Noch einmal Heine-Preis
In der Diskussion der letzten Tage wurde er immer als ein Literaturpreis dargestellt. Laut Satzung ist er dies aber gar nicht:
2. Der Heine-Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten.
Als Dichter sind denn auch einige der Preisträger gar nicht in Erscheinung getreten: Gräfin Dönhoff (1987), der französische Germanist Bertaux (1975) und der polnische Historiker Bartoszewski (1996) und die Brüder Weizsäcker (C.F. 1983, R. 1991). Handke sollte also selbstredend nach den genannten Maßstäben beurteilt werden.
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Können Sie mir dann mal erklären warum Robert Gernhardt den Heine Preis bekommen hat? Was hat Robert Gernhardt denn bitte für den politischen und sozialen Fortschritt getan?
Der Preis wurde niemals nach diesen Richtlinien vergeben. Diese Richtlinien sind ein Muster ohne Wert, nichtsagende harmlose Prosa in den Augen von Heine ganz sicher.
Und was mich an dieser Debatte am meisten in Rage versetzt ist dieser ständig wiederkehrende buchalterische Hinweis auf irgendwelche Satzungen die bei der Entscheidung aus gutem Grunde keine Rolle gespielt haben.
Man mag sich winden und wenden wie man will man muss halt damit leben, dass der Heine Preis mit dieser Posse zu einem Gesinnungspreis pervertiert wurde. Und jeder der dies dann auch noch wohlfeil verteidigt macht sich halt mit den Gesinnungsschnüfflern gemein. Alles im Rahmen des rechtstaatlich zulässigen; eigentlich kein Problem.
Aber faule Eier sind eigentlich auch kein Problem, sie stinken halt.
Der Preis ist vo der Anlage her ein “Gesinnungspreis”, und zumindest in den ersten Jahrzehnten wurde der Preis der Satzung entsprechend vergeben, wie sie aus der Liste der Preisträger ersehen können. Warum der Preis zu einem Literaturpreis mutierte, als der er nicht konzipiert war, weiß ich nicht.
Auf die Satzung wird nicht ständig verwiesen. Ich bin so dreist, mir einzubilden, dass einige Journalisten, durch mich auf diesen Sachverhalt aufmerksam wurden. Es wurde vielmehr ständig von Handkes Verteidigern hervorgehoben, dass Handkes literarisches Wirken nicht dessen politische Statements im Vordergrund zu stehen habe.
Was das Buchhalterische angeht: Immerhin handelt es sich bei dem Preis um öffentliche Gelder.