Ein Bierchen haben sie ihm doch angeboten, die Mitbewohner.
By Martin Riexinger · August 23, 2006
So könnte man billig witzeln, angesichts der Appells der deutschen Studentenwerke, “sich ausländischen Studenten zu öffnen“. Wieder der klassische Denkfehler, dass alle Probleme auf das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft zurückzuführen seien. Bei einem “Flown-in-Terrorist” ist diese Vorstellung reichlich naiv.
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25 Responses to “Ein Bierchen haben sie ihm doch angeboten, die Mitbewohner.”
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Nicht Bierchen (unislamisches Angebot, dass “Flown-in-Terrorists” womöglich zum Explodieren bringen könnte, und das wollen wir ja nicht), aber Jointchen.
http://blog.transatlantic-foru.....r-libanese
Mein lieber Herr Riexinger
Sie und Herr Kreutz haben sich in ihrer Ausbildung mit dem Islam und dem Orient beschäftigt. Da liegt der Kontakt mit Moslems nahe.
Andere haben ebenfalls in ihrer Ausbildung intensiven Kontakt mit Moslems gehabt. Bei mir war es ein technisches Fach, der Anteil der Moslems schwankte zwischen 20 und 50 %, je nach Industrieprojekt, für die die Studenten ausgebildet wurden.
Ihrer Logik und der Schlußfolgerung kann ich nicht ganz folgen.
Als ich studierte, war Chomeini gerade zurück und der Krieg mit dem Irak begann. Das war eine recht aufgeheizte Situation, es gab in der Fachschaft hitzige Wortgefechte, an denen sich eigentlich alle Moslems beteiligten. Was eine Diskussion mit Hitzköpfen bedeutet, weiß ich nur zu gut. Da ich als Deutscher ebenfalls in einem Land zu nahe der Sonne geboren bin, kann ich damit umgehen.
Natürlich haben wir Inflow-Militante erlebt, die so kamen und es blieben. Aber wir haben auch moslemische inflow-Militante erlebt, die dank der regen Fachschaft fast schon zu westlich wurden. Gilt auch für Chinesen, Japaner und Südamerikaner. Und wir haben auch Studenten erlebt, die hier erst militant wurden. Senghor hat das mal so gesagt. Alle Studenten, die wir nach Russland schicken, kommen als Antikommunisten zurück, alle die wir nach Paris schicken, als Kommunisten.
Bei den meisten moslemischen Mitstudenten kannten wir dank des regen Lebens in der Fachschaft, daß auch private Veranstaltungen, auch mit den Professoren einschloß, ihre Einstellungen und gaben ihnen vor allem Contra, wenn es in der Diskussion hoch her ging. Ingenieure sind keine Weicheier, die scheuen keine verbale Auseinandersetzungen. Nichtsagende Aussagen über moslemisch Mitstudenten hätten wir also nicht liefern können. Wer Militant war, wußten wir schon und wir nahmen oft genug wahr, mit wem sie sich außerhalb des Fachbereiches trafen.
Natürlich gab es auch deutsche Studenten, die nicht sehr aktiv in der Fachschaft waren. Die hätten nie und nimmer gewußt, wie welcher moslemische Mitstudent drauf war.
Was ist der Vorteil einer aktiven Fachschaft.
1. Wir kannten unsere Papenheimer.
2. Rede und Gegenrede im Disput schaukelt nicht auf, sondern entladen
Moslemischen Zellen bilden sich eher an anonymen Fachbereichen und Instituten, wo man sich außerhalb der Arbeit nicht kennt und von Anfang an nichts gemeinsames unternimmt.
Ach so, was natürlich auch geholfen hat, war ein Interesse an den Kulturen und Sprachen des mittleren Ostens. Viele von uns hatten, das ist für Ingenieurstudenten und -professoren ungewöhnlich, ein Faible z.B. für Lyrik, Architektur und Geschichte. Hilft ungemein in der interkulturellen Kommunikation.
Ich habe gar nichts gegen solche Aktivitäten, ich halte sie jedoch nicht für ein Mittel, das geeignet wäre, Gestalten, die schon vorgeprägt hier ankommen, zu integriere, wie der Studentenwerksfunktionär es behauptet.
Herr Riexinger,
1. Viele linke Studenten würden Moslems eher bestärken. Ingenieurstudenten und erst recht ihre Professoren sind selten links.
2. Wenn ein junger Moslem nach Europa kommt, ist er, abhängig von der Familie, oft indoktriniert. Die Frage ist, wie er die Abwesenheit von Zuhause, fern der Familie, erlebt. Diese Freiheit bedeutet ja auch eigenständige Entwicklung. Dann kann er der Familie entgleiten. Das haben wir oft genug erlebt. Heute ist das schwieriger, es gibt Satellitenfernsehen und billiges Telefonieren und Reisen. Diese Möglichkeiten hatten damalige Studenten nicht. Damit entfielen viele heute möglichen Wiederauffrischungen der Indoktrination.
3. Wenn er seine Vorprägung aufrecht erhält, fühlt er sich in einer Umgebung mit regen Aktivitäten nicht wohl und verläßt diese Umgebung. Problematisch ist es, wenn er sich danach noch in Deutschland aufhält, da gäbe ich Ihnen recht. Subkulturen, die ihn aufnehmen, gibt es genug.
Nachtrag:
Zudem scheint Youssef. M. nur im studentischen Umfeld wenig kontaktfreudig gewesen zu sein. Ich bezweifle, dass sich solch eine Studentenleben, wie sie es skizzieren heute noch durchsetzen lässt, außer vielleicht in Clausthal-Zellerfeld, wo sonst nichts los ist. Aber selbst das verhindert nicht, dass man auf die Idee kommt, den Muslim-Markt zu gründen.
Anders als 1979 besteht heute fast überall die Möglichkeit, in communities aus dem Heimatland Anschluss zu finden.
@Herr Riexinger
Mit Gewalt durchsetzen mußten wir nichts. Das ist auch heute noch so, allerdings nicht mehr in Berlin. Fundamentalisten meiden eher solche Fächer, zumal die Kopplung an Industrieprojekte so nicht mehr besteht.
Diese Communities gibt es, wem sagen sie das. Da sind durch den Wegzug von Einheimischen und arrivierten Immigranten Freiräume entstanden. In einem solchen Freiraum, es ist Neukölln unweit der Rütli-Schule, verbringe ich ein Großteil meiner Freizeit.
Moslems begegnen mir nicht nur bei Studium, sondern auch bei der Arbeit. Gut möglich, das ich einen der Interviewten in Duisburg Hochfeld aus der Arbeit im Stahlwerk persönlich kenne. Entweder ihn oder einen älteren Verwandten. Im Privatleben bleiben sie unter sich, in den Unternehmen geht das nicht. Das wäre ein Ansatzpunkt.
Die Jugendlichen in diesen Subkulturen kann man erreichen, selbst als Lehrerin. Allerdings sind nur wenige Pädagogen dazu fähig, da gäbe ich Ihnen recht. Viele lernen nur den Beruf Lehrer, wenige sind berufen. Die zu wenigen Berufenen haben mit den Rütli-Jugendlichen keine Probleme. Das es geht, auch heute noch, erlebe ich.
Ich denke eben, das sind die beiden entscheidenden Punkte.
Während meiner Studienzeit war ich in zwei Fachschaften aktiv, und zwar vom ersten Semester an. Die Fachschaft Orientalistik war dabei über all die Jahre immer gemischt was die Herkunft betrifft. Weder von deutscher noch von arabischer, bzw. muslimischer Seite gab es Berührungsängste. Wir haben Feiern organisiert und uns auch privat getroffen; ich war häufig in Studentenwohnheimen bei arabischen Kommilitonen oder solchen aus anderen muslimischen Ländern, und die Herkunft oder die Religion hat bei all diesen Kontakten nie eine Rolle gespielt. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Dass Muslime - Araber oder andere - jemals im Abseits gestanden hätten, kann ich nicht bestätigen.
Ganz anders dagegen sah es im Fachbereich Neugriechisch aus. Da gab es fast nur Studenten griechischer Herkunft, und es war sehr schwer, dort Kontakte zu knüpfen. Ein Fachschaftsrat hat sich dort übrigens nie konstituiert, und zwar schon vor meiner Zeit, weil es einfach kein Interesse daran gab. Als Deutscher war man in dem Fachbereich übrigens ein ziemlicher Exot.
Nun, während meiner Studienzeit bin ich auf allen möglichen Partys gewesen, darunter regelmässig auch solche, die von arabischen oder türkischen Studentenvereinen organisiert wurden. Und immer kannte man Leute, mit denen man gemeinsam hinging und andere, die man dort traf. Mit Ausnahme der griechischen Feiern: Ich ging zwar immer mit Freunden hin, aber andere Leute lernte man nicht kennen; griechische Kommilitonen, die ich vom Studium her kannte, taten so, als würden sie mich nicht kennen (und der Grund ist nicht der, dass wir uns etwa spinnefeind gewesen wären…).
Dieselbe Erfahrung habe ich später immer wieder in Griechenland gemacht (und ich habe wirklich keine schlechte Meinung über das Land): Dass die Menschen dort mit anderen Menschen nichts zu tun haben wollen. Man kann auf die Bank gehen und eine Transaktion tätigen, ohne dass einen der Bankangestellte ansieht; man kann auf die Post gehen, ohne dass der Postbeamte einen auch nur eines Blickes würdigt; jedesmal, wenn ich in einem griechischen Cafe einen Frappé bestelle - ganz egal wo in Hellas - habe ich den Eindruck, die Kellnerin betrachtet jede Bestellung als eine Zumutung. Wenn es irgendein Land auf der Welt gibt, in dem augenscheinlich 95% der Menschen stur, abweisend und kontaktscheu sind, dann - sorry - ist das Griechenland.
Und was sagt uns das alles? - Nichts! Der Grad der Integration und eine Hinwendung zur Gewalt und zum Terrorismus sind offensichtlich überhaupt nicht davon abhängig, ob eine Gruppe eher offen oder eher geschlossen ist, ob gute Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft bestehen oder nicht. Ich kenne auch andere Deutsche, die mit griechischen Studierenden exakt dieselbe Erfahrung gemacht haben (dagegen niemanden, der mir das Gegenteil erzählt hätte), aber ein Terrorismus im Namen des Ellinismós oder des griechisch-orthodoxen Christentums existiert trotzdem nicht.
@M. Kreutz
Den letzten Satz interpretier ich als Frage und antworte mit
1. Poverty, Political Freedom and the Roots of Terrorism
http://ksghome.harvard.edu/~.a.....edom%22%22
countries in some intermediate range of political freedom are shown to be more prone to terrorism than countries with high levels of political freedom or countries with highly authoritarian regimes. This result suggests that, as experienced recently in Iraq and previously in Spain and Russia, transitions from an authoritarian regime to a democracy may be accompanied by temporary increases in terrorism.
2. Das Ende der “arabischen Welt” von Kenneth Stein
http://www.ismi.emory.edu/Jour.....june06.pdf
z.B. der zweite Abschnitt auf Seite 6
Meine Erfahrungen mit Griechen beim Studium und im Stahlwerk sowie begrenzt in Griechenland sind gegenteilig, aber wahrscheinlich nicht repräsentativ.
doch, herr kreutz, ich habe als student die gegenteiligen
erfahrungen gemacht. ich habe nicht nur mit griech. studenten zusammengearbeitet und in der mensa mit ihnen gegessen
und gesprochen und parties gefeiert, ich habe sogar mit einem
zusammen gewohnt. wir haben sogar mal zu dritt zusammen
gewohnt,ein grieche, ein perser und ich, bei einem
katholischen pfarrer in dortmund. wir haben aber nicht gekifft.
also waren wir wohl keine linken. überhaupt habe ich zu beginn
meines studiums sehr viel mit griechen und persern zu tun
gehabt. die perser waren alle keine terroristen.
chodar-e-fez
Khoda hafez.
Ein interessanter Beitrag zu Griechen in Amerika: Hier.
… das können Sie ja nun nicht auf Hellas beziehen.
Wer hat was anderes behauptet?
@Herr Kreutz
das beziehe ich auch nicht auf Griechenland. Ich bin mit Kenneth Stein (2. link) in der Beurteilung einig, daß die Regierungen des mittleren Ostens daran scheitern, ein gemeinsames Gefühl für Staatsbürgerschaft und Pluralismus in ihren Bevölkerungen aufzubauen. Im Prinzip sind das immer noch Staaten in den Geburtswehen. Man denkt noch in Kategorien wie Stamm, Sippe, Sekte. Da ist Terrorismus nicht selten. Das Konzept des einheitlichen Nationalstaates ist bei diesen Staaten nicht anwendbar.
doch, herr kreutz, ich habe als student die gegenteiligen
erfahrungen gemacht.
Möglicherweise existiert ein gruppendynamisch induzierter Unterschied zwischen verhältnismäßig vielen griechischen bzw. deutsch-griechischen Studenten am Fachbereich Neugriechisch und verhältnismäßig wenigen griechischen bzw. deutsch-griechischen Studenten an anderen Fachbereichen.
Darüber hinaus wäre es zumindest plausibel, dass vergleichsweise viele (Deutsch-)Griechen, die in Deutschland Neugriechisch studieren, durch eine vergleichsweise stärker ausgeprägte Bindung an die griechische Sprache, Kultur, Nation und Landsleute auch losgelöst von der Gruppendynamik am Fachbereich ein vergleichsweise geringeres, nicht unbedingt bewusstes Bedürfnis haben, Kontakte mit nicht-griechischen Kommilitonen zu pflegen.
@ Libero
Ich hoffe, Sie sind sich darüber im klaren, dass Ihre Ansicht in hohem Masse politisch inkorrekt ist. Der von mir geschätzte Efraim Karsh (s. Blogroll) schrieb einmal:
Damit hat er sich in der Zunft der Nahosthistoriker sehr unbeliebt gemacht….
@ N. Neumann
Nein, meine Beobachtungen und Erfahrungen beziehen sich auch auf Griechenland.
Ich muss hier auch eigentlich nicht erwähnen, dass ich griechische Freunde habe. Ich spreche von TENDENZEN innerhalb der griechischen Gesellschaft, bzw. community.
@M. Kreutz
Ich kenne Prof. Karsh nicht. Das Erreichbare habe ich kopiert. Dafür kenne ich “Verrat in schwarzen Zelten” und einige Berichte von Entdeckungsreisenden.
Allerdings bin ich mißtrauisch, wenn bei einem langandauernden Konflikt ein Opponent meint, die Schuld am Konflikt liegt ausschließlich bei der Gegenseite.
Dann verrate ich Ihnen mal ein Geheimnis: Sie werden überhaupt keinen Konflikt finden, bei dem nicht die eine Seite die Schuld daran der anderen gibt.
Vielleich ist die Sache mit den Bierchen doch nicht so trivial. Bekannte, welche die Entwicklunegn unter arabischen und türkischen Studenten über die Jahrzehnte verfolgt haben, bnehmen eine stetige Zunahme der religiös orientierten wahr. Mit anti-imperialistischen Phrasendreschern alten Schlages mag man politisch nicht einer Meinung sein, lebensweltlich gibt es doch Berührungspunkte.
Schwerer wiegt in dieser Hinsicht u.U. die Ablehnung gemeinsamer Aktivitäten von Männlein und Weiblein.
Aber eine TU um 1980 dürfte für Radikalislamisten in dieser Hinsicht unbedenklich gewesen sei;-)
@M.Kreutz
Mit Opponenten meinte ich dem Fall eigentlich wissenschaftliche Opponenten des Prof. Karsh.
Sicherlich ist alles berechtigt, was er gegen Araber anführt, aber vielleicht fällt es nur mir auf. Wenn ich Prof. Karsh lese, lese ich nur etwas von gewissenlosen und niederträchtigen Arabern, von Menschen, die das Böse an sich repräsentieren. Damalige und gegenwärtige Araber, über die er Positives zu schreiben weiß, scheint es nicht zu geben.
Vielleich ist die Sache mit den Bierchen doch nicht so trivial.
Zumal Abstinenzler unterschiedlicher Beweggründe (Religion, persönlicher Geschmack, schlechte Rollenvorbilder innerhalb der Familie, Medizinisches) bei Weitem nicht notwendigerweise die Gesellschaft von Biertrinkern meiden, anders geartete Kaltgetränke meistens nicht außer Reichweite sind und auch nicht jede studentische Einladung auf Bierchen im kollektiven Primatenstadium endet.
Nicht Bierchen (unislamisches Angebot, dass “Flown-in-Terrorists” womöglich zum Explodieren bringen könnte, und das wollen wir ja nicht), aber Jointchen.
Ein türkisch-kurdischstämmiger Freund (Alevit), der vor allem gerne Kölsch trinkt, hat während seiner Studienzeit hin und wieder mit einem Afghanen und einem Libanesen, die beide so gut wie nie Alkohol tranken, gekifft.
Er fand die Konstellation natürlich ulkig (”fehlt nur noch ein Marokkaner, hihi”) bzw. merkwürdig (”Bier pfui, Hanf hui?!”). Die beiden wiesen ihn jedoch sinngemäß darauf hin, dass ihr Konsumverhalten gemessen an ihrer Herkunft, ähnlich wie in Marokko, kulturell so abnorm nicht sei und dementsprechend mithin erst maßloser Konsum als gesellschaftlich inakzeptabel gelten würde.
Einige Zeitungen berichten, das der Libanese in Diskussion alles andere als unauffällig war und auch bei einer Demonstration leicht erkennbar mitmarschierte. Das waren eigentlich genug Indizien.
Wir haben wohl das Problem, das die Weitergabe solcher Informationen in Deutschland noch als Denunziation gewertet wird.
Das können wir schnell klären. Karsh sagt:
Sie brauchen keine Angst zu haben, Karsh sagt nicht Böses über Araber.
Madeleine Bunting erklärt es uns:
Nee, kontaktarm war er wirklich nicht:
http://www.spiegel.de/panorama.....55,00.html