Spengler und der russische Heroismus
Dem “apokalyptischen Hass” vieler Russen auf den euroamerikanischen Westen verleiht Spengler in “Der Untergang des Abendlandes” beredten Ausdruck. Er tut es, aus russischer Sicht, so überzeugend, wie nur einer es vermag, der sich vollkommen ins Russentum einfühlt und ihm so auch gerecht wird. Dass ebendies einem deutschen Gelehrten gelingt, dessen Denkungsart dem systemfremden und begriffsschwachen Denken der Russen eigentlich zuwiderlaufen müsste, macht Spengler zu einem “allmenschlichen” Kulturhelden und damit wiederum zu einer Identifikationsfigur von Dostojewskis Gnaden.
schreibt Felix Philipp Ingold in der FAZ.
Bei Spengler, für den es drei Arten von Völkern, nämlich solche “apollinischen, faustischen und magischen Stils” gab, liest sich das so (Zitate nach der Beck-Ausgabe von 1990, S. 394, 921 Fn.1 und 761): “Die russische, willenlose Seele, deren Ursymbol die unendliche Ebene ist, sucht in der Brüderwelt, der horizontalen, dienend, namenlos, sich verlierend aufzugeben.”
An anderer Steller erklärt er: “Den unermeßlichen Unterschied der faustischen und der russischen Seele verraten einige Wortklänge. Das russische Wort für Himmel ist njébo, eine Verneinung (n). Der Mensch des Abendlandes blickt hinauf, der Russe blickt zum Horizont ins Weite.”
Darin drückt sich ein Heroismus aus, der schon in der Vergangenheit fatal für die russische Gesellschaft war: In den erstmalig 1909 erschienenen Vechi-Pamphleten der konstitutionellen Demokraten sahen die Autoren den Niedergang der russischen Intelligenzia in deren heroischer Weltauffassung, in einer Art von “Psychoideologie” und Volkstümlerei, die das Volk zum Gott verklärte.
Wenn Spengler heute in Russland neu entdeckt wird, dann ist dieser Ungeist wohl noch längst nicht verloschen.
–––Ähnliche Beiträge:
Comments
4 Responses to “Spengler und der russische Heroismus”
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.





































Unter den “Eurasiern” erfreut sich im Übrigen Carl Schmitt größter Bleiebtheit: Russland als Avantgarde der kontinentalen Mächte gegen das maritime Angelsachsentum.
Ich erinnere mich. Dazu gab es doch kürzlich was in der FAZ.
(Der FAZ-Link funktioniert nicht.)
Über antimoderne Ressentiments russischer Provinienz des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts schrieben relativ ausführlich auch Ian Buruma (jüngst als westliches Weichei gescholten) und Avishai Margalit in Okzidentalismus - Der Westen in den Augen seiner Feinde. Ebenso gut lesbar wie lesenswert.
Der Link war korrekt, aber der Text ist nicht mehr online.