Leider kann ich kein Ungarisch
Der Auszug des Perlentauchers aus einem Interview mit Imre Kertész erregt mein Interesse nämlich aufs Höchste:
–––Eine neue und wirksame Möglichkeit des Antisemitismus bietet in demokratischen Staaten die Kritik an Israel – vor allem, wenn Israel Grund zur Kritik gibt, was übrigens auch andere Staaten tun, die nicht um ihre Existenz kämpfen müssen. Eine Sprache wurde entwickelt, die ich Euro-Antisemitismus nennen möchte. Für einen Euro-Antisemiten ist es kein Widerspruch, der Opfer des Holocausts in tiefer Trauer zu gedenken und im nächsten Satz unter dem Vorwand der Israel-Kritik antisemitische Äußerungen von sich zu geben. Man hat es schon so oft wiederholt, dass es fast zum Klischee wurde: die Erinnerung an den Holocaust ist notwendig, damit es nie wieder passieren kann. Aber seit Auschwitz ist eigentlich nichts passiert, was ein neues Auschwitz unmöglich macht. Im Gegenteil. Vor Auschwitz war Auschwitz unvorstellbar, heute ist es das nicht mehr. Da Auschwitz in Wirklichkeit passierte, ist es in unsere Fantasie eingedrungen, wurde ein fester Bestandteil von uns. Was wir uns vorstellen können, weil es in Wirklichkeit passiert ist, das kann wieder passieren.


[...] nischkundigen Leser, der das wesentliche zusammenfassen könnte? — Siehe auch: • Leider kann ich kein Ungarisch, 2. August 2006.
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