Das Elend des Dialogbetriebs

By Michael Kreutz · February 8, 2007

Wir haben keine dezidiert muslimischen Politiker, und ich frage mich, ob das von der deutschen Mehrheitsgesellschaft goutiert würde, ob man einen bekennenden, frommen, wertkonservativen Muslim in den Bundestag wählen würde. Genau das wäre aber der notwendige Schritt, um den Zirkel des Misstrauens zu durchbrechen. Damit wäre der Islam in Deutschland angekommen (…)

Diese Äusserung des Islamforschers Werner Schiffauer ist typisch für den gesamten Dialogbetrieb: Der Muslim kann, so scheint es, immer nur als frommer Mensch gedacht werden.

Denn mit wem führt man einen Dialog? Doch nur mit jemandem, der das ANDERE repräsentiert. Der säkulare, in Deutschland geborene Muslim türkischer oder iranischer Herkunft, der Alkohol trinkt und vielleicht sogar Schweinefleisch isst, kann aus dieser Sichtweise heraus kein Dialogpartner sein.

Worüber sollte man allerdings mit einem säkularen Muslim einen Dialog führen? Da genau liegt die ganze Crux des Dialogbetriebs: Repräsentiert der Gesprächspartner das ANDERE zu wenig, hat ein Dialog auch wenig Sinn. Wählt man dagegen einen Traditionalisten als Dialogpartner, dann macht man ihn zum Repräsentanten auch solcher Muslime, die selbst gar nicht fromm sind.

So gut gemeint der Dialog auch sein mag: Letzten Endes bedeutet er nur eine Islamisierung der Muslime. Damit bewirkt der Dialog das Gegenteil von dem, wofür er gedacht ist und befördert eine Entfremdung von der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Der Weg zur Hölle ist eben gepflastert mit guten Vorsätzen.


Siehe auch:
Lob für ein gescheitertes Modell, 7. Juli 2006.

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Comments

6 Responses to “Das Elend des Dialogbetriebs”

  1. Martin Riexinger on February 8th, 2007 12:32 pm

    Schiffauer plädiert für die Politik, die in GB gescheitert ist.

    Du hast aber den eigentlichen Skandal übersehen: den takfir von Lale Akgün. (bei Özdemir und Deligöz weiß ich nicht, ob sie selbst sich als Muslime verstehen würden).

  2. Michael Kreutz on February 8th, 2007 12:53 pm

    Takfir von wem?

  3. Martin Riexinger on February 8th, 2007 1:10 pm

    Lale Akgün, MdB SPD.

    Folgerung aus der Behauptung es gebe keinen muslimischen Politiker in Deutschland.

  4. Michael Kreutz on February 8th, 2007 1:35 pm

    Hatte es so verstanden, dass der takfir gg. Lale Akgün gerichtet war. Naja, Skandal ist was anderes.

  5. N. Neumann on February 8th, 2007 7:11 pm

    Schiffauer: Die Frage, was denn passiert, wenn eine Gruppe von fehlgeleiteten Muslimen in Deutschland einen Anschlag verübt, beschäftigt die islamischen Gemeinden zunehmend. Es ist hier ja bisher noch gar nichts geschehen, und trotzdem gibt es schon diese Welle der Ausgrenzung. “Wie wird es da erst, wenn etwas passiert? Wie sicher sind wir dann in diesem Land? Werden wir die türkische Staatsbürgerschaft nicht vielleicht noch brauchen, nicht jetzt, aber in fünf oder zehn Jahren, wenn sich die Dinge so weiter entwickeln?” - das sind Fragen, die in den Gemeinden diskutiert werden. Es werden auch Erinnerungen an den Holocaust zitiert, die sich etwa an den zum Teil hysterischen Reaktionen auf den Van-Gogh-Mord in Holland festmachen.

    Dergleichen “Erinnerungen” hat Schiffauer übrigens schon vorsorglich das Wort geredet, in dem er 2003 in der Taz verkündete, dass es in dieser Gesellschaft einen ganz massiven Antiislamismus gibt, der den Antisemitismus abgelöst hat.

  6. M. Möhling on April 13th, 2008 1:47 am

    Der oben verlinkte Artikel ist jetzt im Archiv zu finden.

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