Kein Bürgerkrieg in der Türkei?
Hier eine zweite Salve auf den von S & W gelobten Artikel bei “Si vis Pacem“.
Dort heißt es unter der Rubrik a list of what Turkey has done without since its founding:
- Wars of aggression against sovereign countries
-Killing of minorities or opposition groups
-Civil War
Fangen wir mal von hinten an. In den 1970er Jahren eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen Linken auf der einen und Nationalisten und Islamisten auf der anderen Seite, letztere bekämpften sich aber zuweilen auch gegenseitig. 1978 – 1980 forderten diese Auseinandersetzungen fast täglich Todesopfer. Höhepunkte waren Ausschreitungen gegen die als links geltende religiöse Minderheit der Aleviten in den Städten Kahramanmaraş (1978) und Çorum (1980), die mehrere Dutzenden Menschen das Leben kosteten.
Mit dem Bürgerkrieg ist die Frage des Tötens von Minderheiten und Oppositionsgruppen verbunden. Ist denn der Kurdenkonflikt völlig in Vergessenheit geraten? Die Eskalation ist natürlich nicht allein auf die Minderheitenpolitik der türkischen Regierung zurückzuführen, da die linkstotalitäre PKK an ihr einen erheblichen Anteil hat. Dass auch in dieser Frage das Türkeibild geschönt ist, belegt dies gleichwohl. Völlig ignoriert wird mit so einer Behauptung daneben, dass die Kämpfe zwischen Armee und PKK zu einem Exodus religiöser und ethnischer Gruppen geführt haben, die zwischen die Fronten gerieten (v.a. die syrisch-orthodoxen Christen und die Yeziden).
Und zum Schluss: Was geschah noch mal 1974 auf Zypern?
Über den aus meiner Sicht prinzipiell wünschenswerten EU-Beitritt der Türkei, kann aus nur auf der Grundlage einer realistischen Einschätzung türkischer Realitäten sinnvoll diskutiert werden. Angesichts der Tatsache, dass momentan einige der genannten Konflikte wieder aufbrechen (siehe Archiv) ist für die nähere Zukunft eher Behutsamkeit angeraten.
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