Orientalism deconstructed
Im Netz findet sich seit kurzem eine Sammlung kritischer Artikel zu Edward Saids “Orientalism”. Die meisten Beiträger werfen ihm vor, dass er von der Islamwissenschaft keine Ahnung habe, dass er aber als Anglist etwas von englischer Literatur verstehe, spricht ihm niemand ab. Anders dagegen Mark F. Proudman. Er analysiert Edward Saids “Analyse” des Romans “Tancred” von Benjamin Disraeli. Er zeigt, wie der viktorianische Autor und Politiker zu einem Neokreuzzügler uminterpretiert wird. Die britische Politik, das zentrale Themas des Romans wird von Said nicht beachtet. Zudem verkennt Said vollkommen, dass Disraeli ausgesprochen islamophil war, während seine liberalen Gegner, allen voran Gladstone, entscheidene Gegner des osmanischen Reiches waren. Eigentlich Grundlagenwissen für jemanden, der sich mit britischer Kultur im 19. beschäftigt:
… a century from now Orientalism will be read mainly for its value as a primary source on the moral, academic, and intellectual dysfunctions of the late twentieth century.
Wie begierig indische Muslime die Literatur islamophiler britischer Autoren rezipierten, wird hier (S. 628f.) (Infos) erwähnt.
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Anm. von M. Kreutz:
Ein neues Buch von Robert Irwin versucht die Said’sche These vom angebl. “Orientalismus” westlicher Vertreter der Orientalistik zu widerlegen.
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In deutscher Sprache gibt es die m.E. sehr lesenswerte Kritik an Saids Orientalismuskonzept von Siegfried Kohlhammer in dessen Buch “Die Freunde und die Feinde des Islam”.
Sie haben ganz recht. Als ich den Link postete hatte ich nur einen verdacht wer hinter der Website steht, jetzt weiß ich es. Vielleich lässt sich da was machen, dass der Essay ins Englische übersetzt wird.
Ein sehr interessanter Beitrag findet sich auf der MERIA-Seite:
[...] gründlich liest, und dann deren Entstehungskontext beurteilt. Aber für jemandem der sein Handwerk bei Edward Said gelernt hat, gilt dies nicht. [...]