Trennlinie

Monday, September 4, 2006
Von Michael Kreutz

Wenn ein Terroranschlag im Namen des Islam ausgeführt wird, dann hört man mit schönster Regelmässigkeit von berufener Seite, dass dies mit dem wahren Islam nichts zu tun habe.

Das mag sein. Da Glaube immer eine Herzensangelegenheit ist, kann nur der einzelne Gläubige für sich entscheiden, was die wahre Religion ist, der er angehört. Und dass es einen moderaten Islam gibt, steht ausser Frage: Der moderate Islam, das sind all diejenigen Muslime, die nicht radikal sind. Mag dies mit der Lehre des Koran vereinbar sein oder nicht.

Kein Muslim, der nichts mit Terrorismus zu tun hat, muss sich dafür rechtfertigen, wenn Glaubensgenossen im Namen seiner Religion Verbrechen begehen. Aber ein Muslim muss sich in diesem Lande – wie jeder andere Bürger auch – entscheiden, ob seine Sympathie den westlichen Werten von Freiheit und Selbstbestimmung gilt oder der Diktatur, im Falle des Islam also: Dem Kalifat. Hier gilt es, eine Trennlinie zu ziehen.

Was dabei immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass diese Trennlinie zwischen einem moderaten und einem extremistischen Islam häufig genau von denjenigen nicht gezogen wird, die meinen, dass Anschläge im Namen des Islam nichts mit dem “wahren Islam” zu tun haben. Im Klartext: Allzu leichtfertig wird die Kritik am ISLAMISMUS als ISLAMOPHOBIE gescholten. (Wie z.B. auf dieser und dieser Seite.)

Nehmen wir z.B. folgende Aussage eines Redakteurs des libanesischen “Daily Star”:

The most recent catch-all phrase to describe the bad guys in the Middle East-Asian region is “Islamo-fascists”–a stunningly simplistic convergence of a noble ancient religion from the Middle East with an evil modern political ideology that was born in Europe.

Das heisst nach dieser verqueren Logik nichts anderes, als dass es einen Islamofaschismus nicht geben kann, weil es unmöglich ist, den Islam zu einer faschistischen Ideologie zu pervertieren. Damit wird auch die grausamste Tat immun gegenüber dem Vorwurf des Faschismus, solange sie nur im Namen des Islam begangen wird. Müsste nicht jeder Vertreter eines moderaten Islam sich über diese Behauptung masslos aufregen? Wenn Gewalt im Namen der eigenen Religion eine Pervertierung ebendieser Religion darstellt, sollte dieser Umstand nicht sprachlich auch so formuliert werden, wie er in der Vokabel “Islamofaschismus” zum Ausdruck kommt?

George Bush, Tony Blair und andere können allerdings noch so oft darauf hinweisen, dass ihr Kampf dem ISLAMISMUS, dem radikalen Islam also gilt, und nicht dem ISLAM an sich – immer gibt es welche, die darin ISLAMOPHOBIE sehen. Wer gegen den Islamismus spricht, ist ISLAMOPHOB: Diese Gleichung kann aber nur aufgehen, wenn man den ISLAMISMUS mit dem ISLAM gleichsetzt. Ist das wirklich im Sinne derjenigen, die so gerne das Kampfwort ISLAMOPHOBIE in den Mund nehmen?

Man fragt sich.


Siehe auch:
Islamfeindschaft und Antiamerikanismus, 24. Juni 2006,
Anwerbung auf dem Campus, 21. August 2006.

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5 Responses to “Trennlinie”

  1. Ich frage mich gerade, ob es eine Verbindung zwischen MulimRecht.com und der islamistischen Organisation Hizb-ut-Tahrir gibt. Deshalb weil ich nicht glaube, dass die optische Ähnlichkeit der Internettauftritte von MuslimRecht und kalifat.org zufällig ist. Auch ideologisch geht es in eine ähnliche Richtung, wenn auf MuslimRecht gemässigter.

    Nur ein Gedanke, als ich obige “Islamophobie”-Website angeschaut habe. Beweise habe ich keine.

    #7509
  2. Anscheinend ist ihr Verdacht nicht unbegründet. Aber die Hamburger Islamistenszene kenne ich nicht aus erster Hand.

    #7515
  3. [...] onst wird uns weiterhin von Amerikanern auf diese Weise erklärt, warum der Begriff “Islamofaschismus” böse ist: Der italienische Faschismus, der [...]

    #7535
  4. [...] m zum Mitschreiben, bitte – für die Herren Lafontaine und Grass. — Siehe auch: • Trennlinie>>/a>, 4. September 2006.

    [...]

    #7692
  5. [...] nger

    Drei Begriffe, die auch in diesem Block diskutiert wurden (i, ii, iii, iv), qualifiziert Walter Laqueur in diesem Essay als wenig erken [...]

    #10774

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