“Krasser Antisemitismus”

Wednesday, April 19, 2006
Von Michael Kreutz

Während nur 8,3% der Bevölkerung in den EU-Ländern keinen Juden als Nachbarn möchten, sind es in der Türkei 61,9%.[1] Wie verbreitet aber ist Antisemitismus in der türkischen Gemeinschaft in Deutschland? Die “Jüdische Zeitung” berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe[2] von einer Reise deutsch-türkischer Jugendlicher nach Israel, die vom American Jewish Committee organisiert wurde. Mit dabei war die Journalistin Güner, die vom antisemitischen Klima in ihrer Heimat Berlin-Neukölln zu berichten weiss (Hervorhebung von mir, MK):

“Dort gibt es einen so krassen Antisemitismus, wie man ihn sich gar nicht vorstellen kann! Besonders gefährlich finde ich, dass sich dieser Antisemitismus und Antiisraelismus immer mehr verbreitet, vor zwanzig Jahren hat es das selbst dort nicht gegeben. Viele Kinder werden im Hass auf Israel regelrecht trainiert – und die Behörden tun nichts: Die Deutschen versuchen immer noch, die Shoa zu verarbeiten, aber auf die aktuelle Entwicklung reagieren sie kaum. (…) Manche muslimische Jugendliche identifizieren sich sogar mit Hitler, mit dem Naziregime und tun sich so mit denen zusammen, die sie ja eigentlich hassen.”

Die Journalistin weist darauf hin, dass innerhalb der türkischen Gemeinde ein latenter Antisemitismus häufig in der Schicht des Bildungsbürgertums anzutreffen sei:

“Man ist da ganz von alten Verschwörungstheorien geprägt. Zu mir hat einmal ein türkischer Reiseleiter gesagt: ‘Wissen Sie, wer das Geld ‘erfunden’ hat: die Juden natürlich!’”

Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass antisemitische Publikationen in der Türkei seit Jahren Hochkonjunktur haben. Die türkische Übersetzung von “Mein Kampf” ist bislang in dreissig Auflagen erschienen, die “Protokolle der Weisen von Zion” in über neunzig. Es ist wichtig zu erkennen, dass eine Einwanderungsgesellschaft wie die deutsche nicht funktionieren kann, wenn sie von solchen Gedanken vergiftet wird, die eben kein rein deutsches Phänomen sind.


[1] FAS, 15. Feb. 2004, S. 13. Kein URL vorhanden.
[2] “Gegen den Hass als neue Identität: Türkische Jugendliche reisen nach Israel”, JZ, April 2006, S. 2. Kein URL vorhanden.

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One Response to ““Krasser Antisemitismus””

  1. gerd

    Das hier berichtete ist von zentraler Bedeutung und wird oft auch von geübten ISlamkritikern “vergessen”, nicht gewußt oder als störend empfunden.
    Ein Türkdeutscher berichtete in meiner Bürgerfunksendung, daß der jetztige Staatschef ERDOGAN selbst einer der Verbreiter “Protokolle …”-artiger Schriften war.
    Für mich sind diese Protokolle kombiniert mit der moderneren Form ( der Holocaust als Teil der zionistischen Weltverschwörung gegen den Islam bzw. die Palästinenser ) und in der modernsten Form ( das 11.9.-Massaker als Teil der Weltverschwörung zur …) d e r politische Dynamo der Islamisierung und der Verbrüderung der antizivilisatorischen Anti(west)imperialisten weit über die Grenzen des politischen Islam und der Islammacht hinaus.
    Aber auf mich will ja keiner hören .

    Wenn man durch Aufklärung Fortschritte erreichen will, den saugefährlichen Trend, der sich in unseren Stadtteilen in selbstethnifizierende Bandenbildung, im Rechtempfinden als Täter- Opfer-Umkehr, in der Justiz als kulturrelativisiertes Sonderrecht, staatsrechtlich als religionsrechtlich geschützte Verfassungsfeindlichkeit zeigt und Einheimische die sich wehren pauschal als Rassisten, Kritiker als Islamophobe verunglimpft, religions- und kriegsgeschichtlich die Grund- und Folgeumkehr für den Islam betreibt, vor allem auch die massenmedial “völkerrechtliche” geschichtsrevisionistisch gestützte ISRAEL-Bekämpfung(s -Assistenz ), -
    kurz, wer dem Kampf gegen islamischen Terrorismus und Parallelgesellschaftsaufbau hier und an der zentralen Front um Jerusalem zu Erfolg verhelfen will, der kommt nicht daran vorbei, das Wissen um die “Weltverschwörungs-”glauben-Wirkungsweise und Gegenmittel/Konzepte zu ihrer Unschädlichmachung zu entwickeln.

    Dabei ist besonders zu beachten/bekämpfen nicht nur das Verschweigen oder Verharmlosen der allgemeinen Dynamisierung/Politisierung durch den Weltverschwörungsglauben des Islam (Nazifizierung), so, wie der nicht zu verhelende Antisemitismus eines Iranregimes zB. von den Medien weitgehend aus dem Entwicklungs-Zusammenhang genommen wird, sondern
    auch das massenmediale V e r s c h w e i g e n (außer teilweise durch WELT ) des Weltverschwörungsglaubens bzw. an die “Protokolle” als ressentiment-potenzierendes Zentralmotiv für eine ganze Serie von Pogromen, Massakern, politischen Morden, beginnend mit den russischen Pogromen von 1903 über die Morde an Luxemburg und Koll., Erzberger, Rathenau,…, arabischen Staatschefs, konkret nachgewiesen bei einer Reihe von Suizidmassenmördern gegen ISRAEL und bei Moh. ATTA, letztlich als entscheidender Antrieb für antisemitische Palästinenserbewegung seit 1919 in Verbindung mit koranischen Grundeinstellungen.
    Denn das gleichzeitige Kern-”Weglassen” bei der Erklärung und Thematisierung des antisemitischen (Islam-)Terrorismus während sie in anderen gesellschaftlichen und geograpfischen Bereichen angewendet werden ergibt noch einen Doppeleffekt.

    Auf dieser Grundlage zeigt sich auch, daß, wie es irgendwo im Netzt stand, die “Protokolle..” die M a t r i x zum Holocaust waren (oder hieß es des ?,- da mache ich nach G.Heinsohns WARUM AUSCHWITZ ? noch einen wichtigen auf den Kern bezogenen machtpolitisch/kulturgeschichtlichen Unterschied ) und sind und wieso die US-amerikanische Irakkriegswerbung von der BinLaden – Saddam-Verschwörung — und ich setze hinzu, auch der von Arafat und Achmadinetschad, McVain, aktuelle Nationalbolschewisten und Neonazis — realistisch war, ohne -fatalerweise- die hier auf meine Darstellung(en) zu beziehende richtige Erklärung.

    Ob der “Antiterrorkrieg” wie auch der Kampf hier gewonnen wird ist mehr als die Anwendung unmittelbarer Staatsmacht im doppelten, ja im dreifachen Sinne eine Frage der Aufklärung und ist daher wie im klassischen insbesondere antifaschistischen Krieg eine Frage der Mentalität, der Psychologie und der Idee.
    Und die “Protokolle/Weltverschwörungs”-Matrix ist eine bewiesenermaßen äußerst mächtige idiell-psychologische Waffe.

    Ich verweise hierzu, “im Verbund”, auf das Buch zur von allen Antinazis unterschätzten Entstehungs- und Bekämpfungsgeschichte im 20. Jhdt. bis zum Moskauer Prozess in den 90er Jahren “Die Protokolle d.W.v.Zion – Anantomie einer Fälschung” von Hassada Ben-Itto,- mit “Fälschung” im Titel leider mit dem falschen Ausdruck, da es echte nie gab;
    - auf die Studie im INet “DIE GROSSE LÜGE UND DER MEDIENKRIEG GEGEN ISRAEL – von der Umkehrung der Wahrheit zur Umkehrung der Wirklichkeit”, in der die “Protokolle”-Wirkung zwar unterbelichtet, jedoch im Gesamtzusammenhang von den Propagandaerfahrungen im 1.WK über die des Antizionismus der Nazis und deren und der nachstalinsch-sowjetischen Unterstützung der Islamisten im Kampf gegen ISRAEL erscheint ; auf WARUM AUSCHWITZ ? auch mit Hinweisen von Gunnar Heinsohn, was abgesehen von der “Deutschen Ideologie”(nach Marx und Adorno) und imperialer Interessen seit 1880 (s. dt. Militärmissionen in der Tükei -> Wikipedia) Deutsche und Islamisten bzw. arabische Palästinenser sonst noch so verband.

    #50236

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