Entwickelt Syrien biologische Waffen?

Saturday, March 10, 2007
Von Michael Kreutz

Nun gut, den amerikanischen Feldzug gegen Saddam Hussein hatte ich immer unterstützt, und zwar aus einem einzigen Grund: Um die Iraker von einer hässlichen Diktatur befreit zu sehen. Dass heute eine Mehrheit dieser Iraker mit den Anschlägen auf amerikanische Soldaten sympathisiert, ist natürlich ungemein ernüchternd. Die mögliche Existenz von Massenvernichtungswaffen dagegen war für meine Haltung nie ausschlaggebend, obwohl die Welt seit den Giftgasangriffen gegen irakische Kurden wusste, dass Saddam Hussein wenigstens einmal im Besitz solcher Waffen war. Andererseits war die Vorstellung, die der damalige Aussenminister Colin Powell 2003 vor den UN ablieferte, mehr als schwach, und er selber hat dies später auch eingeräumt. Was also soll man davon halten, wenn menewsline.com (MENL) berichtet, Syrien sei nach amerikanischen Geheimdiensterkenntnissen dabei, biologische Gefechtsköpfe zu entwickeln?

The U.S. intelligence community has determined that the regime of President Bashar Assad was developing an infrastructure for biological weapons production. Officials said Assad has advanced the BW program through help from China and North Korea.

“Syria’s biotechnical infrastructure is capable of supporting limited biological agent development,” Defense Intelligence Agency director Michael Maples said. “DIA assesses Syria has a program to develop select biological agents.”

Maples said Syria has sought to install biological and chemical warheads on its missile arsenal. He said the programs were meant to deter Israel’s conventional force uperiority.

Nur eine Ente? Die Formulierungen sind jedenfalls sehr zweideutig: Hat Syrien nun ein solches Programm gehabt (”was developing”) oder läuft das Programm immer noch (”has a program to develop”)? Das ist schon eigenartig.

Ganz unzweideutig ist hingegen die Meldung, dass in Damaskus heute die erste Runde von Gesprächen zwischen dem syrischen und dem iranischen Aussenminister begonnen hat. Allein vor dem Hintergrund, dass das Mullahregime sich bemüht, das Hisbollah-Modell auf Syrien auszuweiten, ist Wachsamkeit sicherlich das Gebot der Stunde. Ob die Meldung über Biowaffen nun stimmt oder nicht.

Schon vor mehr als einem halben Jahr hatte Michael Young vom libanesischen “Daily Star” gemahnt, im Umgang mit dem Iran Syrien nicht aus den Augen zu lassen. Eine französische Meldung über einen syrischen Truppenaufmarsch an der Grenze zu Israel hat sich heute allerdings als falsch herausgestellt.


Siehe auch:
Man trifft sich in Teheran, 14. März 2006.

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