Späte Einsicht
Furore machte in den letzten beiden Wochen in der Türkei ein Interview, das der frühere Generalstabschef und Anführer des Putsches vom 12.9.1980 Kenan Evren der HÜRRİYET gegeben hat. Dort verkündet er, dass die Türkei gar nicht um eine Föderalisierung des politischen System herum komme. Der verdutzte Fragesteller weist darauf hin, dass es zeitweise verboten gewesen sei, solch eine Idee zur Debatte zu stellen. Evren entgegnet hierauf, dass er als Präsident eine Kommission zu dieser Frage geründet habe. Die Idee sei ihm bei einem offiziellen Besuch in Bayern gekommen, als neben der deutschen und der türkischen eine dritte Flagge gehisst worden sei.
Außerdem plädiert er dafür, die 10%-Hürde bei Parlamentswahlen abzuschaffen. Sie war seinerzit von ihm selbst eingeführt worden, nun aber profitiert davon die regierende AKP. Mit etwas über einem Drittel der Stimmen verfügt sie fast über eine Zweidrittelmehrheit, weil die Stimmen aller Konkurrenten außer der Republikanischen Volkspartei unter den Tisch fallen.
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Eigentlich gehört Evren ins Gefängnis, aufgrund seines Putsches und der Repressionen, die er zu verantworten hat. Aber seine Meinung über Föderalisierung teile ich. Da hat er was wahres gesagt. Hat wohl einen lichten Moment gehabt.
Und ich finde es bemerkenswert, weil vor 10 Jahre hätte man jeden ins Gefängnis gesteckt, der dem Föderatlismus das Wort spricht.
Vor zehn Jahren wohl eher nicht, aber vor 25, als Evren regierte.
Ich glaube, sowas wäre sogar heute möglich. Wenn ich in den türkischen Zeitungen so lese, wer alles eingebuchtet wird, wenn er etwas sagt, dann wundert mich das auch nicht.
Ein kurdischer Politiker bekommt ein paar Monate, weil er Apo Öcalan mit “Sayin” angesprochen hat.
Der liberale Wissenschaftler Atilla Yayla wird von der Uni entlassen, weil er in der Öffentlichkeit den Kemalismus kritisiert hat. Zum Glück hat er seine Position wieder zurück.
Da möchte man den “Vertretern der 2.Republik” (Ikinci Cumhuriyetciler) viel Glück wünschen, das sie den Staat total umkrempeln und von der Staatsideolgoie befreien.
http://www.ikincicumhuriyet.org
Was Atilla Yayla betrifft, wenn sie sehen möchten wie ein Kemalist (wie Dogu Perincek) mit einem Liberalen (Atilla Yayla) diskutiert, können sie das hier tun:
1. http://www.youtube.com/watch?v=zqdQLJwB824
2. http://www.youtube.com/watch?v=BVu38SSM5Q4
3. http://www.youtube.com/watch?v=NdIHS49yMK4
4. http://www.youtube.com/watch?v=0kb5OPEa9oY
5. http://www.youtube.com/watch?v=yMkSpKsZ2Yo
Danke! Perinçek kann aber nur bedingt als Kemalist betrachtet werden, da er einen sehr kuriosen Ideologiemischmasch vertritt.
Perincek vertritt eine bestimmte Art von Kemalismus. Der Journalist Can Dündar hat mal eine sehr interessante Doku über Atatürk und Kemalismen gemacht. Dort werden alle Arten von Kemalismus dargestellt. Der Recht, Linke (Yön Dergisi usw.), der Kemalismus des Militärs usw.
Perincek hat ein Mischmasch aus Maoismus, Militär und Nationalismus. Von Linken und Kommunisten wird er nicht mal als Linker betrachtet, sondern als Verräter, der Anfang der 80er Jahre viele Linke ans Messer geliefert hat.
Liberale wie Mustafa Erdogan oder Atilla Yayla haben es schwer, denn der Liberalismus, den sie vertreten hat einfach keine gesellschaftliche Basis. Deswegen ist es leicht sie zu denunzieren, wie es Perincek macht.
> Perincek hat ein Mischmasch aus Maoismus, Militär und Nationalismus.
Sie vergessen das Eurasiertum, das er aus Russland importiert hat. Iran gehört übrigens auch zum von ihm propagierten eurasischen Blcok gegen die Seemächte (das hat er via Alexander Dugin von Carl Schmitt). Deswegen behauptet er wohl seit Neuestem, dass er seit vierzig Jahren bete.
Ja Perincek behauptet viel, so auch das er seit vierzig Jahren bete. Wenn man seine Bücher über Religion ließt, sieht das schon etwas anders auch. Das einzige was bei Perincek bestandt hat, ist seine Wandelhaftigkeit. In den 80ern hatte er eine sehr kritische Einstellung gegenüber dem Militär (zum Teil sogar Kemalismus), jetzt vertritt er von allem das Gegenteil.
Das macht ihn aus, man kann ihn nicht ernst nehmen.
Damals machte er Furore, weil er sich mit Öcalan traf…
Anscheinend wollen einige einen Putsch provozieren und rufen die Armee dazu auf:
http://www.zaman.com.tr/webapp.....rno=524924
Ich hoffe es gibt mutige Staatsanwälte.