Schwadronage für eine Diktatur

Monday, August 20, 2007
By Michael Kreutz

Da zappt man am Sonntagmorgen ein wenig durch die Fernsehkanäle und schon landet man bei einer Sendung, in der Hans Küng ein Gespräch mit Kofi Annan führt – und zwar genau in dem Moment, als ersterer über den Iran schwadroniert. Hätte man doch mit den moderaten Mullahs unter Khatami einen Dialog geführt, lamentierte Küng da, dem es gar nicht gefiel, dass das Land heute politischen und wirtschaftlichen Sanktionen durch die USA ausgesetzt ist. Denn eine andere Wahl als den Dialog mit solchen Leuten habe man ja letztlich nicht.

Diese Ansicht entspricht genau der des wohl grössten Teils der intellektuellen Elite in Deutschland, die aus ihrem unsäglichen Paternalismus heraus, mit dem sie sich den Anschein gibt, ihr Herz gelte den Armen und Unterdrückten dieser Welt, ohne in Wahrheit überhaupt echtes Interesse für sie aufzubringen, sich gar nicht vorstellen kann, dass es im Iran noch etwas ganz anderes als radikale und moderate Mullahs gibt: nämlich eine grosse Mehrheit der Bevölkerung, die das Regime verabscheut und schon längst nicht mehr für reformfähig hält.

Solange diese einfache Tatsache, die jedermann sehen kann, der es sehen will, nicht in die Köpfe der intellektuellen Elite Europas vorgedrungen ist – die stattdessen meint, mit “moderaten Mullahs” einen Dialog (worüber auch immer) führen zu müssen –, hat die iranische Bevölkerung von uns wahrhaftig nichts zu erwarten.


Siehe auch:
Unsichtbare iranische Demokraten, 11. April 2007,
Dahrendorf: “Welle der Gegenaufklärung”, 13. Oktober 2006.

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