Deutschtürkischer Putsch in den Niederlanden
So ähnlich klangen Schlagzeilen in der niederländischen Presse am 15.5. und 16.5. In der Aufregung über die drohende Ausbürgerung von Ayaan Hirsi Ali ging fast unter, dass sich parallel dazu ein Ereignis abspielte, das für das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen in unserem Nachbarland kaum weniger wichtig ist. Hacı Karacaer, der Leiter der Sektion “Niederlande-Nord” von Milli Görüş, gab sein Amt auf. An seine Stelle trat ein Herr Öner Hamurcu, von dem das “NRC Handelsblad” zu berichten weiß:
De nieuwe voorzitter is dan net vertrokken in een Mercedes met Duitse kenteken naar een nabijgelegen restaurant.
Er bestreitet jedoch, dass die Kölner Zentrale eine Rolle gespielt habe, und behauptet:
We hebben ideologische banden met Keulen, geen juridische. We blijven autonoom.
Doch auf deren Website liest es sich unter der Rubrik “Struktur” etwas anders:
Die IGMG unterhält Moscheegemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien, England, Dänemark, Schweden und Norwegen. Organisatorisch sind die lokalen Gemeinden zu Regionalverbänden zusammengefasst. Die IGMG bietet ihre Leistungen in insgesamt 30 europäischen Regionalverbänden an, von denen sich 15 in Deutschland befinden. Dies sind die Regionalverbände Hamburg, Bremen, Berlin, Hannover, Nördliches Ruhrgebiet, Ruhrgebiet A, Düsseldorf, Köln, Hessen, Rhein-Saar, Stuttgart, Schwaben, Freiburg, Nördliches Bayern und Südliches Bayern. In den anderen europäischen Ländern existieren mit Paris, Straßburg, Lyon und Annecy vier Regionalverbände in Frankreich, in Österreich und in den Niederlanden gibt es mit Österreich-1, Österreich-2 und Nördliche Niederlande, Südliche Niederlande jeweils zwei Verbände. In der Schweiz, Italien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien und England ist die IGMG mit je einem Nationalverband vertreten.
Karacaer war in den Niederlanden als “Superturk” bekannt und populär geworden, weil er sich dezidiert von islamistischen Positionen absetzte. Er erklärte es für zulässig das Muslime ihren Glauben wechseln und bekämpfte Homophobie und Antisemitismus in islamischen Gemeinden. Er war daher auch ein gern gesehener Ansprechpartner für Politik und Verwaltung, etwa im Amsterdamer Stadtteil De Baarsjes, wo er zusammen mit einer marokkanischen (?) und einer indisch-surinamesischen Moscheegemeinde einen Vertrag unterzeichnete, in dem die Meinungsfreiheit garantiert und der Kampf gegen Extremismus zugesagt wird . Seine Auffassungen legte er für den VOLKSKRANT noch einmal dar, zugleich betonte er jedoch, dass sein Rücktritt freiwillig erfolgt sei. Gleichwohl sind seine ehemaligen Gesprächspartner skeptisch, ob die bisherige Kooperation sinnvoll fortgesetzt werden kann, weiß “Het Parool” zu berichten.
Für den Hinweis auf den Vorfall danke ich Claudia Dantschke.
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[...] entgegengenommen…. +++ Und hier noch ein paar Bestofs von Martin Riexinger: Karacaer Pfui, Herr Pflüger! [...]