dann, wenn man die (eher weniger “satten”) südamerikanischen Staaten (und ihren speziellen Anti-Amerikanismus) vernachlässigt.

    Sie wollen die – zweifellos vorhandenen – europäisch-amerikanischen Differenzen verschärfen? Warum? Mit welchen Ziel?

    #1036
  8. Die 20 Länder gehören nicht alle zur westlichen Welt; das haben sie sehr fein beobachtet. Deswegen ist in der Überschrift meines Blogbeitrags auch von der “Welt” ohne Attribut die Rede. Zur Aussage über die “satte westliche Welt”: Definiert man mit dem Wiktionary jedoch solche Länder als zum Westen gehörig, die “situated in the Western Hemisphere, whose culture is derived from Europe”, dann ergibt sich ein eindeutiges Bild:

    Man kan sich darüber streiten, ob Lateinamerika nun zum Westen zu zählen ist, oder nicht. Nach anderen Definitionen sind es Westeuropa und Nordamerika, die den Westen ausmachen. Dürfen wir also trotz Falls der Eisernen Mauer Polen, das Baltikum und Tschechien immer noch nicht dazuzählen? Und gehören nicht auch Israel, Australien und Neuseeland zum Westen? Seien Sie nicht beckmesserisch.

    #1037
  9. Erstaunlich, was Sie “beckmesserisch” nennen.

    Nach der von Ihnen selbst angegebenen Quelle ist in Rücksicht auf den möglichen entsprechenden Wunsch der neuen Irakischen Regierung, abgesehen von Südamerika, _kein einziges_ westliches Land in seiner Mehrheit für einen sofortigen und unbedingten Truppenabzug (Pull out) aus dem Irak.
    Dennoch meinen Sie, dass “man sich in der satten westlichen Welt weitgehend einig darin ist, dass die Iraker ihrem Schicksal überlassen werden sollen”.
    Um Ihr Urteil zu rechtfertigen, frisieren Sie in Ihrem Reply von April 9th, 2006 21:27 die von Ihnen selbst genannte Quelle nachträglich um und schlagen alle Antworten, die einen Truppenverbleib im Irak auf Wunsch der neuen Regierung bejahen, denjenigen zu, die einen unbedingten Abzug (Pull out) verlangen.
    Eine ausdrückliche Qualifikation solcher Argumentation und Ihrer Quellenmanipulation erspare ich mir. Ich behalte mir aber vor, den Vorgang auf meinem Blog zu dokumentieren.

    #1048
  10. Wenn man die Antworten auf die Frage “Stay if Iraqi Gov’t asks” hinzunimmt, ergibt sich im Westen eine klare deutliche Mehrheit für einen Verbleib der Truppen im Irak. Südamerika fällt dabei überhaupt nicht ins Gewicht, in der Tat:

    Gut, dass Sie darauf hinweisen. Das dürfte unseren friedensbewegten Gutmenschdemonstranten natürlich gar nicht gefallen. (s.a. Anmerkung, die ich unter den Text gesetzt habe)

    #1049

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