Schutz-Schildbürger
Dass Oskar Lafontaine in den Iran reisen will, um einen Krieg zu verhindern, habe ich zuerst für einen verspäteten Aprilscherz gehalten. Der Napoleon von der Saar als lebendes Schutzschild, während die Mullahs im Bunker sitzen? Ein köstlicher Gedanke. Und eine gute Gelegenheit, an eine Beobachtung zu erinnern, die der Orientalist Stefan Weidner vor drei Jahren für die FAZ im Land gewonnen hat:
(…) Die amerikanische Regierung hat die Gunst der Stunde genutzt und nach den Anschlägen in Saudi-Arabien ihren “skeptischen Dialog” mit Iran abgebrochen. Wieder einmal, so scheint es, ist Amerika den Europäern einen Schritt voraus und demonstriert politische Entschiedenheit. Ob man es hierzulande hören will oder nicht: Eine klare Mehrheit der Iraner, mit denen man als Ausländer ins Gespräch kommt, wünscht sich den Sturz des Regimes, und nicht wenige wären bereit, dafür sogar einen amerikanischen Angriff in Kauf zu nehmen. (FAZ, 05.06.2003, Nr. 129 / Seite 42)
Nein, so etwas hört man hierzulande nur ungern. Nun mag es ja gute Grünge geben, gegen einen Krieg zu sein – gar keine Frage. Aber dass Lafontaine mit seiner Reise wohl niemandem ausser den Mullahs einen Gefallen erweist, ist doch wohl klar: Teheran findet für seine Opferrolle endlich die Anerkennung westlicher Politiker. Warum sonst reist Lafontaine nicht als lebendes Schutzschild nach Israel?
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Lafontaines angedachte Reisebegleitung, der Israel-Basher Norman Paech, hat übrigens vor noch nicht allzu langer Zeit, welch Zufall, den israelischen Atomspion Vanunu für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Ich glaube jedoch nicht, dass er im Falle eines iranischen Atomspions denselben Vorschlag unterbreiten würde.
http://www.uni-kassel.de/fb5/f.....anunu.html
Heute kam ein kleines Trostpflaster:
“Schlusslicht in der DeutschlandTrend-Beliebtheitsskala ist der Linkspartei-Fraktionschef Oskar Lafontaine, mit dessen Arbeit nur 18 Prozent (-3 i. Vgl. zu Februar) einverstanden sind.”
http://www.presseportal.de/sto.....lafontaine