“Ich verbeuge mich vor Muhammad”

Thursday, August 24, 2006
Von Martin Riexinger

verkündet der evangelische Theologe Thomas Naumann aus Siegen und wird in islamischen Medien der Türkei begeistert zitiert. Versuch der Rückübersetzung zweier Passagen:

Muhammad hat die Menschheit die Menschlichkeit gelehrt, niemand konnte ihr eine Zivilisation, die jener die er ihr vorgestellt hat bringen.

Da sich die islamische Welt gegen die Säkularisierung wehrt bekämpft sie die westliche Welt, die fürchtet, die islamische Welt könnte den Gipfel erklimmen. Der Westen ist der Sorge um das eigene Ich verfallen (? benlik derdine düştü); Kämpft er an der militärischen Front, hat er kein Ziel, wie jenes dem Wort Gottes Geltung zu verschaffen (İlâ-i Kelimetullah). Seine Sorge gilt dem (eigenen) Vorrang, dem Selbst dem Ego…

Dazu abgedroschene apologetische Klischees: Logarithmus und Null wurden von Indern erfunden.

+++Anm. von MK, 21.09.06+++

Dieser Artikel ist nicht länger vom Verfasser autorisiert. Lesen Sie dazu seine Stellungnahmen (I, II). Ihre Kommentare zum Thema schreiben Sie bitte in das Kommentarfeld dieses Beitrags.

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13 Responses to ““Ich verbeuge mich vor Muhammad””

  1. N. Neumann

    Prof. Dr. Thomas Naumann

    Kurzvita

    1958 Geboren in Rodewisch (Vogtland), verheiratet mit Marina Naumann, zwei Kinder (1980, 1981)

    1983 Studium der Ev. Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    1983 1. theol. Examen

    1987-1988 Vikar der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

    1988 Wiss. Mitarbeiter an der Universität Halle-Wittenberg (Prof. Dr. Dr. Gerhard Wallis)
    Promotion zum Dr. theol.
    2. theol. Examen, Ausreise aus der DDR

    1989-1995 Wiss. Mitarbeiter an der Ev. Theologischen Fakultät der Universität Bern/Schweiz
    (Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Dietrich

    1992 Teilnahme am Palästina-Lehrkurs (Jordanien/Syrien) [!]

    1995-1997 Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds

    1997 Habilitation an der Universität Bern
    seit 1997 Professor an der Universität Siegen

    #7066
  2. S. Sellier

    Linker ostdeutscher Evangelischer, der sich gerne aus alter Gewohnheit vor Leuten verbeugt, die die Aufgabe des Selbst zugunsten eines angeblich höheren Ziels predigen – das quasi jedes Mittel rechtfertigt?

    In der Berliner PDS etwa muss es unglaublich viele evangelische Pfarrer geben, wie mir eine dortige Bekannte sagte. Ich finde dies, gelinde gesagt, würdelos, wenn man bedenkt, was die SED als Vorläuferin der PDS vielen Protestanten in der DDR angetan hat.

    Etwa begabten Jugendlichen, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche nicht studieren durften und sich plötzlich in einer Fleischerlehre o. ä. wiederfanden; ganze Biographien wurden dadurch zerstört.

    Darauf, sich ausgerechnet seinen früheren Schindern anzuschließen, käme m. E. kaum ein Katholik (ähnliche Beklopptheiten habe ich nur bei einigen, aber, nota bene, wenigen Juden erlebt).

    Ich weiß nicht, warum viele Evangelische so unter intellektuellem Schwund und Schwärmerei leiden. Vielleicht vermissen sie im Grunde die harte dogmatische römische Hand und suchen sich daher, überfordert mit der evangelischen Freiheit, neue Autoritäten?

    Naumann klingt in meinen Ohren genau so.

    #7077
  3. Ulrich

    Peinlich, würdelos und unglaublich!!!
    Leider aber wahr!
    Für mich als Theologen aus Ostdeutschland bleibt dies unbegreiflich – nach der Erfahrung mit Totalitarismus in der “DDR”. Es ist einfach zum Kotzen, wie sich Naumann den Islamofaschisten anbiedert!

    #7111
  4. Ulrich

    Es kommt noch schlimmer: Noch ein Israelhasser und Islamistenschleimer aus dem theologischen Garten: Burghard Müller: gestern zum Wort zum Sonntag:
    http://www.daserste.de/wort/se.....464~cm.asp
    hier vom 11.Februar: http://www.daserste.de/wort/se.....v5k~cm.asp

    #7123
  5. Prof. Dr. Bernd Kollmann

    Was hier geboten wird, ist unterste Schublade. Herr Riexinger stützt sich bei den Thomas Naumann zugeschriebenen Äußerungen offenkundig auf Rückübersetzungen aus türkischen Medien. Was Thomas Naumann tatsächlich gesagt hat und in welchem Kontext betreffende Aussagen gegebenenfalls stehen, wird gar nicht erst gefragt. Mit wissenschaftlicher Seriösität hat dies wenig zu tun.
    Welche Konsequenzen solch ein Vorgehen haben kann, zeigen die an Niveaulosigkeit kaum zu überbietenden Kommentare, die mit viel Phantasie munter drauf los zu fabulieren. Da wird Thomas Naumann zum “PDS-Theologen”, zum Anbiederer an “Islamofachisten” und implizit sogar zum “Israelhasser”. In diesem Zusammenhang nur zwei Informationen, um die Dinge gerade zu rücken: Thomas Naumann wurde aus der DDR ausgebürgert und steht damit nicht unbedingt im Verdacht, “sich aus alter Gewohnheit vor Leuten zu verbeugen” oder sich in besonderem Maße der PDS anzudienen (wobei mir ohnehin rätselhaft ist, was dies mit der Islam-Thematik zu tun haben soll). Und er ist seit seit langem im christlich-jüdischen Dialog engagiert und derzeit Präsident des “Studienkreises Kirche und Israel in Rheinland und in Westfalen”.

    #7304
  6. offenkundig auf Rückübersetzungen aus türkischen Medien.

    Ich habe nichts anderes behauptet. Es geht darum, wie die Äußerungen in türkischen islamischen Medien wahrgenommen werden, nämlich als Kapitulationserklärung. Dies ist kein Einzelphänomen, was ich an anderer Stelle ausführllicher darstellen werde.

    #7371
  7. [...]

    Klarstellung

    By M. Riexinger

    Zur Person des hier kritisierten Theologen Thomas Naumann, stellt Prof. Bernd [...]

    #7372
  8. [...] an Claudia Dantschke. Zum Thema “Interreligiöser Murks” fällt mir auch ein: – “Ich verbeuge mich vor Muhammad” – Klarstellung ( [...]

    #7716
  9. [...] er

    … möchte die “Millî Gazete”,* weil er sich nicht vor Muhammad verbeugt. Dessen Regensburger Rede möge den Reli [...]

    #8068
  10. Gut, dass ich im Urlaub war und mich nicht mit Ihrem Internet-Forum beschäftigen musste. Ich möchte dem dankenswerten Kommentar meines Kollegen Prof. Dr. Bernd Kollmann folgendes hinzufügen.

    1. Die zitierten Aussagen stammen nicht von mir. Sie entsprechen auch nicht meiner Sicht der Dinge. Auch in dem von mir gehaltenen Vortrag, den ich mittlerweile auf meiner Homepage eingestellt habe, finden sich keine Sätze, die im Sinn dieser Zitate verstanden werden könnten. Wie es zu diesen „Zitaten“ kommen konnte, muss weiter geklärt werden. Dies gehört aber nicht hierher.

    2. Hierher gehört jedoch, dass Herr Riexinger den Aufmacher in der türkischen Presse nutzt, um mich ohne alle nähere Prüfung der unqualifizierten Debatte seines „Stammtisches“ auszusetzen. Dass er dies als promovierter Islamwissenschaftler tut, macht die Sache schwerwiegend. Denn er verstößt gegen alle Regeln seriöser Recherche und wissenschaftlicher Ethik. Dass es ihm mit seinem „Hinweis“ allein darum geht „wie die Äußerungen in türkischen islamischen Medien wahrgenommen werden, nämlich als Kapitulationserklärung“ ist so fadenscheinig wie verlogen. Denn Riexinger hat nicht geschrieben: „In islamischen Medien wird Professor Naumann folgendermaßen zitiert“, sondern er hat geschrieben: „verkündet der evangelische Theologe“. Damit macht er mich dezidiert zum „Verkünder“ dieser islamischen Bekenntnisse.

    3. Die sprachliche und formale Gestaltung dieser Anzeige zeigt hinreichend, dass es Herrn Riexinger allein um eine billige Skandalisierung ging. Und die ehrverletzende Niveaulosigkeit der „Meinungsbildung“, die sich daran anschließt, belegt auch, dass diese Rechnung aufging. Herr Riexinger hat es daher auch nicht für nötig befunden, mäßigend einzugreifen. Er hat allein auf das Statement meines Kollegen Kollmann reagiert. Aus diesem Grund trägt Riexinger auch im juristischen Sinn die volle Verantwortung für die Inhalte dieser gesamten Seite. Daher werde ich mir weitere Schritte vorbehalten.

    4. Es ist kurios, dass dieses Transatlantic – Forum mit dem Anspruch auftritt, die westlichen Werte der Aufklärung in der globalisierten Welt hochzuhalten. Was ich in diesem Forum gelesen habe, ist nichts als dumpfes, stumpfes Ressentiment, das keine Gründe braucht, noch weniger Argumente, sondern nur Anlässe, um einmal wieder Dampf abzulassen. Ralf Dahrendorf, der die Homepage des Forums schmückt, hätte an dieser Debatte vermutlich wenig Freude.

    Professor Dr. Thomas Naumann

    #8457

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