China in Afrika

Monday, May 15, 2006
By Michael Kreutz

China rollt Afrika auf: Allein in den neunziger Jahren stieg das Handelsvolumen um 700 Prozent. Von 2002 auf 2003 verdoppelte es sich von etwa 9 Milliarden Dollar auf 18,5 Milliarden Dollar, um 2004 noch einmal nahezu 100 Prozent zuzulegen. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsvolumen knapp 35 Milliarden Dollar. Die chinesischen Direktinvestitionen in Afrika belaufen sich mittlerweile auf 900 Millionen Dollar von insgesamt 15 Milliarden Dollar, die auf dem Kontinent investiert wurden, mit steigender Tendenz:

Der chinesische Erdölkonzern China National Petroleum sicherte sich anläßlich der Reise für mehr als 2 Milliarden Dollar 45 Prozent eines als äußerst ergiebig geltenden nigerianischen Ölfeldes. Zudem wurde chinesischen Firmen die Ausbeutung vier weiterer Ölfelder zugesprochen.

Im Gegenzug will China 4 Milliarden Dollar in die Reparatur der maroden nigerianischen Infrastruktur investieren, will Straßen, Kraftwerke und ein Eisenbahnnetz bauen. Im Süden des Landes ist eine Freihandelszone geplant, an der chinesische Unternehmen reges Interesse zeigen. Von dort aus ließen sich sowohl West- als auch Zentralafrika leicht beliefern. Das Investitionsvolumen wird auf 7 Milliarden Dollar geschätzt.

China kleckert nicht in Afrika, China klotzt. In Sudan ist China mittlerweile der größte Erdölförderer. In Angola, dem nach Nigeria zweitgrößten Erdölproduzenten Afrikas, lehren die Chinesen der etablierten Konkurrenz aus Europa und Amerika längst das Fürchten. In Kongo fördern Chinesen unter haarsträubenden Umständen Kupfer und Kobalt in rauhen Mengen, in Zimbabwe Platin, und die südafrikanischen Bergbaukonzerne können gar nicht soviel Steinkohle, Platin und Eisenerz verschiffen, wie die Chinesen ordern.

Im Gegensatz zu Europa stellt China keine Forderungen nach Demokratie oder Transparenz. Zugleich betreibt China in Afrika nicht nur die Sicherung von Rohstoffen, sondern auch das Schaffen von Absatzmärkten. Chinesische Produkte sind so billig, dass die lokale Wirtschaft mit ihnen nicht konkurrieren kann, und sie überschwemmen den Kontinent. Mit ambivalenten Folgen:

China [unterminiert] mit seiner Vorgehensweise alle Bemühungen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank, die Korruption in Afrika auszumerzen. Es perpetuiert damit politische Systeme, die als Haupthindernis für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents gelten.

Auf der anderen Seite aber verzeichnete Afrika im zurückliegenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent, so viel wie noch nie. Dieses Wachstum war vor allem der chinesischen Nachfrage nach Öl und der damit einhergehenden Preissteigerung geschuldet. China hat den afrikanischen Ländern bilaterale Schulden in Höhe von 10 Milliarden Dollar erlassen, schickt Mediziner auf den Kontinent und lädt jedes Jahr Tausende afrikanischer Studenten und Arbeiter zum Studium oder zu Weiterbildungsseminaren nach China ein.

Wohin diese Entwicklung woihl führen mag?

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2 Responses to “China in Afrika”

  1. [...] ernst, als es ihn in einen realen Interessenaustausch verwickelt. — Siehe auch: • China in Afrika, 16. Mai 2006.

    [...]

    #11577
  2. http://www.globalisierung-zaehmen.de

    Sehr geehrte Damen und Herrn!

    Globalisierung eröffnet riesige Chancen auf dem Wege der Beseitigung von Hunger, Elend und Armut in der Welt. Die wirtschaftlichen und technischen Vorraussetzungen sind vorhanden und werden seit Jahren dynamisch und erfolgreich realisiert. Eine bessere Welt ist möglich und es wird schon daran kräftig gearbeitet. Allein in China ist unter geschickter Nutzung der „Globalisierung“ aus bitterer Armut eine Mittelklasse entstanden von 300 Millionen Menschen, die in etwa der gesamten Bevölkerung der USA entspricht und an den Lebensstandard der reichen Industriestaaten heranreicht.

    Globalisierung birgt aber auch große Gefahren und Risiken für den inneren Frieden, insbesondere in den entwickelten westlichen Industriestaaten, wenn immer mehr einheimische Arbeitsplätze verloren gehen und abwandern. „Globalisierungskritik“ und „Vorfahrt auf dem freien Weltmarkt“ gepaart mit „Heimatschutz“ und „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ eignet sich gut für „Chauvinismus und Nationalismus“. Der Weltfriede, der äußere Friede zwischen den Völkern kann empfindlich gestört werden. Wichtiges Ziel muß es sein, eine Welt in „Harmonie nach innen und außen“ zu schaffen.

    Aufstrebende Schwellen- und Entwicklungsländer scheinen Strategien zu entwickeln, die dem Aufbau und der Entwicklung ihrer Volkswirtschaften dienen und nicht vor allem den Profitinteressen Einzelner. Sie gehen zunehmend bilaterale Handelsbeziehungen ein und arbeiten in Süd-Ostasien, in Latein- und Mittelamerika und sogar im arabischen Raum an dem Aufbau von Währungs- und Wirtschaftsgemeinschaften, die Ähnlichkeit mit der „Europäischen Gemeinschaft“ haben. Solche Gemeinschaften sind geeignet, Schutz zu bieten vor drohenden finanz- und währungspolitischen Turbulenzen. Gleichzeitig fördern sie Wachstum, Frieden und Wohlstand zu allseitigem Nutzen auf dem Boden von Fairness und Vertrauen, wenn es auch manchmal Reibereien gibt, wie beim Zellulosestreit in der Mercosur zwischen Uruguay und Argentinien.

    Heute sind überall Tendenzen spürbar, sich von der Vorherrschaft angloamerikanischer Finanz- und Wirtschaftsmacht und der vorherrschenden neoliberaler Ideologie eines unregulierten, wildwüchsigen Weltmarktes zu befreien oder sich gar davor zu schützen. Diese eher „gelenkte“ und „gezähmte“ Nutzung der Globalisierung scheint weniger krisenanfällig zu sein und scheint weniger den zyklischen Schwankungen eines freien, unregulierten und wildwuchernden Weltmarktes zu unterliegen. Jedenfalls wachsen viele Schwellen- und Entwicklungsländer seit Jahren stabiler und dynamischer, wenn sie bewusst ihre Volkswirtschaften entwickeln und sie nicht den Kräften des „freien Marktes“ überlassen.

    Geholfen haben ihnen dabei die großen globalen Unternehmen und Konzerne nicht aus Nächstenliebe, sondern wurden von den Zwängen des freien Marktes und seines Wettbewerbs getrieben. Bis in die hintersten Winkel der Welt dringen sie vor, immer auf der Suche nach Wettbewerbsvorteilen, Absatzmärkten und billigen Arbeitskräften, denn nur so können sie bei Strafe des Untergangs überleben.
    Kapital- und Technologietransfer, etwa in Form von Direktinvestitionen, können ein Segen sein für die sich entwickelnden Volkswirtschaften, wenn sie Arbeitsplätze schaffen, für den Ausbau von Produktionsstätten und Infrastruktur verwendet werden und das Bildungsniveau und den Lebensstand der Bevölkerung heben. Das Potential und die Märkte sind riesig und die Wachstumschancen können auch und besonders von den entwickelten Industriestaaten zu beiderseitigem Vorteil und in Partnerschaft genutzt werden.
    Einer der Chefvolkswirte der Investmentbank Goldmann Sachs Jim O´Neill vertritt seit Jahren unwidersprochen die Auffassung, „dass die vier BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) im Jahr 2050 ein größeres Gewicht in der Weltwirtschaft haben werden als die heute in der G7 zusammengeschlossenen Industrienationen. Für die Gewinner der Globalisierung spreche vor allem das Arbeitskräfte- und Produktivitätspotential.“(FAZ vom 13.03.07).
    China wird in Kürze voraussichtlich vor Deutschland die Führung als Exportweltmeister übernehmen und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Der Hunger der aufstrebenden Schwellenländer nach Energie und Rohstoffen wird unweigerlich zunehmen. Das Korsett wird von Jahr zu Jahr enger, in das viele Schwellenländer eingeschnürt sind.
    Die aktuelle weltpolitische Situation erinnert ein ganz klein wenig an die Zeit vor den beiden Weltkriegen. Damals betraten die aufstrebenden Wirtschaftsmächte Deutschland und Japan die weltpolitische Bühne, forderten mehr Bewegungsfreiheit für ihre sich rasch entwickelnden Volkswirtschaften und trafen dabei auf eine schon unter den Großmächten aufgeteilte Welt. Dann ging es um die Neuaufteilung der Welt, um die Weltherrschaft, auch mit totalem Krieg.
    Heute propagiert die chinesische Regierung eine Zukunft in „Harmonie“ nach innen und nach außen, obwohl die USA den gesamten Globus mit Handelsniederlassungen und Militärstützpunkten überzogen haben und die aufstrebenden Schwellenländer so in ihrem Bewegungsspielraum immer mehr einengen. Um weiterhin wie bisher die Vorteile der „Globalisierung“ für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften zu nutzen, brauchen die Länder Stabilität, Partnerschaft und Frieden.
    Das ist der Weg, den auch Europa gehen sollte an der Seite der wachsenden Volkswirtschaften, in Partnerschaft und zu gegenseitigem Nutzen. Europa sollte sich nicht den USA anschließen, wenn sie sich auf eine Rivalität mit China einlassen und sich dafür ein Militärbudget leisten, dass fast die Hälfte der gesamten Militärausgaben der Welt ausmacht. Europa sollte das Projekt einer „Transatlantischen Freihandelszone“ zusammen mit den USA als führendes Mitglied der „north atlantic treaty organisation“ (NATO) nicht weiter verfolgen.
    Auch sollten die amerikanischen Pläne einer Raketenabwehr in Polen und Tschechien nicht unterstützt werden, auch dann nicht, wenn sie kein „Nato-Projekt“ sind. Die Nato hat ihren Einflussbereich immerhin schon bis an die Grenze Russlands ausgeweitet.

    Stattdessen sollte sich Europa öffnen für den Weg in eine globale „new economy“, der von vielen Ländern in der Welt beim Aufbau ihrer Volkswirtschaften schon beschritten wird.

    Beste Grüße
    Franz Nolte

    #37941

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