Ähnliche Fälle?
Wenn man sich im Internet so die Kommentare zur Situation im Gazastreifen und der Reaktion Israels auf die Entführung eines Soldaten seiner Armee anschaut, dann hat man häufig den Eindruck, es habe nie einen Rückzug aus Gaza gegeben. Da liest man von Besatzung und Unterdrückung, davon, dass dem einen sein Terrorist, was dem anderen sein Freiheitskämpfer ist, von der Furcht palästinensischer Kinder vor militärischen Attacken Israels, der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit der Bevölkerung im Gazastreifen undundund…. aber die Tatsache, dass Sharon im letzten Jahr jegliche jüdische Präsenz im Gazastreifen beseitigt und dass sein Nachfolger angekündigt hat, den Weg mit einem weitestgehenden Abzug aus dem Westjordanland fortzusetzen, wird komplett ignoriert.
Ein Mann namens Volker Perthes, der es irgendwie geschafft hat, sich einen Ruf als Nahostfachmann einzuhandeln, darf jetzt bei Spiegel Online ein bisschen spekulieren, warum wohl Israel keine Bereitschaft zeigt, mit der Hamas zu verhandeln:
Es sei denkbar, sagt der Leiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Volker Perthes, dass die Hisbollah damit [der Entführung zweier israelischer Soldaten an der Nordgrenze-MK] auf einen Widerspruch der israelischen Politik hinweisen will: Während Israel einen Austausch von Gefangenen mit der Hamas ablehnt, hat sie in ähnlichen Fällen mit der Hisbollah verhandelt. Zuletzt war dies 2004 der Fall, als Israel für einen Geschäftsmann und die Leichen dreier Soldaten 436 arabische Häftlinge entließ. Deutschlands Nachrichtendienst war damals bei der Vermittlung behilflich. 1985 ließ Israel gar 1150 Libanesen im Tausch für drei Soldaten laufen.
Warum aber sollte Israel über eine Geiselnahme verhandeln, nachdem es sich zuvor bedingungslos aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat? Mit dem Rückzug aus Gaza ist die palästinensische Bevölkerung, bzw. zumindest die PA gefordert, ihrerseits Israel eine Friedensdividende zu ermöglichen, die Anreize zu einem weiteren Rückzug (nämlich von Teilen der Westbank) und eventuell auch von Gefangenen aus israelischen Gefängnissen schafft.
Eine Verhandlung in dieser Situation würde bedeuten, die Sichtweise der Hamas, dass der Rückzug aus Gaza nur ein Zeichen israelischer Schwäche ist, anzuerkennen und zu bestätigen. Oder einfacher gesagt: Schon mit der Hisbollah hätte eigentlich nicht verhandelt werden dürfen, zumindest nicht nach dem Rückzug aus dem Libanon im Mai 2000.
Das ist die Konsequenz, die Olmert gezogen hat und die Perthes nicht begreift.
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Es sei denkbar, sagt der Leiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Volker Perthes, dass die Hisbollah damit [der Entführung zweier israelischer Soldaten an der Nordgrenze-MK] auf einen Widerspruch der israelischen Politik hinweisen will:
Das klingt beinahe so, als ob die Hisbollah bei Perthes eine Seminararbeit geschrieben hätte, bei deren Korrektur er ein wüst geratenes Kapitel mit viel Wohlwollen als sachdienlich eingeordnet hat.
Schon mit der Hisbollah hätte eigentlich nicht verhandelt werden dürfen, zumindest nicht nach dem Rückzug aus dem Libanon im Mai 2000.
Zustimmung.
Damit hat die Regierung Scharon leider den Anreiz für Entführungen israelischer Soldaten bzw. Staatsbürger erhöht.
Zumal 2004 ein Missverhältnis zwischen israelischer Leistung und der Gegenleistung der Hisbollah bestand. Und zwar auch anbetracht der Tatsache, dass an den Händen vieler der aus israelischer Haft entlassenen Häftlinge vergleichsweise wenig Blut klebte und etliche darunter bereits einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Strafe abgesessen hatten.
Wenn schon über einen Austausch verhandeln, dann unter der Maßgabe eines halbwegs äquivalenten Tauschs.
(Wenn die Regierung Olmert sinngemäß jetzt sagen würde OK, wir verhandeln über einen Austausch, aber nur im Verhältnis 1:1, wäre es zumindest vergleichsweise spannend, zu beobachten, was dazu den üblichen Verdächtigen unter den Nahostexperten einfiele.)
Das ist die Konsequenz, die Olmert gezogen hat und die Perthes nicht begreift.
Perthes begreift so einiges nicht; ich vermute jedoch schon, dass er Olmerts richtige Konsequenz begreift. Was nicht heißen soll, dass er sie teilt.
“Das klingt beinahe so, als ob die Hisbollah bei Perthes eine Seminararbeit geschrieben hätte, bei deren Korrektur er ein wüst geratenes Kapitel mit viel Wohlwollen als sachdienlich eingeordnet hat.”
Das ist ein starkes Bild, bravo!