Ein Hobby namens Hass
Die Schriftstellerin Irene Dische in der aktuellen EMMA über den lieben Libanon, das böse Israel und ein Hobby namens Hass:
Nach libanesischem Recht sind Kontakte mit Israel ein Gesetzesverstoß. Auf den Landkarten in libanesischen Schulen gibt es überhaupt kein Israel. In den Augen des Gerichts der Weltöffentlichkeit muss es mit alldem seine Richtigkeit haben, denn dagegen hört man niemals Proteste.
(…) Die vertriebenen Palästinenser, auf der anderen Seite, die in den Libanon gingen, bekamen weder einen Job, noch die Staatsbürgerschaft, noch irgendwelche Rechte. Nach 45 Jahren, im Jahre 1994, wurde ein Dekret erlassen, dass die Einbürgerung für Palästinenser vereinfachte. Zirca 60.000 der 400.000 Palästinenser erhielten daraufhin die libanesische Staatsbürgerschaft. 2003 wurde das Dekret rückgängig gemacht; gleichzeitig wurde mehreren tausend palästinensischen Familien die Staatsbürgerschaft wieder aberkannt.
Generationen von im Libanon geborenen palästinensischen Kindern sind im Libanon von Gymnasial- bzw. Hochschulbildung ausgeschlossen. Qualifizierte Palästinenser dürfen nicht als Arzt, Anwalt oder Architekt praktizieren, und ein 2001 erlassenes Gesetz verbietet ihnen, im Libanon Eigentum zu kaufen oder zu erben. Im Libanon existiert eine nicht unerhebliche vermögende Schicht, die zwar nie einen Cent für die „Flüchtlinge“ gespendet hat, aber gleichzeitig Israel für das Dilemma die Schuld gibt. Denn in dem moralischen Gerichtsverfahren gegen Israel wird selbst die Art und Weise, wie die Palästinenser von ihren Gastländern behandelt werden, Israel zur Last gelegt.
Der ganzen Text gibt´s hier. Lesenswert.
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@M.Kreutz
Der Artikel ist sehr gut. Nur reicht es nicht, einen Artikel gegen die Artikel anderer zu setzen. Denn die, an die diese Artikel gerichtet sind, lesen ihn ja nicht. Sie werden sich mit den Argumenten nur dann auseinandersetzen, wenn sie im Rahmen eines Streitgespräches gezwungen sind.
Streitgespräche haben nicht den Sinn des Verhandelns. Natürlich muß man für Streitgespräche einen persönlichen Mut aufbringen. Das nannte man mal Zivilcourage. Der geht den meisten wohl ab, weshalb sie glauben, Streitgespräche sind sinnlos. Richtig ist, es ist sehr sinnlos, daß sie das Streitgespräch führen.
Sie sind schon merkwürdig. Einerseits erwarten sie eine entschiedene Haltung gegen Islaministen, andererseits glauben sie, auf die erste Stufe, das Streitgespräch verzichten zu können? Worin drückt sich denn die Wehrhaftigkeit einer Gesellschaft, die Zivilcourage, denn ihrer Meinung nach aus? Eben im verbalen Streit, worin den sonst?
Sowohl der interne Dialog in dieser Gesellschaft wie der Dialog mit dem Islam beginnt mit dem Streitgespräch. Dialog heißt ja in dem Fall nicht, die Positionen des jeweils anderen anzunehmen, sondern gezwungen zu sein, die Unvereinbarkeit wahrzunehmen. Auch die Widersprüchlichkeit in der eigenen Argumentation wahrzunehmen, die bei den geschilderten Libanesen reichlich vorhanden ist. Menschen können mit derart eklatanten Widersprüchen in der eigenen Argumentation leben, außer man zwingt sie in einem Streitgespräch dazu, sie wahrzunehmen. Freunde macht man sich damit nicht, aber das ist auch nicht die Aufgabe eines Streitgespräches. Bisher erweckt die westliche Gesellschaft den Eindruck, daß es ihren Menschen an Wehrhaftigkeit fehlt und dieser Eindruck beginnt mit dem Schweigen. Dem Schweigen zu Regelverletzungen und dem Schweigen zu Widersprüchen in der Argumentation.
“In einem Kampf, der nicht zuletzt eine Auseinandersetzung um Werte und Lebenweisen ist, sollte es für Liberale eigentlich nahe liegen, jene »westliche Dekadenz« der freien Partnerwahl und der Popkultur zu fördern, die die Islamisten so fürchten: Kondome für Kabul, Gitarren für Gaza, Bier für Bagdad”
Na toll, mit anderen Worten, Sie wollen den Kampf gar nicht selber führen, sondern ihn westlichen Produkten überlassen. Also Stellvertreterkriege. Oh, wie ungeheuer tapfer Sie sind. Vor Ihnen muß jeder Moslems zittern vor Furcht. Ich zittere auch, Sie gewaltiger Krieger.
Dieses Blog ist doch das gleiche. Auch hier sind sie unter sich und schreiben über Moslems. Dazu gehört nicht viel Mut. Mehr Mut gehört dazu, hier lebenden Moslems zu sagen, welche Aspekte des westlichen Lebens sie annehmen müssen und welche Aspekte ihres bisherigen Leben sie ablegen müssen, wenn sie hier leben wollen. Ziehen Sie mal das Kondom von Ihrer Zivilcourage ab.
Bei Menschen wie mir würden ihre siegreichen Waffen der Popkultur auch nicht helfen und eine Waffe wie der Alkohol, im Westen angewendet, richtet sich gegen diese Gesellschaft.
Ich hatte 1986 das Vergnügen, einem mehrstündigen Streitgespräch unter Technologen über ein sehr kontroverses Thema teilzunehmen. Die konservative Elite des Faches, etwa 200 Menschen, verwandelt in Hell Angels jenseits der 50, gegen einen einzigen Vortragenden, einen Amerikaner, jenseits der 60. Es ging hoch her, hoher Geräuschpegel und Blutdruck, gerötete Gesichter, verschwitzte Hemden, bei allen erhöhter Blutdruck. Mit dunkler Haut, Bärten und Kaftan hätten Sie die auch für fanatische Schiiten halten können. Fair und gelassen war keiner der Gegner.
Da muß man halt persönlichen Mut haben. Es ist kein Vergnügen, die europäische und die abwesende amerikanische Elite des Faches in einer Diskussion geschlossen gegen sich zu haben und sich alleine zu verteidigen. Fast 20 Jahre später, im Herbst 2005 hat das Department of Energy sein damaliges Urteil revidiert, die Weltelite des Faches hatte sich geirrt.
Ich gehe davon aus, dass Verständigung der Normalzustand unter Erwachsenen ist, genauso wie ich davon ausgehe, dass ich z.B. mit einem säkularen muslimischen Türken mehr gemeinsam habe als mit, sagen wir, einem deutschen Neonazi. Um das festzustellen bedarf es allerdings keines Dialogs.
Des weiteren verstehe ich nicht, worüber ich mit islamischen Extremisten diskutieren sollte. Auf diesem Blog schreiben wir auch fast gar nichts über Muslime allgemein, sondern nur über radikale Muslime. Um die geht es hier.
Dass alle Dialogverliebten immer so scharf darauf sind, mit den radikalsten Heinis, die sie finden, irgendwelche Gespräche zu führen, womit sie sie ungewollt zu Vertretern des Islams insgesamt machen, ist ganz klar ein Irrweg. Haben diese Gutmenschen nichts besseres zu tun?