Aufsehenerregende Umfrage aus dem Iran zur Politik des Landes
Eine Telefonumfrage im Iran, durchgeführt von der amerikanischen Organisation “Terror Free Tomorrow” gibt interessante Einblicke in die politische Befindlichkeit der iranischen Bevölkerung.
Anders als die Verantwortlichen behaupten, handelt es sich durchaus nicht um die erste Telefonumfrage dieser Art und auch diesmal ist Skepsis angebracht, denn man weiss von Zuschauerreaktionen beim persischen Dienst von VOA, dass Anhänger des Regimes gerne die Gelegenheit nutzen, eine Unterstützung im Volk vorzutäuschen, die tatsächlich weitaus geringer ist. Dies lässt sich in diesem Fall aber wohl ausschliessen, da die Umfrage von einem geheim gehaltenen Ort ausserhalb des Iran durchgeführt wurde. “Terror Free Tomorrow” fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen:
Discontent with the current system of government, the state of Iran’s economy, and isolation from the West is widespread throughout Iran. In this context, nuclear weapons are the lowest priority for the Iranian people. Iranians even overwhelmingly support their government providing full inspections and a guarantee not to develop nuclear weapons in return for trade and assistance from other countries. The popular will to live in a democracy open to the West and the United States, with greater economic opportunity, comes from every region and segment of Iranian society.
Hier einige Details. Der Versuch der iranischen Regierung, Nuklearenergie zu gewinnen, wird von insgesamt sage und schreibe 91,5% der Bevölkerung begrüsst oder sehr begrüsst. Wenn die Umfrage solide ist, widerspricht das älteren Annahmen vehement. Auch haben auf die Frage nach der Unterstützung einer möglichen Entwicklung von Nuklearwaffen immerhin noch 52% zugestimmt und 56,6% halten die Unterstützung der Hisbollah für wichtig oder sehr wichtig.
Auf der anderen Seite wünscht sich eine absolute Mehrheit von 68,4% eine Normalisierung der Beziehungen ihres Landes zu den USA; 54,6% sind bereit, Israel neben einem unabhängigen Palästinenserstaat zu akzeptieren.
Noch bemerkenswerter fallen die Reaktionen auf das gegenwärtige politische System im Iran aus. 61,3% der Bevölkerung lehnen demnach die Theokratie (”A political system where the ‘Supreme Leader’ rules according to religious principles, and cannot be chosen or replaced by a direct vote of the people”) ab, Unterstützung findet es bei nur 26,8% der Befragten! Die Reformbewegung bleibt also nach wie vor ein Mythos. Eine deutliche Mehrheit wünscht sich vielmehr eine Demokratie (”A political system where the ‘Supreme Leader,’ along with all leaders, can be chosen and replaced by a free and direct vote of the people”), nämlich insgesamt 79,1%, eine autokratisch regierende Monarchie wird von 80,1% der Bevölkerung abgelehnt.
Die ganze Umfrage gibt es hier (PDF).
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