Ausländer raus!

Monday, July 10, 2006
Von Martin Riexinger

Rahşan, die Ehefrau des linksnationalistischen früheren Ministerpräsidenten Bülent Ecevit schürt in der Türkei die Überfremdungsangst, wie die heutige MİLLİYET berichtet (tr.):

Ganz Thrakien haben die Griechen gekauft, Hatay (Antakya an der syrischen Grenze, M.R.) ist verlorengegangen, das Bewässerungsgebiet im Südosten haben die Juden gegrabscht und die (armenischen, M.R.) Ruinen von Ani haben sich englische Firmen unter den Nagel gerissen! (Übersetzung M.R.)

Der Journalist Can Dündar ist der Sache nachgegangen. Der – übrigens erst seit kurzem zulässige – freie Erwerb von Immobilien bis 2,5 ha durch Ausländer konzentriert sich auf Istanbul und die Marmararegion sowie die Feriengebiete des Südwestens. In den strategisch wichtigen Regionen des Südostens wurden hingegen nur sehr wenige Immobilien erworben. Richtig ist allenfalls, dass die griechischen Erzfeinde als Käufer an der ersten Stelle stehen, in etwa gleichauf mit den Deutschen. Jene kaufen gerne a) im Ägäishinterland oder b) am Schwarzen Meer. In Region a) gibt es kein Meer, in Region b) regnet es viel, weshalb man vermuten darf, dass die deutschen Käufer, keine sonnenhungrigen Pensionäre sind, sondern eingebürgerte Deutschtürken, die in ihrer Heimat ein Grundstück erwerben. Israelis spielen (anders als Syrer) keine bedeutende Rolle als Immobilienkäufer. Dazu gibt es auch eine Karte (JPEG).
Wenngleich der hysterische Ausfall von Frau Ecevit fast jeglicher Grundlage entbehrt, ist er doch typisch für die xenophoben Kampagnen, mit denen diverse politische Strömungen von rechts und links gegen die Öffnung der Türkei nach Europa agitieren.

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One Response to “Ausländer raus!”

  1. Dass die Griechen an erster Steller ausländischer Immobilienkäufer in der Türkei stehen, habe ich auch kürzlich erst in einer griechischen Quelle gelesen (phantis.gr), allerdings führte der angegebene Link immer nur zu einer Seite ohne Inhalt.

    Was nicht ist, kann aber noch werden, wenn die Türkei tatsächlich EU-Mitglied werden sollte.

    #4464

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