Ehrverletzungsfeststellung
Das einzig bemerkenswerte an der auf MTV angekündigten Trickserie “Popetown” ist die Tatsache, wie lange nun schon über sie diskutiert wird, obwohl sie bis heute nicht auf deutschen Fernsehschirmen zu sehen ist. Denn wie ein Artikel in der FAZ feststellt, auf den Leser N. Neumann mich aufmerksam gemacht hat, dürfte sich der Unterhaltungs- wie auch der Skandalwert sehr in Grenzen halten:
Es bleibt der Eindruck, hier wurden übliche Späße für ein genügsames Publikum nachträglich mit der Aufschrift „Papst“ versehen, um es zum Skandal zu bringen.
Wäre nicht die Aufregung um die Mohammed-Karikaturen der dänischen “Jyllands-Posten” noch frisch in Erinnerung, dann wäre auch “Popetown” wohl kaum zu einem Politikum geworden. Jürgen Kaube hat absolut recht, wenn er schreibt (Hervorhebung von mir):
In diesem Sinne eines Übergangs vom ontologischen Gottes- zum cholerischen Glaubensbeweis behaupteten Muslime, die dänischen Karikaturen hätten sie fixiert, und Katholiken jetzt, ein Comic, den sie weder gesehen haben noch überhaupt sehen müssen, gucke sie beleidigend an. Es kann noch so blöd, so unerheblich und unmaßgeblich sein, was mitgeteilt wird, eine dadurch eintretende Gefühlsverletzung findet sich immer; und als religiöse ist sie selbstverständlich höchstrangig. Die ältere Idee, daß es nichtsatisfaktionsfähige Subjekte gibt, scheint zu verblassen.
Was soll also die ganze Aufregung? Regelmässige Leser dieses Blogs werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass in der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen ich weder zu denen gehörte, die sich mit diesen identifizieren mochten und gleich ihre weitestmögliche Verbreitung wünschten, noch Verständnis für jene aufbringen konnte, die aus verletztem Ehrgefühl heraus das Recht zu haben glaubten, gewalttätig zu werden.
Meine Meinung war und ist: Ich trete für Meinungsfreiheit ein, ohne mir deshalb jede Meinung gleich zu eigen machen zu müssen. Ich kann die Mohammed-Karikaturen geschmacklos finden, und dennoch der Ansicht sein, dass ihre Veröffentlichung nicht verboten werden darf. Und für “Popetown” gilt dasselbe: Sollten jemals Katholiken (ich bin selber einer) deswegen randalierend durch die Strassen ziehen, dann wird auf diesem Blog ein Banner zu finden sein, der für das Recht auf Ausstrahlung dieser Serie wirbt.
Für mich persönlich, der ich kein Atheist bin, habe ich die Serie – mag ich sie komisch finden oder nicht – jetzt schon als “nicht satisfaktionsfähig” abgehakt. Mehr gibt es nicht zu sagen.
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so isses!
ich, katholik
[...] ch ein Versuch, Bigotterie zu globalisieren, sei neuartig. Aber das war auch lange vor dem Karikaturenstreit.
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