Strange Bedfellows

Friday, August 25, 2006
Von Martin Riexinger

Am Mittwoch brachte die FAZ-Beilage “Geisteswissenschaften”, die leider im Netz nicht verfügbar ist, einen Beitrag über das zunehmende Interesse am “Eurasiertum” in Russland. Diese antiliberale Denkrichtung ist in den 1920ern unter russischen Exilanten im Westen entstanden. Anders als der Pansalwismus ist sie nicht antislamisch und antideutsch ausgerichtet und obwohl ihre Exponenten nach der Oktoberrevolution hatten fliehen müssen, betrachteten sie den Bolschewismus als kleineres Übel als die westliche Demokratie. Die Neueurasier haben diese Ideologie um Carl Schmitts Vorstellung vom unüberbrückbaren Gegensatz zwischen See- und Kontinentalmächten erweitert. Daher sollen sich Europäer, Russen und Turkvölker gegen England und die USA verbünden. Viele Eurasier sind Antisemiten, ihr Chefideologe Alexandr Dugin jedoch nicht.
In der Türkei werden seine Vorstellung von dem Linksnationalisten Doğu Perinçek, der hier bereits im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Gedenken an den Völkermord an den Armeniern erwähnt wurde. Er hat Dugins Ideen als weiteren Zutat dem Ideologiegemisch beigefügt, dass er aus Kemalismus und Maoismus zusammengebraut hat. Ein Aspekt dieser Zusammenarbeit ist, dass Dugin die Griechen entgegen dem russischen Philhellenismus als Gegner betrachtet: Sie sind ja ein Seevolk. Dementspechend unterstützt (tr.) er den türkischen Anspruch auf Nordzypern.

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