“Frau der weißen Männer”
triumphiert Ulrike Hermann in der TAZ zum Falle Hirsi Ali. Die brauchen sie nun angeblich nicht mehr. So schreibt jemand der mit der Realität verkracht ist. Die Ausbürgerung hat mit den Karriereplänen einer Dame zu tun, deren Verhalten auch hier schon kommentiert wurde. Die “weißen Männer” und Frauen der VVD stützen übrigens Hirsi Ali; und auch ein “brauner Mann” aus einer anderen Partei. Also vor dem nächsten Kommentar in Sachen Niederlande erst einmal die dortigen Medien konsultieren.
Ob es sich für Frau Verdonk gelohnt hat, steht auf einem anderen Blatt:
De aanhang van Verdonk in de strijd om het VVD-lijsttrekkerschap is in één dag flink geslonken, blijkt uit een peiling van het TweeVandaag Opinie Panel onder 250 VVD-leden. Maandag was ze met 49 procent nog de meest populaire kandidaat, dinsdag koos nog 40 procent voor haar. Haar belangrijkste rivaal Mark Rutte, die maandag 4 procent op Verdonk achter lag, kreeg dinsdag de steun van 51 procent en is haar dus voorbijgestreefd.
P.S.: Die Ehre der TAZ rettet Jan Feddersen, in einem differenzierten Artikel. Er verteidigt sie gegen die Unterstellung unlauterer Motive, fragt aber zugleich, ob sie sich wirklich die ehrenvollste Gesellschaft ausgesucht hat.
P.P.S.: Leon de Winter nannte Mevrouw Verdonk in einem anderem, ähnlichem Zusammenhang einmal “betonvlechter”.
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Für manche kann eben kein Vorgang irritierend genug und kein Anlass zu unpassend sein, um, den eigenen politischen Reflexen zum Trotz, nicht mit schlafwandlerischer Sicherheit dem jeweiligen Lieblingsprügelknaben eins überzubraten.
Während auf der einen Seite der gute alte böse weiße Mann für die Rausekelung Hirsi Alis herhalten muss, ist es auf der anderen Seite die bewährte Trias aus Old Europe, der Linken und hegemonialem Kulturrelativismus.
Auch hier spielen im Endeffekt weder Frau Verdonks obszöne Entscheidung noch der Umstand, aufgrund der ständigen Bedrohung durch islamische Fanatiker mit Rundum-Personenschutz leben zu müssen, eine entscheidende Rolle für Hirsi Alis Entschluss zur Emigration:
http://lizaswelt.blogspot.com/.....urope.html
Nun ja, Lizawswelt hält sich zumindest grob an das Faktengerüst, so weit es zum Zeitpunkt der Abfassung bekannt sein konnte.
Clemens Wergin befindet in seinem Tagesspiegel-Kommentar daher vollkommen zu Recht: „Jetzt haben die Niederländer Ayaan Hirsi Ali außer Landes getrieben.“
Für Ulrike Hermann war es der weiße Mann, für Wergin und Liza waren es die Niederländer. Beides ist platt.
Und er macht sich Gedanken über die Hintergründe der erneuten Flucht der Politikerin: „Hirsi Ali hat die gemütliche niederländische Politik zu sehr durcheinander gewirbelt. Indem sie die Probleme der Integration von Muslimen auf drastische Art thematisierte, zerstörte sie die multikulturelle Utopie der holländischen Linken.
Stimmt.
Allerdings sind islamistische Morddrohungen und der daraus resultierende Personenschutz deutlich bedrohlicher sowie Lebensqualität mindernder als getroffene Linke, die bellen.
Und den Rechten in der Regierung diente ihr Fall dann als Exempel dafür, dass man bei der neuen harten Einwanderungslinie keine Kompromisse macht – nicht mal für eine Verteidigerin demokratischer Werte.
Das trifft offenbar nur für eine Minderheit der Rechten in der Regierung zu.
Ein Gericht hat sie dann auch noch aus ihrer Wohnung hinausgeschmissen, nachdem Nachbarn geklagt hatten, die Parlamentsabgeordnete stelle ein Sicherheitsrisiko dar.” Dem kann man nur beipflichten.
Und auch dieser Vorgang scheint mir schwerwiegender als linkes Gezeter.
Genauso wie Wergins Resümee: „Verständlich, dass Hirsi Ali in solch einem Land nicht bleiben will und in die USA auswandert. Die Botschaft dieser Affäre ist allerdings deprimierend. Offenbar haben viele autochthone Europäer ein Problem damit, wenn eingewanderte Muslime sie an die eigenen liberalen Werte erinnern.
Ja, einige.
Man könnte fast den Eindruck bekommen, die unterdrückte muslimische Frau, die wenigstens den Mund hält, ist den Europäern lieber als eine wie Hirsi Ali, die sich mit unbequemen Wahrheiten zu Wort meldet.
Ja.
Im gegebenen Kontext leuchtet mir nüchtern betrachtet jedoch nicht ein, wieso Political Correctness und Multikultikuschelei – und darum geht es im zuletzt zitierten Absatz – ein triftigerer Fluchtgrund sein soll, als eine miese Ministerin, ein paar miese Nachbarn und ein mieser Richter, ganz zu schweigen von mordhungrigen Islamisten.
Davon jedenfalls können auch deutsch-türkische Frauenrechtlerinnen wie Necla Kelek und Seyran Ates ein Lied singen.“
Linke wie Mark Terkessides, Ulrike Hermann oder die Unsägliche sind sauer auf Necla Kelek und Seyran Ates. Das Genöle von politisch Korrekten steht jedoch glücklicherweise kaum in einem Verhältnis zu den Widrigkeiten und Widerlichkeiten, mit denen Ayaan Hirsi Ali konfrontiert war bzw. ist.
Ayaan Hirsi Alis neuerliche Emigration ist die Folge des längst auch in Holland hegemonialen Kulturrelativismus’, der einmal mehr Beute gemacht hat. Das ist eine niederschmetternde Erkenntnis.
Nein, das ist Geschwurbel.
Mordhungrige Islamisten, Rita Verdonk, die Nachbarn und der Richter sind zurechnungsfähige Personen und keine Kulturrelativisten.
Und auch wenn man nun sagt, das Verhalten mordhungriger Islamisten, Rita Dingdongs, Hirsi Alis Nachbarn und des Richters sei sämtlich mittelbar durch Kulturrelativismus begünstigt worden, zeugt die Wertung Ayaan Hirsi Alis neuerliche Emigration ist die Folge des längst auch in Holland hegemonialen Kulturrelativismus’ immer noch von Unterkomplexität bzw. dem Drang, den üblichen Verdächtigen auch dann eins überzubraten, wenn wenig Anlass dazu besteht.
Apropos Kulturrelativismus: Wenn Ayaan Hirsi Ali die multikulturelle Utopie der niederländischen Linken zerstört hat, wie kann dann der Kulturrelativismus in den Niederlanden immer noch hegemonial sein?
Lieber Herr Neumann,
haben Sie das auch beim Verfasser gepostet?
Aber im Ernst: So weit ich dazu kam die Entwicklung zu verfolgen, geht die Empörung über die angedrohte Ausbürgerung quer durch die politischen Lager. Eine Solidaritätserklärung des aus Marokko stammenden Sozialdemokraten Aboutaleb habe ich ja verlinkt.Wenngleich ich meine, dass Hirsi Ali in vielem Recht hat, fand ich die Wahl ihrer Bündnispartner nie besonders glücklich, ja ich hielt es ohnehin für problematisch diese Anliegen in das arteißpolitische Gezänk hineinzuzerren.