Abschied von Humboldt

Sunday, July 1, 2007
Von Michael Kreutz

“Nur wer, wie Humboldt, seine Projekte con amore angeht, wird in Zukunft eine Chance haben”, so Hans Magnus Enzensberger. Wie die Zeiten sich ändern:

Es hat immer Menschen gegeben, die nicht mit einem Berufsziel studierten, sondern weil sie sich mit Homer, Dante oder Nietzsche beschäftigen wollten – für ein paar Jahre oder ein Leben lang; die an die Universität gingen, weil sie Byzanz oder das Chinesische Reich kennenlernen wollten. Es wird diese Menschen auch in Zukunft geben. Aber sie werden viel einsamer und viel unfreier bleiben müssen als zuletzt ohnehin schon. Bologna ist gut für Menschen, die mit zwanzig schon wissen, was sie werden wollen. Humboldt war gut für Suchende und Irrende.

schreibt Gustav Seibt in der “Süddeutschen” über den Niedergang der deutschen, von Humboldt geprägten Universität durch ein bürokratisches Monster: Den “Bologna-Prozess” zur Angleichung der europäischen Hochschulabschlüsse. Jedoch sind nach Meinung des Verbandes der europäischen Universitäten noch nicht einmal dessen Kernziele erreicht worden. Am besten hat es eine Romanistin im Interview mit dem “Focus” (leider nicht online, daher nur Gedächtniszitat) ausgedrückt: “Wir wollten nach Harvard und sind gelandet in Neapel.”

Die bittere Ironie der Geschichte: Die amerikanischen Universitäten orientieren sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ausgerechnet am Modell der Humboldt’schen Institute.

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One Response to “Abschied von Humboldt”

  1. Enzensberger ist noch zu optimistisch:

    > Es wird diese Menschen auch in Zukunft geben. Aber sie werden viel einsamer und viel unfreier bleiben müssen als zuletzt ohnehin schon

    Denen werden an der Uni aber nur noch Modulbeauftragte begegnen.

    #39418

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