Der 5-Milliarden-Dollar-Mann
Wirtschaftshistoriker – klar, die muss es auch geben! Einer von denen, Douglass North, hat sogar eine Idee, wie man den Nahostkonflikt lösen kann:
Geben wir den Israelis doch 5 Milliarden Dollar. 2,5 Milliarden Dollar müssen sie den Palästinensern abgeben, damit diese ihre Wirtschaft entwickeln und mit der israelischen vernetzen können. Eine solche wirtschaftliche Integration von Israel und Palästina ist notwendig, um Frieden in der Region zu sichern, darüber kann es gar keinen Streit geben. Die Vorteile einer solchen Lösung für beide Seiten wären monumental. Also, warum nicht?
Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht deshalb nicht, weil der Westen schon weit mehr als 5 Mrd. Dollar gegeben hat? Liegt das Problem vielleicht ganz woanders? North jedenfalls meint, dass es nicht am Fundamentalismus liegen könne, denn:
Fundamentalismus gibt es in jeder Religion. Und Religionen gibt es überall. Es gibt keine menschliche Gesellschaft, die nicht versucht hat und versucht, mit Hilfe von Glaubenssystemen Dinge zu erklären, die nicht rational sind. Nun ist es mir egal, an was für verrückte Dinge Sie glauben. Aber wenn Sie mich umgekehrt dazu zwingen wollen, an das zu glauben, woran Sie glauben, dann haben wir ein Problem. Solche Übergriffe der Intoleranz sind im Laufe der Geschichte von allen Religionen ausgegangen, auch vom Christentum, nicht nur jetzt vom Islam.
Ganz recht: Hat es im Christentum gegeben. Die Vergangenheitsform ist hier korrekt, denn im Namen des Christentums werden – von einer bemerkenswerten Ausnahme abgesehen – heute keine Massenmorde mehr begangen. Die blutige Zeit des Christentums ist vorüber. Aber ein Wirtschaftshistoriker wie North lebt noch in der Vergangenheit. Immerhin kommt doch noch etwas Gescheites zu der Frage, ob es den islamischen geprägten Gesellschaften vielleicht an etwas mangelt, was im Westen zu Freiheit und Wohlstand geführt hat:
Aufgrund ihres Glaubenssystems fehlen ihnen wesentliche Institutionen, die sich im Westen herausgebildet haben. Im Westen hat nicht zuletzt die Kirche dafür gesorgt, daß sich beispielsweise das Streben nach Wohlstand durchgesetzt hat. Im Islam gibt es das nicht. Es gibt auch kein Unternehmen in der Form, wie wir es kennen: mit grundsätzlich unbegrenzter Lebensdauer. Alle Unternehmen in der islamischen Welt sind klein und sterben mit ihrem Besitzer. Die islamische Gesellschaft wird erst weiterkommen, wenn sie Wirtschaftsformen entwickelt, die sich emanzipieren und über die Lebensdauer von Individuen herausgehen, die also unpersönliche, anonyme Tauschprozesse zulassen. Komplexe Gesellschaften brauchen Institutionen, die anonyme Tauschprozesse zulassen. Daran fehlt es übrigens auch in China.
Letztere Aussage scheint aus einer Epoche vor den Reformen Deng Xiaopings zu stammen, aber davon abgesehen: Wenn es um die Islamische Welt so bestellt ist, wie North sagt, was sollen dann fünf Mrd. Dollar für den Nahostkonflikt bringen?
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Zu dieser fürchterlich skurrilen wie grausamen “Lord’s Resistance Army” habe ich bei der Gesellschaft für bedrohte Völker ein interessantes Detail entdeckt:
“[I}n den Süden des Sudan zog sich die LRA nach Überfällen in Uganda immer wieder zurück. Zwar bestreitet die Regierung in Khartum vehement jede Unterstützung der Rebellenbewegung, räumt angesichts vieler glaubwürdiger Berichte über Waffenlieferungen der sudanesischen Armee an die LRA jedoch ein, dass einzelne Offiziere die LRA mit Waffen und Munition versorgen würden.”
http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=524
Die sudanesisch-islamische Regierung unterstützt auch die arabischstämmigen Janjaweed-Milizen, die in der sudanesischen Provinz Darfur seit längerem die schwarze, ebenfalls muslimische Bevölkerung töten. Will sagen: Diese Muslime unterstützen eine christliche Miliz im Nachbarland.
Eine ugandischstämmige Bekannte von mir versteht die Kämpfe der LRA im Norden Ugandas nicht: “Da IST nichts.” Beziehungsweise glaubt sie, es könne dort womöglich Bodenschätze geben, die vor der Ausbeutung erst von potenziell störender Bevölkerung gereinigt werden sollen.
In Darfur werden große Ölvorräte vermutet, worin ein möglicher Grund gesehen wird, warum die sudanesische Regierung den Janjaweed freie Hand lässt: leichter Bohren ohne “Bürgerproteste”.
Da ich allerdings keine “Afrika-Expertin” bin, bleibt das Ganze bis auf Weiteres quasi im Verschwörungstheoretischen. :-/
Broder hat in seinem Interview im österreichischen Standard auf den eigentlichen Schaden der Hisbollah-Raketen für Israel hingewiesen. Mehr als ein Drittel eines hochindustrialisierten Landes war blockiert. Erwachsene konnten nicht arbeiten, Kinder konnten nicht lernen. Wesentlicher als die tatsächlichen Schäden sind Schäden durch den Stillstand der Wirtschaft.
Benachbarten Staaten mit hohen Wirtschaftsleistungen und einem regen Austausch dieser Wirtschaftsleistungen können sich Kriege nicht leisten.
Das ist der Grundgedanke von Douglass North:
Friedensstiftend wirkt nicht das friedliche Denken über den Nachbarn, sondern zuerst ein gemeinsames sehr starkes wirtschaftliches Interesse, das stärker ist als Hass.
Er räumt zu recht ein, daß dafür die kulturellen Voraussetzungen auf islamischer Seite fehlen. Die Summe halte ich auch für viel zu gering. Das müßten schon 100 Mrd € Investitionen sein. Eine Summe, die der Iran nicht mal so nebenbei ersetzen kann.